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Fokus Südosteuropa

Babyhandel in Griechenland

Ein Baby gibt es schon für 15.000 Euro: An der griechisch-bulgarischen Grenze blühen der Handel mit Babys und Eizellen. Wohl auch deswegen, weil sich die Täter auf willige Komplizen im Staatsapparat verlassen können.

Zwei Neugeborene im Kinderbett (Foto: Ap)

Babies für 15.000 Euro "erhältlich"

Elektra Koutra will ausländischen Frauen helfen, die um ihr Kind kämpfen. Die junge Anwältin ist fest davon überzeugt, dass kriminelle Banden junge Frauen in Not missbrauchen oder erpressen, um ihnen ihr Baby zu entreißen und an kinderlose Ehepaare zu verkaufen. Koutra vertritt gerade eine rumänische Frau vor Gericht und beklagt die Untätigkeit der griechischen Behörden im Kampf gegen diesen Babyhandel. Ihre Mandantin wolle ihr Baby zurückhaben, aber sie stoße auf Gleichgültigkeit oder sogar Ablehnung, sagt die Anwältin.

Bereits im Juli 2009 habe sie Anzeige erstattet wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Erpressung - und heute erzähle die Polizei immer noch, dass der Fall untersucht werde. "Ich habe Akteneinsicht verlangt, bei Behörden und in der Geburtsklinik, aber nicht einmal der griechische Ombudsmann darf diese Akten zu Gesicht bekommen. Kurzum, wir müssen um den kleinsten Fortschritt kämpfen", sagt die Anwältin. Nach griechischen Presseberichten reichen die Preise für ein Baby aus Bulgarien oder Rumänien von 15.000 Euro bis zu 25.000 Euro. Davon bekommt die Frau höchstens 3000 Euro, falls sie dem Deal zustimmt. Bei Reue oder Widerspruch droht ihr Gewalt.

Helfer und Helfershelfer

Die Menschenhändler dürften ungestört ihren kriminellen Geschäften nachgehen, weil sie korrupte Helfer bei den Behörden hätten, sagt Koutra. Auch Alexandros Zavos, Leiter des "Instituts für Migrationspolitik" in Athen, vermutet Komplizen unter den Staatsbeamten. Ausländer berichteten immer wieder von solchen Vorfällen. An der griechisch-türkischen Grenze seien bereits zahlreiche Komplizen der Schleuser festgenommen worden. "In der Stadt Patras wurden zwei Hafenpolizisten beschuldigt, Flüchtlinge ausgeraubt zu haben. Auch auf den Inseln wird vermutet, dass unbescholtene Bürger als Helfer der Schleuser agieren und sie etwa über anstehende Polizeikontrollen informieren", sagt Zavos.

Eine Person in weißem Kittel hält eine Spritze in der Hand und setzt zur Impfung eines Patienten an (Foto: Bilderbox)

Hormone sollen die Eizellenproduktion erhöhen

Inzwischen hat die europäische Justizbehörde Eurojust den Kampf gegen den griechisch-bulgarischen Menschenhandel aufgenommen. Dabei habe sie wichtige Erfolge erzielt, erklärt Elektra Koutra. Allerdings würden die Tricks der Menschenhändler immer raffinierter: An der Nordgrenze Griechenlands blühe mittlerweile auch der illegale Handel mit Eizellen, berichtet die Athener Rechtsanwältin. "Aus wirtschaftlicher Not heraus lassen sich viele Frauen auf eine Eizellenspende gegen Geld ein. Ich kenne Spenderinnen aus Bulgarien, Rumänien und Lettland." Die Frauen kämen für einige Wochen nach Griechenland und würden dort mit Hormonspritzen behandelt, um möglichst viele Eier zu produzieren. "Viele dieser Frauen sind Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution, aber sie unterliegen keiner Gesundheitskontrolle. Und sie werden kaum über mögliche Komplikationen aufgeklärt", berichtet Koutra.

Alltagsphänomen Menschenhandel

Frauen in High-Heels (Foto: Fotolia)

Von der Straße in die Ausbildung

Ob man die Frauen aus den Fängen der Menschenhändler befreien kann? Am besten sollte man den Betroffenen in ihrem Herkunftsland helfen, erklärt der Migrationsforscher Alexandros Zavos. Als Vorbild sieht er ein Reintegrationsprogramm für Frauen aus der Republik Moldau, die Opfer von Missbrauch oder Zwangsprostitution waren. 2008 hat er das Projekt selbst betreut: "Am Anfang stand die psychologische Betreuung, denn viele der Frauen haben unter schweren Störungen bis hin zu Selbstmordgedanken gelitten." Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Programms sei die Ausbildung, sagt Zavos weiter. "Von uns bekamen die Frauen kein Bargeld, sondern wir haben ihre Ausbildung finanziert und sie bis zum Berufseinstieg begleitet."

Der studierte Mathematiker Zavos beurteilt die Situation ganz nüchtern: Menschenhandel gehöre zum Alltag, solange kriminelle Banden dadurch viel Geld verdienen. Polizeiliche Maßnahmen würden da leider nicht mehr ausreichen.

Autor: Jannis Papadimitriou

Redaktion: Mirjana Dikic / Julia Kuckelkorn

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