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Asien

Bürgerkrieg in Sri Lanka vor endgültigem Aus

Nach 26 Jahren Bürgerkrieg legen die tamilischen Rebellen in Sri Lanka ihre Waffen nieder. Der Kampf sei an einem "bitteren Ende" angelangt, erklärte die Rebellenorganisation LTTE auf der Website TamilNet.

Siegesfeiern in Sri Lanka (Foto: AP)

Siegesfeiern in Sri Lanka

In der Erklärung der Rebellengruppe "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) heißt es: "Wir haben uns entschlossen, unsere Waffen schweigen zu lassen." Tamilische Zivilisten kämen durch Bomben, Krankheit und Hunger ums Leben, daher bleibe nur diese Wahl. Man setze nun darauf, dass die Regierung in Colombo die Offensive ihrer Armee einstelle, heißt es am Sonntag (17.05.2009) in der Mitteilung des Internetdienstes TamilNet, der den Rebellen nahesteht. Nun könnten Friedensgespräche beginnen.

Das Militär von Sri Lanka reagierte mit Genugtuung auf die Kapitulation. Die LTTE habe für einen eigenen Staat gekämpft, den "niemals" bekommen hätten, sagte ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur AFP. "Es war eine einzige Verschwendung von Leben."

Alle Zivilisten geflohen

Die Streitkräfte hatten kurz zuvor mitgeteilt, die Rebellen seien in einem kleinen Stück Land im Nordosten der Insel eingeschlossen, nachdem die Truppen ihnen am Samstag den letzten Zugang zum Meer abgeschnitten hätten. In den vergangenen 72 Stunden seien rund 63.000 Zivilpersonen aus dem rund einen Quadratkilometer kleinen Gebiet geflohen. Damit könnten die Rebellen endgültig ausgemerzt werden, sagte Militärsprecher Udaya Nanayakkara. Vor wenigen Stunden hatte die Armee nach eigenen Angaben einen Ausbruchsversuch von Aufständischen gestoppt, bei dem 70 Rebellen getötet worden sein sollen.

Die Mitteilungen des Militärs können nicht von unabhängiger Seite überprüft werden, da die Regierung Journalisten und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen den Zugang zur Kriegszone untersagt hat.

Hohe Verluste unter der Zivilbevölkerung

Begleitet von Soldaten erreichen tamilische Flüchtlinge aus der Kampfzone mit einem Fahrzeug sicheres Gelände (Foto: AP)

Begleitet von Soldaten erreichen tamilische Flüchtlinge aus der Kampfzone sicheres Gelände

Allein zwischen dem 20. Januar und dem 7. Mai 2009 wurden bei den schweren Kämpfen im Nordosten der Insel Ceylon 7000 Zivilisten getötet, wie eine Aufstellung der Vereinten Nationen besagt, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Mindestens 16.700 Menschen wurden demnach teils schwer verletzt. Nach Angaben von Ärzten wurden in der vergangenen Woche bei Artillerieangriffen nochmals mehr als 1000 Menschen getötet.

Wartende Reisende und protestierende Tamilen (Foto: AP)

Wartende Reisende und protestierende Tamilen am Frankfurter Hauptbahnhof

Bereits am Samstag hatte Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse bei einem Staatsbesuch in Jordanien verkündet: "Viele Menschen glauben ja, dass die LTTE militärisch nicht zu besiegen ist. Aber ich kann mit Stolz verkünden, dass meine Regierung, mit dem totalen Einsatz der Streitkräfte, in einer nie dagewesenen humanitären Operation, die LTTE endlich militärisch besiegt hat."

Außerhalb der Kampfzone leben inzwischen rund 200.000 tamilische Inlandsflüchtlinge in Lagern unter Regierungskontrolle. Sie werden zum Teil langen Verhören unterzogen und dürfen sich nicht frei bewegen. Die Camps gleichen Internierungslagern. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sprach von einer "unvorstellbaren humanitären Katastrophe" auf Sri Lanka.

Bürgerkrieg seit 1983

Es ist ungewiss, ob der Bürgerkrieg mit der militärischen Niederlage der LTTE beendet ist. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam wollen seit 1983 mit Waffengewalt einen eigenen Staat für die unterdrückte tamilische Minderheit im Norden und Osten der Insel erzwingen. Sie haben mit ihren Selbstmordanschlägen immer wieder gezeigt, dass sie zu allem entschlossen sind. Der Krieg auf der Insel vor der Südspitze Indiens hat in den vergangenen 26 Jahren mindestens 70.000 Menschen das Leben gekostet.

In Deutschland kam es am Sonntag zu Protesten gegen die Vorgänge in Sri Lanka. Rund 250 Tamilen besetzten mehr als zwei Stunden lang Gleise im Frankfurter Hauptbahnhof. Der Bahnhof wurde während der Aktion gesperrt. Am Sonntagabend besetzten Tamilen eine Autobahn bei Düsseldorf. Mehr als 100 Demonstranten legten dabei den Verkehr in beiden Richtungen lahm. Schon am Samstag hatten Tamilen auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof den Zugverkehr behindert.

Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse (Foto: AP)

Zeigt sich siegessicher: Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse

(sp/kle/chr/rtr/ap/dpa)

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