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Kultur

Bagger im Netz

Fast überall in der Hochwasserregion haben sich die virtuellen Aushängeschilder der Städte in elektronische Anschlagbretter verwandelt. Aber nicht alle Gemeinde nutzen die Möglichkeit der schnellen Information.

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"Alle Bürger, die Hilfe zur Sicherung der Häuser benötigen, erhalten Kanthölzer und Stützen auf dem Marktplatz." Der Satz wie aus Nachkriegstagen steht auf der Internet-Seite der Gemeinde Grimma. Wo sich sonst die "Perle des Muldentales" vorstellt und um Touristen wirbt, warnt die Stadt jetzt vor dem Verzehr von überflutetem Obst und Gemüse, stellt Formulare für Hilfszahlungen zum Herunterladen bereit oder informiert über den Anwalts-Notdienst.

Wo die Flut schon war, fehlt auch nie eine Kontonummer für Spenden. Dippoldiswalde, einer der am frühesten überfluteten Orte, bedankt sich für Spenden ab 9,50 Euro mit einer CD, die im September fertig sein soll und die Jahrhundertflut dokumentieren wird.

"Besichtigungen unterlassen"

Schon jetzt zeigen die Internet-Seiten zwischen Tharandt - "Medien wie Strom und Telekommunikation sind wieder vorhanden, Gas und Wasser in Vorbereitung" - und Lutherstadt Wittenberg - "Besichtigungen unterlassen" - zahllose Katastrophen-Bilder. Fotos von Straßenresten und weggespülten Brücken lassen das flächendeckende Ausmaß der Zerstörung auch abseits der aus dem Fernsehen bekannten Orte ahnen.

Wo der Kampf um Deiche und Dämme noch lief, fanden freiwillige Helfer die Adressen von Sammelpunkten oder Informationen, was gerade gebraucht wird - ob Minibagger mit Besatzung oder Arbeitshandschuhe. Links zu Pegelständen und aktuellen Medienberichten ergänzen die Angebote. In Torgau, der "Stadt der Renaissance und der Reformation", heißt es zum Beispiel: "Für Aufräumarbeiten werden dringend Helfer benötigt!!!"

Konzerte und Gondelfahrten?

Wo die Flut noch bevorstand, informierten Verwaltungen über Evakuierungspläne und Deichverstärkungen, stellten Flugblätter zu aktuellen Gerüchten ein und versuchten Risiken abzuschätzen. In Lüneburg hat die DLRG einen völlig andersartigen Arbeitseinsatz bekommen: Bäume einfangen. Denn die "wirken wie Geschosse, wenn sie auf den Deich prallen. Sie können gefährliche Verletzungen der Grasnarbe verursachen."

Nicht überall reichen die Kräfte für aktuelle Informationen im Netz. Die "Parkstadt" Wörlitz wirbt unter der Rubrik "Aktuelles" für Konzerte auf dem Wörlitzer See, inklusive des nun ungewollt bitter klingenden Angebots von Gondelfahrten über Kanäle und Seen.

Autor: Wim Abbink
Redaktion: Pia Gram

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