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Amerika

"Baby Doc" bedauert seine Opfer

Überraschend war der haitianische Ex-Diktator Duvalier unlängst wieder in seiner Heimat aufgetaucht. Bei seiner ersten Pressekonferenz zeigte er sich betrübt über die Vergangenheit. Um Entschuldigung bat er nicht.

Haitis Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier vor Mikrofonen, im Hintergrund ein Gemälde (Foto: dapd)

Leise Worte des Bedauerns vom Ex-Diktator

"Ich möchte den Menschen meine tiefe Betroffenheit ausdrücken, die sich als Opfer meiner Regierung sehen", erklärte Jean-Claude Duvalier vor Journalisten in Port-au-Prince. Eine Bitte um Verzeihung enthielt sein etwa zehnminütiges Statement, bei dem keine Fragen zugelassen wurden, jedoch nicht.

Gleichzeitig rief der 59-jährige Duvalier, auch "Baby Doc" genannt, zu "nationaler Versöhnung" auf, um die derzeitige politische Krise zu beenden. "Ich bin hier, um meine Solidarität in schwerer Zeit zu bekunden", begründete er seine überraschende Rückkehr aus dem französischen Exil am vergangenen Sonntag.

Der frühere Diktator verlas seine Erklärung mit leiser Stimme auf Französisch und Kreolisch. Anschließend stieg er vom Podium herab und überließ seinen Anwälten das Wort.

Ermittlungen haben begonnen

Jean-Claude Duvalier in einer Menschenmenge mit ausgestreckter Faust (Foto: AP)

Duvalier kurz nach seiner Rückkehr

Seit Anfang der Woche laufen in Haiti Ermittlungen gegen Duvalier wegen Korruption und Veruntreuung. Außerdem strengten vier Ankläger ein Strafverfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an.

Vorläufig darf der Ex-Diktator das Land nicht verlassen. Nach stundenlangen Verhören durch Polizei und Staatsanwälte wurde er zunächst unter der Auflage wieder freigelassen, sich den Justizbehörden zur Verfügung zu stellen.

"Baby Doc" hatte 1971 im Alter von 19 Jahren die Macht in Haiti von seinem Vater François "Papa Doc" Duvalier geerbt. Bis zu seinem Sturz 1986 soll er mit seinen Gefolgsleuten hunderte Millionen Dollar an Staatsgeldern veruntreut haben. Die dem Duvalier-Clan treu ergebene Geheimpolizei Tonton Macoutes soll bis zu 30.000 Regierungskritiker entführt, gefoltert und ermordet haben.

Probleme und Proteste

Haiti steckt zurzeit in einer politischen Krise. Die offiziziellen Ergebnisse der Präsidentenwahl Ende November sind umstritten und haben gewaltsame Proteste ausgelöst. Die Stichwahl, die ursprünglich Mitte Januar stattfinden sollte, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der verarmte Karibikstaat leidet außerdem noch unter den Folgen des verheerenden Erdbebens vor gut einem Jahr. Dabei kamen mehr als 300.000 Menschen ums Leben.

Autor: Thomas Grimmer (afp, dpa)
Redaktion: Manfred Böhm

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