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Aktuell Deutschland

Babymordprozess beginnt mit Geständnis der Mutter

An die genaue Zahl der Säuglinge, die sie erstickt hat, will sich die Mutter aber nicht mehr erinnern. "Es können zwei, drei oder auch vier gewesen sein", ließ sie ihren Pflichtverteidiger zu Prozessauftakt erklären.

Nachdem acht ihrer Babys im vergangenen November tot in ihrem Haus im oberfränkischen Wallenfels gefunden worden sind, stehen die Eltern vor Gericht. Der Prozess vor dem Landgericht Coburg begann mit einem Geständnis der Mutter. An die genaue Zahl der von ihr durch Ersticken getöteten Neugeborenen könne sie sich aber nicht mehr erinnern.

"Leben aus den Fugen geraten"

Die Angeklagte Andrea G. räumte in der von ihrem Verteidiger Till Wagler verlesenen Erklärung die acht Geburten ein. Demnach brachte sie alle Kinder allein bei sich zu Hause in Wallenfels zur Welt. Nach der Geburt habe sie die Kinder dann jeweils in Handtücher gewickelt - egal, ob sie Lebenszeichen gezeigt hätten oder nicht, erklärte der Verteidiger. Wenn ein Kind geschrien habe, habe sie ihm Mund und Nase zugehalten. Die toten Kinder habe sie dann in eine Tüte oder einen Behälter getan und in ihrer Wohnung versteckt.

Anwalt Wagler sagte, seine Mandantin habe sich bei den Fällen jeweils in einem Ausnahmezustand befunden. Sie habe sich von ihrem wegen Beihilfe zu den Taten angeklagten Mann allein gelassen gefühlt. Ab der dritten oder vierten Geburt sei ihr Leben im Jahr 2007 oder 2008 völlig aus den Fugen geraten. Danach habe sie sich in Alkohol und Isolation zurückgezogen.

Anklage lautet auf vierfachen Mord

Zum Auftakt des Babymordprozesses hat die Staatsanwaltschaft dem angeklagten Ehepaar vorgeworfen, aus sexuellem Egoismus, Gleichgültigkeit und Gefühllosigkeit gehandelt haben. Obwohl sie aus finanziellen und zeitlichen Gründen keine weiteren Kinder mehr wollten, hätten sie ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die angeklagte 45-jährige Mutter so achtmal ungewollt schwanger wurde. Die Anklage wirft dem Ehemann vor, von den Schwangerschaften gewusst zu haben. Der 55-Jährige muss sich daher vor dem Landgericht wegen Beihilfe zum Mord verantworten.

Die Mutter ist des vierfachen Mordes angeklagt, weil erwiesen ist, dass vier ihrer acht Babys lebensfähig waren. In einem Fall geht die Anklage von einer Totgeburt aus, in drei Fällen ließ sich wegen des Verwesungszustands der Leichen nicht mehr feststellen, ob die Kinder lebend geboren wurden.

Der im November bekannt gewordene Fall sorgte bundesweit für Entsetzen. Eine Anwohnerin hatte zufällig eine Babyleiche in dem Wohnhaus der Hauptangeklagten entdeckt, bei der weiteren Durchsuchung wurden dann die insgesamt acht toten Säuglinge entdeckt. Über Jahre scheint in dem nur 2800 Einwohner zählenden Wallenfels niemand etwas von den ständigen Schwangerschaften der mitten im Ort lebenden Andrea G. mitbekommen zu haben.

Für den Prozess sind 24 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Das Gericht setzte fünf Verhandlungstage an. Ein Urteil könnte bereits am Mittwoch kommender Woche fallen.

qu/chr (afp, dpa)