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Wirtschaft

"Bahn-Streik ist Gift"

Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken wieder: Heute Nachmittag beginnen sie im Güterverkehr - Morgen trifft es den Personenverkehr. Wirtschaftsvertreter kritisieren den Streik als geschäftsschädigend.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat den geplanten Lokführerstreik als Gift für den Standort Deutschland kritisiert. Die Streikdrohung hänge wie ein Damoklesschwert über der Bahnund ihren Kunden, sagte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Bereits nach wenigen Tagen führten Ausfälle im Güterverkehr zu Produktionsstörungen. Zudem seien mehr als sechs Millionen Berufspendler täglich auf die Bahnangewiesen. "Das ist nicht nur ein Ärgernis für die Betroffenen, sondern stellt auch die Unternehmen vor besondere Herausforderungen und kann in vielen Fällen auch erheblich Geld kosten", sagte Schumann.

Die deutsche Stahlindustrie mit Branchengrößen wie ThyssenKrupp oder Salzgitter rechnet wegen des Bahnstreiks mit einem Schaden in Millionenhöhe. Die Schwerindustrie sei sowohl bei der Versorgung mit Rohstoffen als auch bei dem Transport ihrer Produkte in hohem Maße auf die Deutsche Bahn angewiesen, erklärte die Wirtschaftsvereinigung Stahl am Dienstag. Ein kurzfristiges Ausweichen auf andere Verkehrsträger sei nur sehr eingeschränkt möglich. "Daher gibt der Streik auf der Schiene Anlass zu größter Sorge. Es entstehen erheblicher wirtschaftlicher Schaden und Zusatzkosten in Millionenhöhe."

Die Lokführer wollen von Dienstagnachmittag an erneut bundesweit ihre Arbeit niederlegen, wie die Gewerkschaft GDL am Vorabend mitteilte. Um 15.00 Uhr beginnt der Streik zunächst im Güterverkehr und endet am Freitagmorgen um 9.00 Uhr. Der Personenverkehr soll von Mittwochfrüh um 2.00 Uhr bis Donnerstag um 21.00 Uhr bestreikt werden. Zuletzt waren die Lokführer Anfang November in den Ausstand getreten.

GDL beklagt "Hinhaltetaktik"

Die Deutsche Bahn reagierte mit Unverständnis auf die siebte Streikaktion seit Beginn des Tarifkonflikts. "Die GDL hätte ihr gewünschtes Zwischenergebnis in den Verhandlungen in nahezu allen Punkten haben können", betonte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Die Güterbahn stellte sich angesichts des angekündigten 66-Stunden-Streiks auf erhebliche Beeinträchtigungen ein.

GDL-Chef Claus Weselsky warf der Bahn eine Hinhaltetaktik vor. "Das Management will scheinbar gar kein Ergebnis erzielen", sagte Weselsky der "Passauer Neuen Presse". Er kritisierte, auch nach 16 Tarifverhandlungsrunden fehlten noch immer Ergebnisse in zentralen Fragen. Als Beispiel nannte er eine Begrenzung der Überstunden. Die GDL verlangt außerdem fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Ein Streitpunkt ist auch die Rolle der Lokrangierführer. Diese Kollegen machten die gleiche Arbeit wie Lokführer, würden aber deutlich schlechter bezahlt und hätten viel schlechtere Arbeitszeitregelungen, so Weselsky.

Nicht nur die Lokführer

Die GDL strebt nicht nur für die gut 18 000 Lokführer, sondern auch für andere Berufsgruppen des Zugpersonals einen Abschluss an. Dazu zählt die GDL vor allem die Zugbegleiter und die Lokrangierführer, die für Rangiertätigkeiten auf Bahnhöfen zuständig sind. Sie können auch Loks zum Rangieren bewegen. Für sie hat bislang allein die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Tarifverträge ausgehandelt.

Die Zahl der Lokrangierführer liegt laut Bahn-Statistik bei etwa 3100. Außerdem beschäftigt sie etwa 2700 Instruktoren, Trainer und Disponenten. Diese planen unter anderem den Einsatz des Personals und die Bereitstellung von Zügen. Die Trainer sind für die Aus- und Fortbildung von Lokführern, Zugbegleitern, Kollegen in der Kundenbetreuung und weiteren Berufsgruppen zuständig.

dk/zdh (dpa/rtr)