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Aktuell Asien

Bürgermeister nach Unglück nahe Dhaka suspendiert

Acht Tage nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes mit hunderten Toten wurde die Arbeit in den Textilfabriken von Bangladesch wieder aufgenommen. Der Bürgermeister der Unglücksstadt Savar wurde vom Dienst suspendiert.

Bürgermeister Mohammad Refayet Ullah, der den Vorort der Hauptstadt Dhaka seit 14 Jahren regiert, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Er hatte den Bau des achtstöckigen Gebäudes genehmigt und nach Bekanntwerden von Schäden nicht die Schließung angeordnet. Er ist der ranghöchste Beamte, der nach dem schwersten Industrieunglück in der Geschichte Bangladeschs vom Dienst suspendiert wurde.

Insgesamt nahmen die Behörden sieben Menschen wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung fest. Unter ihnen sind mehrere Ingenieure sowie der Besitzer des Gebäudes "Rana Plaza", in dem Textilfabriken, Geschäfte und eine Bankfiliale untergebracht waren.

Bei dem Einsturz am Mittwoch vergangener Woche waren nach jüngsten Angaben der Behörden 433 Menschen ums Leben gekommen. 2437 wurden verletzt, über 140 Menschen verden noch vermisst.

Überlebende hatten berichtet, das Gebäude sei am Tag zuvor evakuiert worden, nachdem Risse im Gemäuer entdeckt worden waren. Trotzdem seien sie anschließend gezwungen worden, wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren.

Nach dem Unglück hatten Millionen Arbeiter in den rund 4500 Textilfabriken des südasiatischen Landes aus Protest gegen die elenden Arbeitsbedingungen gestreikt. Immer wieder kam es zu Protestaktionen, die mitunter gewälttätig verliefen. Bei Demonstrationen am Mittwoch, dem internationalen Tag der Arbeit, entlud sich die Wut abermals. Kundgebungsteilnehmer forderten die Hinrichtung der Besitzer der fünf Fabriken, die in dem eingestürzten Haus untergebracht waren.

Derweil normalisiert sich die Lage rund um die Hauptstadt wieder. Sämtliche Fabriken sind wieder geöffnet und die Beschäftigten zur Arbeit gegangen, wie der Vizepräsident des Textilarbeitgeberverbands, Shahidullah Azim, mitteilte.

In Brüssel wollen die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Catherine Ashton, und Handelskommissar Karel De Gucht mit europäischen Unternehmen über die Sicherheitsstandards in den Fabriken in Bangladesch beraten. Ein Sprecher sagte, die Angelegenheit sei "dringend". Ein Termin steht noch nicht fest.

Ashton und De Gucht hatten am Dienstag bereits die Behörden in Bangladesch aufgerufen, Abhilfe zu schaffen, und dabei mit Handelssanktionen gedroht.

uh/sti (afp,dpa)

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