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Politik & Gesellschaft

Badegewässer in Europa werden schlechter

Pünktlich zum Beginn der Badesaison stellt die EU-Kommission ihren jüngsten Jahresbericht vor. Aufklärung über unterschiedliche Wasserqualität soll Anreiz zur Verbesserung sein.

Strandurlauber laufen durchs Wasser, im Hintergrund Hotelhochhäuser (BRL501-220803)

Wirtschaftsfaktor Wasserqualität: Urlauber in Bulgarien

Rund neun von zehn Badegewässern in Europa erfüllen die Mindest-Qualitätsanforderungen der EU. Man kann bedenkenlos darin baden. Umweltkommissar Janez Potocnik muss aber einräumen: "Ein Trend nach unten, der schon 2009 sichtbar war, hat sich leider bestätigt." Die Zahl der Küstengewässer, die die Mindeststandards erfüllen, ist demnach um 3,5 Prozent zurückgegangen, während die Zahl derer, die die höchsten Anforderungen erfüllen, sogar um 9,5 Prozent abnahm. Bei den Binnengewässern mit Spitzennoten ist der Rückgang 10,2 Prozent. Jaqueline McGlade, die Leiterin der EU-Umweltbehörde, relativiert die Zahlen allerdings. Zum Teil hätten Gewässer die Anforderungen nur deshalb nicht erfüllt, weil die betreffenden Länder zu spät oder zu selten gemessen hätten. Das habe also nicht immer etwas mit der Wasserqualität an sich zu tun.

Das Geheimnis des bulgarischen Erfolgs

Umweltkommissar Potocnik (Foto:epa)

EU-Umweltkommissar Potocnik: "Trend nach unten"

Spitzenreiter bei den Küstengewässern ist, wie schon zuvor, Zypern. Dort erfüllen alle Strände nicht nur die Minimalwerte, sondern auch die höchsten sogenannten EU-Leitwerte. Auch Kroatien liegt sehr gut im Rennen. McGlade nannte aber auch das Problemland Nummer eins in Sachen Wasserqualität. "In Polen hoffen wir auf Verbesserung, da ist noch was zu tun." Sehr schnelle Verbesserungen hat zum Beispiel Bulgarien zu verzeichnen. Aber erstens liegen der EU erst seit dem bulgarischen EU-Beitritt 2007 Werte vor, und Potocnik macht auch auf eine statistische Binsenweisheit aufmerksam. "Wenn jemand auf niedrigem Niveau liegt, kann er sich leichter verbessern. Ich glaube, wir können erwarten, dass Länder auf niedrigem Niveau im kommenden Jahr mit den größten Fortschritten genannt werden, hoffentlich."

Wasserqualität als kostbares Gut

Deutschland übrigens liegt über dem EU-Durchschnitt mit einer Unbedenklichkeit von 99,5 Prozent bei den Küsten und 97,2 Prozent bei den Binnengewässern. Aber auch hier ist die Qualität seit der letzten Messung leicht um 1,2 Prozent zurückgegangen.

Das Wasser wurde auf Verunreinigungen wie Fäkalbakterien, Ölrückstände, Reinigungsmittelschaum und giftige Säuren hin untersucht. Die Kommission will vom kommenden Jahr an ein Bewertungssystem verpflichtend einführen. In einer Skala von "ausgezeichnet" bis "schlecht" können sich dann Urlauber überall in der EU über die Wasserqualität informieren und sich entsprechend entscheiden. Darin sieht die Kommission ein wirkungsvolles Druckmittel. Denn wenn Touristen drohen, einer ganzen Region den Rücken zu kehren, hat man dort einen starken Anreiz, sich um sauberes Wasser zu kümmern.

Autor: Christoph Hasselbach
Redaktion: Thomas Latschan