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Fußball

Bafana Bafana - Nichts ist unmöglich

Zweimal nahm Südafrika bislang an einer Fußball-WM teil - beide Male kam das Aus nach der Vorrunde. Als Gastgeber will sich die Bafana Bafana besser präsentieren. Das Ziel ist das Achtelfinale - geträumt wird vom Titel.

National soccer team of South Africa warms up for a practice in the Weser stadium in Bremen, northern Germany, Tuesday Sept. 6, 2005. The team faces the German team in a friendly match on Wednesday night in Bremen.(AP Photo/Joerg Sarbach)

Das Heimteam Bafana Bafana will bei der WM weit kommen

In der Weltrangliste der Fußball-Nationalmannschaft belegte Südafrika einen Monat vor dem Beginn der WM im eigenen Land nur Platz 90. Mehr braucht es nicht, um zu belegen, dass die Bafana Bafana - wie die Mannschaft im eigenen Land genannt wird - als krasser Außenseiter in die WM-Endrunde startet.

Nach 1998 in Frankreich und 2002 in Japan und Südkorea ist das Team vom Kap zum dritten Mal in der Endrunde der weltbesten Teams vertreten – dieses Mal aber nur, weil der Gastgeber automatisch für das Turnier qualifiziert ist. Und trotzdem: Die Euphorie zwischen Johannesburg und Kapstadt ist bei den mehr als 46 Millionen Einwohnern des Landes riesengroß.

Pienaar der Topstar in der Bafana Bafana

Südafrikas Mittelfeldspieler Steven Pienaar (AP Photo/Keystone/Dominic Favre)

Der Star des Teams - Steven Pienaar (re.)

Zehntausende südafrikanische Fans werden ihre Mannschaft mithilfe der Vuvuzelas genannten langen und lauten Plastiktröten anfeuern. Zum ersten Mal wird das im WM-Eröffnungsspiel am 11. Juni in Johannesburg gegen Mexiko der Fall sein. Doch das Toreschießen müssen dann doch die Spieler erledigen. Um gegen Mexiko und die beiden anderen Vorrundengegner Uruguay und Vize-Weltmeister Frankreich zu bestehen und das Achtelfinale zu erreichen, muss bei der Bafana Bafana alles zusammen passen.

Der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler Steven Pienaar vom englischen Premier League Club FC Everton gilt als Kopf der Mannschaft. In der Saison 2006/2007 kam er bei Borussia Dortmund zu 25 Bundesliga-Einsätzen. Neben ihm stehen Trainer Carlos Alberto Parreira aber nur wenige erfahrene Spieler zur Verfügung. Die meisten Akteure sind jung und international unerfahren - sie spielen in der heimischen Liga, die alles andere als Topniveau zu bieten hat.

Immerhin: Kapitän Aaron Mokoena ist der Rekordnationalspieler seines Landes. Der 30-jährige Mittelfeldakteur vom englischen Premier-League-Club FC Portsmouth war bereits 2002 bei der WM dabei. Für Mokoena ist die Weltmeisterschaft im eigenen Land etwas ganz Besonderes: "Für mich wird ein Traum wahr. Ich bin bei der ersten WM auf dem afrikanischen Kontinent dabei, bin Teil des Events und spiele für mein Land.“

Druck von ganz oben

Staatspräsident Jacob Zuma setzte die Nationalmannschaft gehörig unter Druck. Er erwartet nicht weniger als den WM-Titel, am besten noch mit einem Finalsieg gegen Brasilien. "Wir in Südafrika werden dem Pokal nicht erlauben, das Land wieder zu verlassen“, sagte Zuma vor Turnierbeginn. Trainer Carlos Alberto Parreira äußerte realistischere Ziele: "Wir sind ein kleines Fußballland. Unser erstes Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen“, so der Coach, der 1994 Brasilien in den USA zum WM-Titel geführt hat. Südafrika ist bereits die fünfte Nation, die er bei einer Weltmeisterschaft betreut.

Schlüsselspiel gegen Mexiko

Mannschaftskapitän Mokoena beim Kopfball (c) dpa - Bildfunk+++

Mannschaftskapitän Aaron Mokoena (li.)

Kapitän Aaron Mokoena weiß, dass auf ihn und seine Teamkollegen eine schwere Aufgabe wartet: "Wir spielen zu Hause und wir müssen das Beste für unser Land geben. Bisher hat sich jede Gastgeber-Mannschaft bei einer WM gut präsentiert. Meine Aufgabe ist es, die Mannschaft zu führen.“

Gelingt zum Auftakt gegen Mexiko ein Sieg, dann könnte die entstehende Euphorie im Team und bei den Fans die Bafana Bafana tatsächlich ins Achtelfinale tragen, glaubt Mokoena: "Unser zwölfter Spieler sind die Fans. Ich bin sicher, dass wir eine große Chance haben." Überraschend verzichtete Trainer Pareira auf seinen Rekord-Torschützen: BennyMcCarthy, der zuletzt bei West Ham United in der englischen Premier League unter Vertrag stand, erzielte in 75 Länderspielen 32 Treffer.

Der Traum vom WM-Titel

Mut macht den Kickern und Fans am Kap das Abschneiden Südafrikas beim Konföderationen-Cup vor einem Jahr: Bei der WM-Generalprobe im eigenen Land erreichte die Bafana Bafana immerhin das Halbfinale. Zwar setzte es Niederlagen gegen Brasilien und Spanien, doch mit der gezeigten Leistung konnten die Gastgeber zufrieden sein. Die Vorbereitung auf die WM in den vergangenen Monaten, die zum Teil auch in Deutschland absolviert wurde, verlief dagegen zäh und schleppend.

Folge der von der weißen Regierung verordneten Rassentrennung zwischen Schwarzen und Weißen nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Ausschluss des Landes von internationalen Sportereignissen. So durfte die Bafana Bafana zwischen dem Ende der 1950er-Jahre und 1992 keine Länderspiele bestreiten. Nach dem Ende der Apartheid und der Aufhebung des Bannes gelang dann aber bald der erste - und bis heute einzige - Titelgewinn für Südafrika: 1996 gelang im eigenen Land der Triumph beim Afrika-Cup. Im Finale in Johannesburg wurde Tunesien mit 2:0 besiegt.

Aaron Mokoena möchte diesen Erfolg nur zu gerne überbieten: "Eigentlich habe ich alle meine Ziele bereits erreicht. Und ich bin sehr stolz, Kapitän dieser Mannschaft bei der WM zu sein. Aber mein Traum in diesem großen Turnier ist es, den Pokal in die Höhe zu halten.“ Passend dazu heißt es in dem offiziellen WM-Song von Shakira dann auch: "This time for Africa“ - "Dieses Mal für Afrika“.

Autor: Uli Petersen
Redaktion: Wolfgang van Kann