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Wirtschaft

Bahn plant milliardenschweren Einkauf

Die Deutsche Bahn macht offenbar ernst mit einem milliardenschweren Angebot für das britische Transportunternehmen Arriva. Allerdings ist auch der französische Konzern SNCF an Arriva interessiert.

Logo am Dach der DB-Zentrale, im Hintergrund der Reichstag (Bild: dpa)

Die Deutsche Bahn will im Ausland investieren - in der Politik ist das umstritten

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn (DB) muss am Mittwoch (21.04.2010) eine Entscheidung treffen, weil am Donnerstag eine Frist für eine mögliche Offerte abläuft. Arriva ist vor allem auf dem liberalisierten britischen Markt unterwegs, der als besonders attraktiv gilt. Es betreibt Bus- und Bahnlinien in zwölf Ländern Europas. Als eines der wenigen größeren Verkehrsunternehmen, die nicht vom Staat kontrolliert werden, ist es zusätzlich interessant. Die Deutsche Bahn führt mit den Briten bereits "fortgeschrittene Gespräche" über das Angebot, wie Arriva am Montag (19.04.2010) mitteilte.

Finanzierung über Schulden

Porträt von BAhnchef Rüdiger Grube (Foto: AP)

Bahnchef Grube will sich "in Europa nicht die Butter vom Brot nehmen lasen"

Demnach will die Bahn 775 Pence pro Aktie zahlen. Dies entspräche bei rund 199 Millionen Aktien einem Kaufpreis von 1,54 Milliarden Pfund (1,75 Milliarden Euro). Bei einem Kauf würde der deutsche Staatskonzern auch Schulden von einer Milliarde Pfund übernehmen. Zur Finanzierung will die DB Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen.

Die Bahn hatte Mitte März bekanntgegeben, mit Arriva über eine Übernahme zu verhandeln. Bahnchef Rüdiger Grube hatte mehrfach betont, die Bahn werde sich im europäischen Wettbewerb "nicht die Butter vom Brot nehmen lassen". Man werde jedoch nichts angehen, "was wirtschaftlich nicht sinnvoll ist". Die Bahn hatte 2007 die englische Güterbahn EWS für über 400 Millionen Euro gekauft und ist auf der Insel auf einigen Strecken im Personenverkehr aktiv.

Konkurrenz aus Frankreich

Als Konkurrent tritt der französische Bahn-Konzern SNCF auf. Eine SNCF-Tochter führt ebenfalls Gespräche mit Arriva. Offenbar rechnet die DB mit einem Gegenangebot und hält sich die Option für eine Erhöhung des Kaufpreises offen.

Arriva müsste deutsche Töchter abgeben

Eine Arriva-Lokomotive aus einem Werk in Neustrelitz. (Foto: dpa)

Seit 2004 sind die Briten in Deutschland präsent: In einem Werk in Neustrelitz baut Arriva Lokomotiven, diese ist für den Gütertransport

Bei einem Kauf gilt es als sicher, dass Arriva sich aus Kartellgründen von seinen deutschen Töchtern trennen müsste. Seit 2004 sind die Briten in Deutschland engagiert. So sind sie etwa an der ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) beteiligt, die kürzlich Aufträge in der Region Berlin-Brandenburg erhielt. In Deutschland hat das Unternehmen etwa 3400 Beschäftigte.

Arriva mit Sitz im englischen Sunderland hat 44.000 Beschäftigte. Der Konzern erzielte 2008 einen Vorsteuergewinn von 150 Millionen Pfund (rund 170 Millionen Euro) bei einem Umsatz von gut drei Milliarden Pfund (rund 3,3 Milliarden Euro).

Rückendeckung von Verkehrsminister Ramsauer

Nach Problemen mit S-Bahn- und ICE-Zügen hatten Politiker eine verstärkte Konzentration auf das Geschäft in Deutschland verlangt. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CDU) hat dem staatlichen Unternehmen dagegen Rückendeckung für Investitionen im Ausland gegeben. Sollte die Übernahme gelingen, rückt zudem das von Bahnchef Grube genannte Ziel einer Senkung der Schulden in weite Ferne. Nach der jahrelangen Einkaufstour unter Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn ist die DB mit gut 15 Milliarden Euro verschuldet.

Autor: Julian Mertens (dpa, rtr)

Redaktion: Martin Schrader

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