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Wirtschaft

Bad Banks - Milliardengräber oder Befreiungsschlag?

Aus den Augen, aus dem Sinn? Banken lagern ihren Giftmüll in so genannte "Bad Banks" aus - doch ganz so einfach lassen sich die Milliardenrisiken nicht entsorgen.

Giftmüll gehört kontrolliert entsorgt. In der Finanzbranche mühen sich Spezialisten auf eigens geschaffenen Deponien, Kredite, Wertpapiere oder gleich ganze Geschäftsbereiche abzuwickeln - idealerweise sogar mit Gewinn. Am kommenden Montag (16.4.) bilanziert die "Bad Bank" der WestLB, die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), inwiefern ihr das im vergangenen Jahr gelungen ist.

Unter Experten ist das 2009 von Deutschland in Gesetzesform gegossene staatliche Angebot zur Verklappung toxischer Wertpapierabfälle bis heute umstritten. "Das Bad-Bank-Modell war nichts anderes als - in einer zugespitzten Marktsituation nach dem Lehman-Crash 2008 - ein Geschenk an die Bankindustrie", kritisiert Analyst Konrad Becker von der Münchener Privatbank Merck Finck. "Das Problem ist, dass die öffentliche Hand in Deutschland Risiken übernommen hat, die sie nicht eingegangen ist, für die sie nun aber geradestehen muss."

Geschenk für die Branche?

Am 13. Mai 2009 hatte die damalige große Koalition auf die Finanzmarkt-Krise mit einem "Gesetz zur Fortentwicklung der Finanzmarktstabilisierung" reagiert. Herzstück: Banken können "Bad Banks" (englisch für "schlechte Bank") gründen und Risikopapiere an diese übertragen. Der Staat garantiert - die Banken müssen dafür zahlen. Am 3. Juli 2009 stimmte der Bundestag dem Gesetz zu.

Zum traurigen Pionier wurde die kriselnde Düsseldorfer WestLB, die schon Ende 2009 die erste Bad Bank für Deutschland mit staatlicher Hilfe auf den Weg brachte. Letztlich lagerte die WestLB Papiere im Gesamtvolumen von rund 77 Milliarden Euro in die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) aus - fast ein Drittel ihrer Aktivitäten.

Hoffen auf die schwarze Null

Mit der größten Müllhalde muss sich jedoch die FMS Wertmanagement herumschlagen, die Bad Bank des einst stolzen Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE). Anfang Oktober 2010 lagerte die HRE Kredite, Wertpapiere und Geschäftsbereiche im Gesamtwert von nominal 173 Milliarden Euro aus.

"Der deutsche Staat kann hoffen, dass es am Ende plus/minus Null aufgeht oder er vielleicht ein kleines Trostpflaster bekommt. Im schlimmsten Fall könnten drastische Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe entstehen", sagt Analyst Becker. Eine staatliche Beteiligung an strauchelnden Banken - die Krisenantwort von Briten und Amerikanern - wäre aus seiner Sicht der bessere Weg gewesen: Erhole sich ein Institut, könne der Staat seine Anteile mit Gewinn wieder verkaufen.

Dagegen meint der Frankfurter Bankenprofessor Michael Grote: "Die Bad Banks haben sich bewährt. Mit einer Bank, die ständig in Gefahr ist, zahlungsunfähig zu werden, will niemand mehr Geschäfte machen. Sind die Probleme in einer Bad Bank ausgelagert, kann zumindest die restliche Bank weiter existieren." Diese Vehikel kauften auch Zeit.

Vorbild Schweden

Die Schweden machten schon Anfang der 90er Jahre Erfahrung mit dem Modell: Sie kauften ihren Kreditinstituten in der damaligen Bankenkrise faule Kredite ab und retteten strauchelnde Institute damit vor dem Untergang. In Deutschland wickelte die Dresdner Bank ohne staatliche Hilfe mehrfach erfolgreich problematische Geschäfte in einer gesonderten Einheit ab. Jahre später brachte ausgerechnet die Dresdner Bank mit ihren Schrottpapieren die neue Konzernmutter Commerzbank ins Straucheln, der Staat half mit Steuermilliarden.

Immerhin: Das derzeit niedrige Zinsniveau lässt den Risikoappetit vieler Investoren größer werden. Profianleger wie Hedge-Fonds könnten sich daher auch wieder verstärkt für komplexe Produkte interessieren, für die es in den Krisen der vergangenen Jahre keinen Markt mehr gab. Das käme den Verwaltern der Risikopapiere entgegen. Resterampen für Schnäppchenjäger wollen EAA und FMS allerdings trotz aller Probleme nicht sein.