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Aktuell Deutschland

"Baal"-Prozess: Suhrkamp-Verlag stimmt Vergleich zu

Im Streit um Frank Castorfs Inszenierung von Bertolt Brechts "Baal" haben der Suhrkamp-Verlag und das Münchener Residenztheater einen Vergleich geschlossen. Die Forderung nach einem Aufführungsverbot ist vom Tisch.

Die umstrittene Inszenierung (das Artikelbild zeigt eine Proben-Szene) darf jedoch nur noch zweimal gezeigt werden. Darauf einigten sich der Suhrkamp-Verlag als Vertreter der Brecht-Erben und das Residenztheater vor dem Münchner Landgericht. Der Vergleich wurde nach sechseinhalb Stunden Verhandlung erzielt.

Die Aufführungen am 28. Februar in München und im Mai beim Theatertreffen in Berlin finden noch statt; alle weiteren geplanten Aufführungen entfallen. Das Münchner Residenztheater verpflichtete sich, eine entsprechende Unterlassungserklärung zu unterzeichnen.

Der Anwalt des Residenztheaters hatte in der Verhandlung zunächst vorgeschlagen, das Theaterstück nicht über die bereits geplanten Termine im Februar und März sowie beim Theatertreffen in Berlin hinaus aufzuführen, außerdem den Titel zu ändern, vor jeder Aufführung auf die Problematik hinzuweisen und sich beim Suhrkamp-Verlag besonders zu bedanken. Das lehnte der Verlag ab.

Suhrkamp lenkt ein

Mehrfach hatte der Richter während der Verhandlung versucht, Anwalt und Justiziarin des Verlages von der Möglichkeit einer Einigung zu überzeugen und die bereits geplanten weiteren Aufführungen stattfinden zu lassen. "Der Suhrkamp-Verlag müsste auch noch hinnehmen, dass Tantiemen an den Verlag fließen", sagte er - sehr zur Erheiterung des Publikums. Der Verlag pochte jedoch auf eine Entscheidung des Richters.

Nach mehrstündigen Zeugenvernehmungen, in denen es unter anderem um Absprachen zwischen Theater und Verlag zu möglichen Änderungen der Textfassung Bertolt Brechts ging, lenkte Suhrkamp schließlich ein.

Als Vertreter von Brechts Erben hatte der Verlag beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen die Inszenierung am Residenztheater beantragt. Bei Castorfs Interpretation handele es sich um eine "nicht autorisierte Bearbeitung des Stückes". Der Regisseur, Intendant der Berliner Volksbühne, hat dem "Baal" in seiner Inszenierung zahlreiche Fremdtexte hinzugefügt.

gmf/SC (dpa)