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Nahost

Badawis Ehefrau: "Kontakt komplett abgebrochen"

Wegen angeblicher Beleidigung des Islams wurde der saudische Blogger Raif Badawi zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Seine Ehefrau Ensaf Haidar hat seit mehreren Wochen nichts mehr von ihm gehört.

DW: Ihr Mann ist im Dezember in den Hungerstreik getreten. Wann haben Sie das letzte Mal von ihm ein Lebenszeichen bekommen?

Ensaf Haidar: Ich bedaure sehr, dass ich nichts mehr von Raif gehört habe, seitdem er in ein anderes Gefängnis verlegt wurde. Der Kontakt zwischen mir und ihm ist total abgebrochen, seit etwa drei Wochen.

Was wissen Sie über den aktuellen Gesundheitszustand ihres Mannes?

Einen Tag vor der Verlegung in sein neues Gefängnis habe ich von Raif erfahren, dass er in den Hungerstreik getreten ist. Ich habe immer wieder in all meinen Interviews betont, dass es ihm gesundheitlich sehr schlecht geht, sowohl körperlich als auch psychisch. Nun haben wir seit drei Wochen überhaupt keinen Kontakt mehr und ich vermute, dass es ihm gesundheitlich schlecht geht. Trotzdem hoffe ich sehr, dass sein Zustand stabil ist.

Ihr Mann ist inzwischen zu einer weltweiten Ikone der Meinungsfreiheit geworden - Wie wichtig ist das für ihn?

Sicherlich ist das für Raif von großer Bedeutung, auch psychisch. Es ist für ihn ein moralischer Ansporn, wenn er weiß, dass es so viel Unterstützung für ihn gibt, dass er nicht alleine ist. Es gibt ihm die Hoffnung, dass alle Menschen ihm beistehen, seine Gefangennahme anprangern und seine Freiheit fordern. Auch uns tut es gut zu wissen, dass so viele Menschen Anteil nehmen. Ich danke allen für ihre Unterstützung und bitte sie darum, dass sie uns diese auch weiterhin zukommen zulassen, bis Raif bei uns sein kann, in Kanada.

Was erhoffen Sie sich von der weiteren weltweiten Unterstützung?

Alles, was ich sagen und der Welt mitteilen will, ist, meinen großen Dank auszusprechen, ob einzelnen Personen, Organisationen oder Regierungen für ihren Beistand! Ich bitte die Regierungen, mehr für Raifs Freiheit zu tun, mehr zu tun, damit er unter uns in Kanada sein kann. Ich danke allen für ihren Beistand, für ihre wöchentlichen Mahnwachen für die Freilassung von Raif in vielen Ländern dieser Welt. Tausend Dank an sie alle! Ich bitte sie alle darum, hören Sie nicht auf damit, denn Ihr Beistand gibt uns die Hoffnung und den Mut weiterzumachen. Lassen Sie mich nicht alleine, unterstützen Sie uns weiter, bis Raif wieder unter uns ist.

Der saudische Blogger Raif Badawi war 2014 wegen Beleidigung des Islam zu zehn Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben verurteilt worden. Am 9. Januar 2015 wurden 50 Schläge vollstreckt, seitdem ist die Strafe ausgesetzt. Badawi erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter im vergangenen Jahr der Sacharow-Preis für Menschenrechte des Europäischen Parlaments.

Das Interview führte Waleed Al-Bast.

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