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Kultur

"Bürgermeister der USA"

Er war umstritten wie kein anderer New Yorker Bürgermeister vor ihm. Doch zum Ende seiner Amtszeit übertraf Rudolph Giuliani mit seiner Prominenz sogar den US-Präsidenten George W. Bush.

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Rudolph Giuliani erhielt den Deutschen Medienpreis

Selbst von seinen Kritikern wurde er in den Tagen nach den Terroranschlägen vom 11. September gelobt. Als er mit erschöpften Feuerwehrleuten durch die Trümmer des World Trade Centers stapfte und unermüdlich Pressekonferenzen gab, galt "Rudy" vielen Menschen in der Millionenstadt und im ganzen Land als "Bürgermeister der USA". Am Samstag soll er in Baden-Baden "für seine Zivilcourage, menschliche Größe und kämpferischen Patriotismus" den Deutschen Medienpreis 2001 erhalten.

Eigentlich wollte der Sohn italienischer Einwanderer aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn katholischer Priester werden. Doch er entschloss sich zum Jurastudium und arbeitete von 1970 bis 1977 für die New Yorker Staatsanwaltschaft als Drogenspezialist. 1975 wechselte er von der demokratischen zur republikanischen Partei. Es war einer der wenigen Brüche in Giulianis politischem Leben und Programm.

Null Toleranz

Besonders mit seiner rücksichtslosen Anti-Verbrechenspolitik unter dem Schlagwort "Null Toleranz" machte er sich einen Namen. Ebenso intolerant konnte er auch in kulturellen Fragen sein: So drohte er mit der Schließung eines Museums wegen eines Gemäldes, das eine mit Elefantendung beschmierte Gottesmutter zeigte. Das kämpferische Talent des Unbeirrbaren verglich die Zeitung "New York Times" einst mit einer "Kernspaltung".

Als der Moralist wegen einer Affäre mit einer New Yorkerin und nach einem öffentlich inszenierten Ehekrieg immer häufiger auch in den Klatschspalten auftauchte, drehten seine Kritiker den Spieß genüsslich um: Laut wunderten sie sich über Giulianis augenscheinliche Doppelgesichtigkeit.

Auf der Beliebtheitsskala steil nach oben

Seine politische Karriere schien bereits beendet, als er sich vor zwei Jahren aus dem Rennen um den Senatssitz für New York verabschiedete. Ärzte hatten bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert. Als dann am Morgen des 11. September die Südspitze von Manhattan im Staub der einstürzenden Zwillingstürme verschwand, stieg der scheidende Bürgermeister noch einmal wie Phoenix aus der Asche. Die Boulevardzeitung "Newsday" stellte stellvertretend für alle New Yorker fest: "Wenn Rudy durch den Staub stapft, weiß jeder gleich, wer hier das Sagen hat."

Kürzlich ist Giuliani aufgrund seiner Standhaftigkeit nach dem Anschlag eine weitere Ehre zuteil geworden: Königin Elizabeth II. schlug ihn am Mittwoch (13.02.) zum Ritter des britischen Reiches. Allerdings darf sich der ehemalige Bürgermeister künftig nicht "Sir Rudy" nennen, weil er kein britischer Staatsbürger ist. Zusätzlich wurde er vom US-Magazin "Time" zum "Mann des Jahres 2001" erklärt. Am Samstag, 16. Februar 2002 erhielt Giuliani den Deutschen Medienpreis. AFP/(fro)

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