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Wirtschaft

Babcock am Ende

In die Horror-Liste deutscher Pleite-Firmen rückt nun doch der Maschinen- und Anlagenbauer Babcock Borsig auf. Letzte Chancen auf ein Überleben des Traditionsunternehmens sind zu Wochenbeginn auf den Nullpunkt gesunken.

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Dauer-Rot für Babcock Borsig?

Das angeschlagene Oberhausener Unternehmen hatte bereits am Freitag Insolvenz angemeldet, trotzdem aber Hoffnungen auf sein Fortbestehen genährt. Diese letzten Hoffnungsfunken sind nun erloschen. Nach Angaben der IG Metall ist eine Fortführung des Insolvenzverfahrens unausweichlich, nachdem am Wochenende zwei der Gläubigerbanken erklärt hatten, sie seien nicht mehr bereit, weitere finanzielle Hilfen zur Verfügung zu stellen.

"Das hat uns wirklich getroffen wie ein Schlag heute morgen, als wir im Radio hörten, dass die Insolvenz fortgeführt wird, da keine Lösung mit den Banken herbeigeführt werden konnte", sagte Babcock-Betriebsrat Dieter Jansen der Deutschen Welle.

Der Maschinenbauer benötigt zur Sanierung rund 700 Millionen Euro. Bund und Land wären bereit gewesen, mit einer Bürgschaft von insgesamt etwa 430 Millionen Euro zu helfen. Ein neues Engagement wäre für die Banken deshalb kaum noch mit Risiken behaftet gewesen.

Tragik

Demonstration für den Erhalt von Babcock Borsig

Mitarbeiter demonstrierten am 02.06.2002 vor dem nordrhein-westfaelischen Landtag in Duesseldorf fuer den Erhalt ihrer Arbeitsplaetze.

Das Tragische an dieser Geschichte: Das laufende Geschäft der Aktiengesellschaft mit weltweit 22.000 Mitarbeitern läuft zufriedenstellend. Nach dem Rückzug aus dem Schiffsbau - die HDW-Werft wurde verkauft und sorgte für ein Plus in der Bilanz - ist Babcock Borsig wieder ein reiner Spezial-Maschinenbauer, tätig vor allem auf dem Gebiet der Energietechnik. Im Programm finden sich ganze Gas- und Dampfkraftwerke sowie Müllverbrennungsanlagen. Der Konzern hat Aufträge im Wert von über fünf Milliarden Euro und baut zurzeit Kraftwerke in China, Spanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Allerdings werden im laufenden Geschäftsjahr wegen langer Bau- und Lieferzeiten keine größeren Abrechnungen erwartet.

Trotz der dicken Auftragsbücher will offenbar weder die Commerzbank noch die BHF-Bank das Sanierungskonzept stützen. Ihre Begründugn: Sie vertrauen den Personen im Vorstand nicht mehr. Vor allem Ex-Vorstandschef Klaus Lederer wird vorgeworfen, mit dem Verkauf der profitablen U-Boot-Werft HDW einen strategischen Fehler begangen zu haben. Diesen hätten die verbliebenen Vorstände mit zu verantworten.

Betriebsrat Jansen gibt den Banken in diesem Punkt Recht. Die Arbeitnehmervertreter hätten ebenfalls kein Vertrauen mehr in den Vorstand, seitdem Lederer die Werft verkaufte. "Da fing das Dilemma für uns an", klagt Jansen. "Und die beiden Vorstände, die noch da sind, die haben diese Verantwortung mitzutragen und müssten letztendlich auch ihren Hut nehmen. Und ich hoffe auch, sie tun das, aber ohne Abfindung."

Harte Schnitte gefordert

Unternehmensberater Roland Berger sieht für den Konzern nur eine Zukunft, wenn die Belegschaft von 22.000 auf 15.000 Beschäftigte reduziert wird. Rund 13.000 Menschen arbeiten in Deutschland bei Babcock, die anderen in China, Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Portugal, Russland und den USA.

Der Präsident des Hamburger HWWA-Weltwirtschaftsarchivs, Thomas Straubhaar, kritisierte unterdessen an den Sanierungsbemühungen das Eingreifen der Politik in den Wirtschaftsprozess. Zwar bedeute Arbeitslosigkeit für den Einzelnen immer eine große Tragik, dennoch sollte die Politik niemals direkt einer Firma helfen wollen, sagte Straubhaar im Deutschen Fernsehen. Das schaffe Ungerechtigkeiten. Außerdem komme die Politik in der Regel zu spät.

  • Datum 08.07.2002
  • Autorin/Autor Rolf Wenkel, mas
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2TC2
  • Datum 08.07.2002
  • Autorin/Autor Rolf Wenkel, mas
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