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Wirtschaft

"Bad Bank" der HRE belastet Steuerzahler

Die "Bad Bank" der verstaatlichten Hypo Real Estate hat nur wenige Monate nach ihrer Gründung schon drei Milliarden Euro Verluste eingefahren.

Ein Bagger zwischen einem Müllcontainer und einem Gebäude der Hypo Real Estate (Foto: dw)

Bad Bank - ein Müllcontainer für verschuldete Kreditinstitute

Die "Bad Bank" der Hypo Real Estate hat am Dienstag (24.05.2011) ihre erste Bilanz vorgelegt: Nach ihrer Gründung im vorigen Sommer bis Jahresende 2010 verbuchte die Abwicklungsanstalt namens FMS Wertmanagement ein Minus in Höhe von drei Milliarden Euro. Der Verlust werde fast vollständig vom staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin übernommen, teilte die FMS in München mit. "Die Steuerzahler stehen letzten Endes dafür ein", sagte Risiko-Vorstand Christian Bluhm.

"Zündstoff im Portfolio"

Bis Ende März konnte die FMS nach eigenen Angaben riskante Papiere im Wert von sechs Milliarden Euro loswerden. Allerdings gestaltet sich nach Bluhms Worten der Verkauf der Risikopapiere schwieriger als erwartet. "In den Portfolios ist ein bisschen Zündstoff drin", sagte Bluhm. Viele Kreditpapiere könnten nur schwer oder mit hohen Abschlägen verkauft werden. Außerdem seien sie über 65 Länder mit unterschiedlichen Rechtssystemen verteilt.

Ein Schild mit der Aufschrift Hypo Real Estate

Sie schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen: Die Hypo Real Estate

Die "Bad Bank" ("Bank für Schlechtes") der HRE hat noch einige Herausforderungen zu meistern: Auf Staatsanleihen der EU-Schuldenstaaten wie Griechenland und Portugal hat sie bisher keine Abschreibungen vorgenommen. Diese "stillen Lasten" im Portfolio betragen über 24 Milliarden Euro. "Wir können nicht von einem toten Nachbarland ausgehen, wenn es gar nicht tot ist", sagte Bluhm. Man erwarte, dass Griechenland sich erhole. Erst wenn eine Umschuldung mit der Beteiligung privater Investoren verabschiedet sei, müsse die FMS reagieren.

Ein Schrottplatz für Wertpapiere

In der Finanzkrise haben einige von der Pleite bedrohte Banken wie die Hypo Real Estate oder die WestLB ihren "Bilanzschrott" in so genannte Bad Banks ausgelagert. Die FMS Wertmanagement ist die größte deutsche "Bad Bank". Die Hypo Real Estate lagerte im Sommer 2010 Wertpapiere und Darlehen im Volumen von 174 Milliarden Euro in sie aus - vor allem Forderungen gegenüber verschuldeten Euro-Staaten, Immobilien- und Infrastrukturprojekten. Das Portfolio soll in den nächsten zehn Jahren möglichst ohne Verluste abgebaut werden. Im Notfall muss der aus Steuergeldern finanzierte Bankenrettungsfonds Soffin Geld nachschießen. Dank der Ausgliederung ihrer Verlustgeschäfte in eine Bad Bank schreibt die HRE inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Auftrag: Schuldenpapiere abstoßen

Christian Bluhm (Foto: dapd)

Risikomanager Christian Bluhm

Um die Schuldenkredite loszuwerden, hat die FMS laut Risikochef Bluhm drei Möglichkeiten: Teilweise können Marktwertschwankungen ausgesessen werden, also die Papiere gehalten und später zu besseren Konditionen verkauft werden. Andere Verträge müssten neu ausgehandelt werden. Ein dritter Teil laufe aus oder könne verkauft werden.

Ob es gelingt, die Arbeit der Bank bis 2020 erfolgreich zu beenden, ist fraglich. Mehr als die Hälfte der Kreditrisiken laufen erst dann oder noch später aus. Vor allem in Griechenland, auf das allein rund neun Milliarden Euro in Kreditverpflichtungen entfallen, haben Verträge teilweise noch Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten.

Autorin: Gönna Ketels (dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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