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Musik

"BA-ROCK" - Das managen wir schon!

Das Beethovenfest hat seine Schülermanager aktiviert. Zusammen mit den Profis haben sie ein Projekt gestaltet, in dem der Star-Geiger Daniel Hope zusammen mit der Rockband Bakkushan spielt.

Die Rock-Gruppe Bakkushan (Foto: Ulrich Anders)

Die Rockband Bakkushan

400 Besucher strömen in die ausverkaufte Halle, ein Straßenbahndepot im Bonner Vorort Dransdorf. Zwischen den öligen Achsen ausrangierter Züge spielte eine junge, aufstrebende Rockband zusammen mit dem renommierten Barock-Ensemble um Star-Geiger Daniel Hope. Geplant, gebucht, beworben und umgesetzt von Schülern eines Bonner Gymnasiums.

Aller Anfang ist schwer

"Theoretischerweise könnte jetzt alles schief gehen", sagt Vera, Pressevertreterin der Schülermanager des Beethovenfestes. Sie steht kreidebleich im Eingang und beobachtet das Treiben, auf das sie und ihre zehn Mitstreiter jetzt keinen Einfluss mehr haben. "Wir könnten Stromausfall haben, Lichtausfall haben - aber das ist unwahrscheinlich." In diesem Jahr haben die Schüler eine musikalische Zeitreise organisiert und ihr Projekt "Zurück in die Zukunft" genannt.

Rebellische Rocker und gestandene Klassiker

Bakkushan (Foto: Beethovenfest 2010)

Bakkushan

"Also, ich persönlich kann tatsächlich nicht so gut Noten lesen, aber der Rest hat eigentlich eine fundierte Ausbildung im Bereich Musik", witzelt Daniel Schmidt, Sänger der Rockband Bakkushan. Das Quartett setzt sich aus Studenten der Mannheimer Popakademie zusammen. Das Programm des Abends ist für sie eher ungewohnt: Es sind die Barock-Komponisten Antonio Vivaldi und Johann Paul von Westhoff an Stelle von Hendrix und Mando Diao. Die dynamische Spannweite des Barock trifft auf die treibenden Schlagzeuge der Rockmusik. "Das ist das Auffällige im Vergleich zur Rockmusik, wo vieles einfach schnell nach vorne los rockt", sagt der Gitarrist Robert. Er hat die barocken Stücke für die Band arrangiert.

Der Funke springt über

BA-ROCK: Daniel Hope und Ensemble (Foto: Ulrich Anders)

Daniel Hope und Ensemble

Links auf der Bühne stehen Daniel Hope und sein Ensemble, rechts die Band Bakkushan mit ihren Verstärkern und dem Schlagzeug. Beide Gruppen stellen sich in den ersten vier Stücken getrennt voneinaner musikalisch vor. Die Trennung auf der Bühne spiegelt sich zunächst auch im Publikum wider: auf den Stehplätzen die Jugend in Band-T-Shirts, wild tanzend, auf den Sitzplätzen das Klassikpublikum. Aber dann beginnt die Annäherung. Hopes Ensemble unterstreicht Bakkushans Kompositionen, Bakkushan ergänzen die barocken Stücke. Als Hope und sein Ensemble "Imitazione delle campane" von Johann Paul von Westhoff anstimmen und Bakkushan einsetzen, ist der magische Moment da. Rock und Barock verschmelzen. "Da hat man gemerkt, wie modern Westhoff war. Als man eine elektrische Gitarre dazugetan hat und diese Klänge von den Popleuten gekommen sind, hat man Westhoff mit neuen Ohren gehört", schwärmt Daniel Hope. Für ihn war dieses Stück der persönliche Höhepunkt des Abends.

Keine neuen Klassik-Fans

Daniel Hope (Foto: Stephan Görlich/dpa)

Daniel Hope

Ein Großteil des Publikums steht jetzt vor der Bühne. Die Stimmung ist die eines Rockkonzerts. Getanzt wird zu jedem Lied. Mal von dem Versuch abgesehen, Deep Purples Klassiker "Smoke On The Water" zusammen zu spielen, stimmt das Set. Nach zwei Stunden ist ein gelungener Abend vorbei. Aber Daniel Hope ist sich im Klaren: Der Klassik hat dieser Event keine neuen Fans beschert. "Man kann mit Fusion-Geschichten an junge Leute heran, aber wenn man Rockmusik spielt, wird man sie nicht für Klassik begeistern können", weiß Hope. Klassische Musik muss klassisch gespielt werden, ganz geradlinig, aber an ungewöhnlichen Orten und mit anderen Zugängen. So, meint er, kann man die Jugend für Klassik begeistern.

Autor: Uli José Anders
Redaktion: Gudrun Stegen

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