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Aktuell Deutschland

Bahn fährt nach Streik zunächst mit halber Kraft

Der Streik der Lokführer ist seit 18.00 Uhr zu Ende. Reisende müssen aber noch weiter mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Bis Montagfrüh will die Bahn wieder den Normalbetrieb erreicht haben.

Die Bahn arbeite "mit Hochdruck" daran, den Schienenverkehr nach dem Streikende möglichst zügig wieder auf Normalbetrieb umzustellen, sagte Unternehmenssprecher Achim Stauß. "Das geht nicht von einer Sekunde auf die andere." Die Züge und das nötige Personal befänden sich wegen der Streiks oft nicht dort, "wo sie hingehören".

Im Fernverkehr will die Bahn am Sonntag zumindest auf den Hauptstrecken wieder 60 Prozent des üblichen Angebots erreichen. Vor allem am Sonntagnachmittag sei wegen der Wochenendpendler mit sehr vollen Zügen zu rechnen, so Stauß weiter.

Im Nahverkehr sollen am Sonntag bundesweit wieder zwei Drittel der Züge fahren. Am Montagmorgen will die Bahn im Personenverkehr dann wieder komplett nach dem Normalfahrplan fahren. Im Güterverkehr seien die Auswirkungen des Streiks indes noch einige Tage zu spüren, sagte Stauß.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) hatte am Freitag angekündigt, sie werde den längsten Streik in der Geschichte der Bahn als "Geste der Versöhnung" bereits am Samstag um 18.00 Uhr MEZ beenden. Zuvor war die Bahn in Frankfurt am Main auch in zweiter Instanz mit dem Versuch gescheitert, den Streik per Gericht verbieten zu lassen. Ursprünglich hätte der im Güterverkehr am Mittwoch und im Personenverkehr am Donnerstag begonnene Streik noch bis Montagmorgen dauern sollen. Neue Tarifgespräche zwischen der Bahn und der GDL sind nach Angaben von Stauß noch nicht vereinbart.

Streit um Zuständigkeiten

Kern des Tarifkonflikts ist der Anspruch der GDL, nicht mehr nur für die 20.000 Lokführer Gehälter und Arbeitsbedingungen auszuhandeln, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Beschäftigten beansprucht aber die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn wiederum lehnt konkurrierende Tarifverträge ab.

100 Millionen Euro Schaden

Nach Angaben von Bahnchef Rüdiger Grube hat sein Unternehmen durch den Arbeitskampf der GDL einen Schaden von mehr als hundert Millionen Euro erlitten. Er werde sich "in dieser Größenordnung in unserer Jahresbilanz niederschlagen", sagte Grube der Zeitung "Bild am Sonntag". "Vom Imageschaden und Vertrauensverlust der DB ganz zu schweigen", fügte er hinzu.

Bahnchef Grube (Foto: DW/Rosalia Romaniec)

Bahnchef Grube

Auf fahrerlose Züge will Grube dennoch vorerst nicht setzen. Technisch sei das möglich, schon heute führen Hunderttausende Passagiere weltweit in fahrerlosen Zügen - etwa in Nürnberg, Paris oder Sao Paulo, sagte der Bahnchef. "Uns geht es aber darum, dass sich unsere Kunden wohlfühlen und ein optimales Sicherheitsgefühl haben. Darum sind Züge ohne Lokführer für uns derzeit kein Thema", betonte Grube. "Wir sollten dies nicht unter dem Druck eines Streiks diskutieren und schon gar nicht damit drohen."

wl/bri (dpa, afp, rtr)