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Kultur

Babelsberg macht Großproduktionen möglich

Auf der legendenumrankten Geschichte ruht sich in den Filmstudios Babelsberg niemand aus. Man ist innovativ und hat sich international aufgestellt. Das kommt an. Aber die Zeiten werden nicht einfacher.

Szene aus dem Film Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat mit Tom Cruise (Foto: ap)

"Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat"

Bis knapp unter die elfeinhalb Meter hohe Hallendecke türmt sich die zerklüftete Felslandschaft. Dunkle Brocken und bizarre Säulen wie im Elbsandsteingebirge. Wer indes meint, dass er Goliaths Kräfte benötigt, um diese Steine zu bewegen, der irrt. Denn sie sind aus Styropor, wurden von Künstlern geformt, täuschend echt bemalt und in wochenlanger Arbeit zu einer märchenhaften Kulisse aufgebaut. Die 3D-Produktion "Hänsel und Gretel" wird hier produziert, mit Jeremy Renner und Gemma Arterton in der Hauptrolle und Tommy Wirkola als Regisseur.

Weltläufig und anerkannt

Das sei ein tolles Projekt, das sicher Furore machen werde, ist Carl Woebcken, Hauptaktionär und Vorstandschef der Babelsberger Studios, überzeugt. Schließlich haben auch andere Großprojekte, die dort in letzten Jahren entstanden sind, international Aufmerksamkeit gefunden – bekannte Produktionen wie der Actionfilm "Speedracer", das Drama "Operation Walküre" über das misslungene Stauffenberg-Attentat, in dem Tom Cruise die Hauptrolle spielte, oder die Verfilmung des Bestsellers "Der Vorleser" mit Kate Winslett und David Kross.

Kate Winslet und David Kross, Szene aus Der Vorleser (Foto: Studio Babelsberg AG)

Kate Winslet und David Kross, Szene aus "Der Vorleser"

Studio Babelsberg, sagt Woebcken, sei innerhalb Deutschlands das einzige Großatelier-Studio, das tatsächlich auch auf größere, ausstattungsintensive Kinofilmproduktionen ausgerichtet ist. "Sowohl hinsichtlich der Studios und der Technik wie auch mit den Heerscharen von Mitarbeitern, die an diesen Produktionen mitarbeiten. Die haben wir hochgezogen über mehrere Produktionen und damit auch diesen internationalen Erfahrungsschatz."

Alles ist machbar

Bei Großproduktionen sind zusätzlich zu den festangestellten Fachkräften zum Teil mehr als 1500 Filmschaffende als freie Mitarbeiter beschäftigt worden. Sie haben gelernt, mit modernsten Techniken wie der digitalen Kamera zu arbeiten und in Kulissen gedreht, die so täuschend echt aussehen, dass jeder Zuschauer sie für ein Original hält. Die weitläufigen Werkstätten, in denen sie entstehen, werden in Babelsberg nicht von ungefähr als "Art-department" bezeichnet. Für Tom Tykwers Produktion "The International" wurde hier beispielsweise in nur 16 Wochen das New Yorker Guggenheim Museum nachgebaut. Fast in Originalgröße.

Auch im Flugzeug-Set darf gedreht werden (Foto: Studio Babelsberg AG)

Auch im Flugzeug-Set darf gedreht werden

Vor sieben Jahren haben Carl Woebcken und sein Partner Christoph Fisser die seinerzeit chronisch defizitären Studios vom Medienkonzern Vivendi übernommen. Aber trotz fortgeführter Umstrukturierungen und eines weiteren Abbaus des festangestellten Personals gelang es zunächst nicht, aus den roten Zahlen herauszukommen. Der Umschwung kam erst 2007, mit dem Deutschen Filmförderfonds. Also mit jenen 60 Millionen Euro, die die Bundesregierung seitdem jährlich vergibt, um den Filmstandort Deutschland zu stärken. Zusätzlich zu allen bereits existierenden Fördermaßnahmen gibt es diese Gelder. Und von ihnen profitieren auch internationale Produktionen, sofern sie zumindest in Teilen in Deutschland realisiert werden. Der Deutsche Filmförderfonds sei ein ganz wesentlicher Meilenstein gewesen, um Studio Babelsberg, aber auch den Produktionsstandort Deutschland insgesamt für internationale Koproduktionen attraktiv zu machen, sagt Carl Woebcken.

Nationale und internationale Konkurrenz

Keine Industrie ist in der Wahl ihres Standortes so flexibel wie die Filmproduktion. Sie braucht nur die entsprechenden Dienstleistungen und attraktive finanzielle Rahmenbedingungen. Den Stauffenberg-Film mit Tom Cruise beispielsweise hat der Deutsche Filmförderfonds mit 4,8 Millionen Euro bezuschusst. Das Studio Babelsberg lieferte dann eine Rundumbetreuung. Zu der gehörten die Chauffeure für die Stars ebenso wie eine detailgetreue Ausstattung von Set und Darstellern aus dem eigenen umfangreichen Kostüm- und Requisitenfundus.

Der internationale Zuspruch habe, sagt Woebcken, auch Begehrlichen in anderen Bundesländern geweckt. In Bayern zum Beispiel und in Nordrhein-Westfalen. Dort wolle man Babelsberg nun nacheifern. Die Konkurrenz macht sich also stark. Im internationalen Vergleich sei die vor allem in London, Prag und Budapest ansässig. "Und da, muss man ganz ehrlich sagen, hat der Deutsche Filmförderfonds auch seine Grenzen."

Szenenbild zu Unknown Identity - spektakuläre Dreharbeiten auf der Oberbaumbrücke in Berlin (Foto: Studio Babelsberg AG)

Szenenbild zu "Unknown Identity" - spektakuläre Dreharbeiten auf der Oberbaumbrücke in Berlin

Umso mehr Standorte in Deutschland für internationale Großproduktionen in Frage kommen, um so mehr wird der Filmförderfonds gefragt sein. Die zur Verfügung gestellten Mittel sind freilich begrenzt. Man sollte, sagt Carl Woebcken, über deren Aufstockung nachdenken. Zumal die internationale Konkurrenz nicht schlafe. Mit den attraktiven Angeboten, die Großbritannien und demnächst auch Frankreich der Filmindustrie machen, könne der Standort Deutschland nicht mithalten. 2009 und 2010 konnte das Studio Babelsberg an die Erfolge der Vorjahre nicht anknüpfen. Und auch dieses Jahr, sagt Carl Woebcken, wird das kaum gelingen. Zu tun habe man dennoch gut – mit Serien, vielen kleineren Produktionen sowie aktuell mit dem 3D-Großunterfangen "Hänsel und Gretel".

Autorin: Silke Bartlick

Redaktion: Angela Müller