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Alltagsdeutsch – Podcast

Bühnensprache

Auf und hinter der Bühne von Theater- und Musikveranstaltungen gibt es eine eigene Sprache. Techniker machen Soundchecks. Schauspieler werden gecastet und leiden unter Lampenfieber. Besucher freuen sich über Freikarten.

O-Ton:

"Guten Abend, ich hätte gerne zwei Karten für heute Abend. / Wo möchten Sie denn rein? / In 'Extrablatt'. / Nein, tut mir leid, wir sind ausverkauft. Kein Platz mehr frei. / Och nöö... / Doch."

Sprecher:

So etwas nennt man unter Schauspielern: einen kurzen Auftritt mit schwachem Abgang. Und dafür erntet man im Theater ein kräftiges...

O-Ton:

"Buh..."

Sprecherin:

Freude dran hat nur die ins Opernhaus gezerrte feine Abendgarderobe. Kann sie doch schnell und nahezu unzerknautscht wieder im warmen Schrank verschwinden.

O-Ton:

"Hurra!"

Sprecher:

Alles andere als hingerissen ist der Theaterbesucher selbst. Für ihn gilt das berühmte Zitat des russischen Reformers Michail Gorbatschow:

Sprecherin:

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!"

Sprecher:

Gesprochen hat der ehemalige Staatschef der Sowjetunion diesen Satz zwar auf einer politischen Bühne. Längst aber ist das Zitat auch variationsreich in die Alltagssprache eingedrungen:

Sprecherin:

Wer zu spät kommt, der bekommt auch keine Karten.

Sprecher:

Wir übrigens haben Glück.

Sprecherin:

Wir haben Freikarten.

O-Ton:

"Hey!"

Sprecher:

Kostenlose Eintrittskarten für einen Blick vor und hinter die Kulissen eines deutschen Theaters. Besonderes Interesse gilt dabei der Theatersprache.

Sprecherin:

Im Dortmunder Opernhaus geht heute Abend um halb acht ein Stück, das niemals zuvor in Deutschland gezeigt wurde, über die Rampe.

Sprecher:

Rampe nennt man den vordersten Teil des Bühnenbodens, die Grenze zum Zuschauerraum. Dieser Bühnenboden ist meist leicht nach vorn geneigt, damit das Publikum eine bessere Draufsicht auf das Geschehen hat.

Sprecherin:

In wenigen Minuten werden dort Schauspieler, Tänzer und Sänger stehen: Im Rampenlicht.

Sprecher:

Das Rampenlicht wird von einer Lampenreihe am vorderen Ende der Bühne ausgestrahlt. Auch außerhalb des Theaters wird der Ausdruck verwendet: Jeder, der in der Öffentlichkeit wirkt, steht im Rampenlicht.

Sprecherin:

Und jeder weiß: Rampenlicht verursacht Lampenfieber.

Sprecher:

Das ist keine ernste Krankheit. Aber es wird einem heiß und kalt, innerlich zittert und kocht man zugleich. Wie bei echtem Fieber! Hier aber ist die Ursache Nervosität. Nervosität wegen eines Auftritts vor unzähligen Augen und Ohren.

Sprecherin:

Lampenfieber herrscht auch in Dortmund hinter den Kulissen. Wie immer vor einer Premiere. Niemand weiß, ob das wochenlang geprobte Musical ein Erfolg oder ein Reinfall wird.

Sprecher:

Ein gutes Musical ist ein Musiktheater-Stück, das jedermann unterhält: Vom Arbeiter über den Angestellten bis zum Akademiker. Es mischt Schauspiel, also dargestelltes Spiel, mit Gesang und Tanz und Musik. Entstanden ist das Musical im Amerika des 19. Jahrhunderts. Daher der englische Name.

Sprecherin:

Das ausverkaufte Musical heißt "Extrablatt".

Sprecher:

Extrablätter nennt man jene Zeitungen, die bei besonderen Ereignissen und Sensationen herausgegeben werden. Und von Sensationen und Schlagzeilen lebt auch die Geschichte dieses Musicals.

Sprecherin:

Ein harmlos wirkender Mann hat angeblich einen farbigen Polizisten erschossen. Dafür soll er gehängt werden. Das ist nicht nur im Interesse der Journalisten, die auf Sensationen warten, auch im Sinne von Politikern, die sich von dessen Hinrichtung farbige Wählerstimmen erhoffen.

Musik:

Musical "Extrablatt"

"…hat das lange Warten satt,

mit Revolver entfloh'n und die Nacht ist von heute

sag dem Redakteur Bescheid, für's

Extrablatt ! Extrablatt ! …

Es tut sich endlich was in dieser Stadt…"

Sprecherin:

Aber noch ist es nicht soweit. Noch warten die Zuschauer vor verschlossenen Türen. Denn im Moment läuft der Soundcheck.

O-Ton:

"Ja, wir geben dieser Stadt das, was ihr fehlt, was sie in Atem hält ... aiaiaiai."

Sprecher:

Das Wort Soundcheck stammt aus dem Amerikanischen, wie viele Fachwörter im Unterhaltungsgeschäft. Auf Deutsch bedeutet Soundcheck nichts anderes als Tonprobe. Der Sound – die Klangwirkung – muss stimmen.

Sprecherin:

Die Künstler treten einzeln ins Rampenlicht, um die an Stirn oder Wange angeklebten Mikrofone zu testen. Diese verstärken beim großen Musical die Stimmen. So dringen auch leise Gesangsstellen über das Orchester.

O-Ton:

"Eine Sensation, oder besser zwei. Radedigogedibom. – Alles klar, Erwin. Danke."

Sprecherin:

Kurz nach sieben füllen sich die weit über eintausend Plätze im Opernhaus. Eine halbe Stunde später wird es leise im Zuschauerraum. Alles wartet still, aber gespannt. Aber hinter der Bühne gibt es Probleme mit dem Licht – wie der Funkverkehr zwischen den Technikern beweist.

O-Ton:

"Du hast was auf der Hinterbühne eins gesteckt, kann das sein?" / Ja, ich hab' was auf Hinterbühne eins. / So, jetzt steck' bitte irgendein Kabel auf Hinterbühne zwei. / Hatten wir doch schon. / Ja, Bernd, was ist los? Die Türen sind zu. Können wir anfangen?"

Sprecher:

Die Türen zum Zuschauerraum sind zu. Und das heißt normalerweise: Es kann jetzt losgehen!

Sprecherin:

Aber einige Scheinwerfer brennen einfach nicht. Das ist ungewöhnlich – Blackout noch vor Beginn.

Sprecher:

Den sogenannten Blackout erwartet man viel später. Er bezeichnet die plötzliche Verdunkelung, die Schwärze am Ende des Stückes – kurz bevor sich der Vorhang schließt. Aber es gibt auch alltägliche Blackouts. Vielleicht kennen Sie das: Eben wusste man noch, was man tun oder sagen wollte – einen Moment später nicht mehr. Das ist ein geistiger Blackout.

Sprecherin:

Hier nun kommt beides zusammen. Grund für die Panne bei der Beleuchtung sei eine Unachtsamkeit bei den Technikern – sagt der Beleuchtungsmeister, derjenige, der für das Licht verantwortlich ist.

O-Ton:

"Ja, da ist ein Kabel kaputtgegangen, wahrscheinlich ist der Wagen rübergefahren. / Ja, wir müssen noch einmal verlängern."

Sprecherin:

Die Zuschauer werden noch ein paar Minuten vertröstet, und dann, um kurz vor acht, ist alles repariert. Nun gibt der lnspizient, der für den richtigen Einsatz von Licht und Ton zuständig ist, das Zeichen. Die Show beginnt.

O-Ton:

"So, es geht los, Carsten. Achtung!"

Musik

Musical "Extrablatt"


Sprecherin:

Der Blick fällt in ein hohes Büro im Chicago der 20er Jahre. Rauch von Zigaretten und der beißende Geruch von Alkohol liegen in der Luft – und auch die Sensationen, auf die Journalisten hier warten.

Sprecher:

Sensation Nummer eins.

Sprecherin:

Starreporter Hildy stürzt herein und erklärt, er wolle jetzt ein braver Ehemann werden.

Sprecher:

Sensation Nummer zwei.

Sprecherin:

Der Todeskandidat flieht und taucht im Büro des Reporters auf. Nun hat Hildy die Qual der Wahl. Zwischen einer tollen Zeitungsgeschichte, die ihn berühmt machen wird und seiner Verlobten Nathalie, die mit ihm die Stadt verlassen will. Zwischen Karriere und Liebe.

Musik:

Musical "Extrablatt"

"Kein Anruf heute Nacht, wenn ich die bei mir hab. Du hast besseres für mich, unsere Liebesnacht, Hauptdarsteller du und ich. / Schnuckelchen, ich wollt es dir schon die ganze Zeit sagen. Ich habe noch eine allerletzte Story zu schreiben. Es dauert nur eine halbe Stunde, ich schwör's / Da ist immer nur noch eine Story!"

Sprecher:

Story stammt aus dem Englischen und heißt Kurzgeschichte.

Sprecherin:

Und um knappe, kurze Geschichten aus dem Leben haben sich von jeher englische und amerikanische Journalisten bemüht. Natürlich um die Neugier der Leser zu steigern – und damit auch die Auflage der Zeitung.

Sprecher:

Sprachlich enthält eine Story nur selten so nette Kosenamen wie mein Schnuckelchen. Du Schnuckelchen bedeutet übrigens soviel wie süßes, leckeres, appetitliches Ding.

Sprecherin:

Die appetitlichen Storys müssen nicht immer der Wahrheit entsprechen. Es gibt Journalisten, die erlügen sich ihre Geschichte. Sie reimen sie sich zusammen.

Sprecher:

Und so wird im Theater, wo immer gern übertrieben wird, aus diesem Typ des Journalisten ein Poet gemacht.

Sprecher:

Der Sänger und Übersetzer Peter Zeug hat ihm Stimme und komische Reime verliehen:

Musik:

"Er sitzt gefasst in seinem Knast,

doch eh die Sonne scheint,

da ruft zum Tode der Henkersbote

und sein Mütterchen, das weint."

O-Ton:

"Da wird eben die Banalität der Sprache eigentlich transportiert, wo dann die Reime wirklich so platt werden, dass es dem Zuschauer ja auch auffallen muss, wie platt die sind, und ich denke, der sitzt gefasst in seinem Knast, das ist also schon wirklich ein schöner, platter Reim und insofern funktioniert das Ding dann auch mit der Musik, ne."

Sprecher:

Das Wort Knast stammt aus der Gaunersprache und meint das Gefängnis. Parallelen gibt es auch im Jiddischen. Dort bedeutet das Wort knas Geldstrafe. Und wenn ein Reim platt ist, dann ist er flach wie das platte Land. Einfach – und einfach dumm!

Sprecherin:

Um die Figuren im Theater aber nicht platt, sondern lebendig und interessant zu gestalten, muss man ihnen eine für sie typische Sprache in den Mund legen. Nicht nur die Journalisten haben ihre Art zu reden. Auch die Verlobte des Reporters.

O-Ton:

"Was bei der Nathalie ja sehr gut rauskommt, weil sie ist ja eine, die vom Film herkommt und auch in ihrer Filmwelt spricht, nech, perfekt Casting-Traumbesetzung, sagt sie immer und Fade out am Schluss. Alle diese Schlagworte des Films. Und Fade out, das ist natürlich, das sind Begriffe, Sprache, die man eigentlich nicht übersetzen kann. Natürlich heißt das ausblenden, kann man sagen, ausblenden, aber jetzt übersetzen Sie mal so'n Ding. Ausblenden, das sagt einem ja auch nicht sehr viel. Und ich denk, die Leute, die sich mit Film beschäftigen, wissen was Fade out heißt und jeder, der heute ne Videokamera hat, weiß es auch. Das steht Fade in und Fade out. Also denk ich, da kann man die Sprache einfach so lassen wie sie ist und muss es nicht noch jetzt verdeutlichen zu sagen,

wir deutschen das auch noch ein."

Musik:

Musical "Extrablatt"

"Ob man Verlobte, Musik läuft und Titel

Fade out …"

Sprecher:
Beim Theater ggibt es kein Fade out – es sei denn, der Besucher schließt müde die Augen, weil die Handlung so langweilig oder die Sprache so unverständlich ist. Undeutliches Sprechen, sogenanntes Nuscheln, ist auf der Bühne fehl am Platze.

O-Ton:

"Heißt also, hier zuhause kann ich rumschludern und kann auch nuscheln, was auf der Bühne überhaupt nicht möglich ist, es sei denn, selbst wenn ich es in der Rolle machen würde, wie der Krüger zum Beispiel, der ja einen Alkoholiker spielt, versucht es in der Sprache zu transportieren, aber er muss es immer so transportieren, dass wir es trotzdem noch verstehen, weil, wenn da immer einer nur nuschelt, sag ich 'Hey, was hat der gesagt?'. Also, es heißt auf der Bühne immer sehr überdeutlich sprechen und im Singen ganz besonders, die Endkonsonanten, die Anfangskonsonanten ganz klar raus bringen und das ist etwas, zu dem man sich schon zwingen muss, wo man sagt, jetzt hört der Alltag auf, jetzt ist aber die Bühnensprache angesagt. Und da wird dann also ganz klar und deutlich gesprochen. Natürlich, möglichst, und wie gesagt, möglichst in dem Charakter, so wie der das sagen würde, der Charakter, ne. Und das heißt also, bestimmte Betonungen, wo man sagt, ich weiß, der sagt das so und der sagt das so unterschwellig, da muss man das immer wie vor ne Lupe halten und sagen, ich muss das noch vergrößern."

Sprecher:

Wenn man etwas unter die Lupe nimmt, untersucht man es scharf. Wie ein Detektiv, der sich mit seiner Lupe auf die Suche nach Fingerabdrücken macht.

Sprecherin:

Die Musik von "Extrablatt", komponiert vom Engländer Tony Macaulay, hinterlässt keine Abdrücke, sondern Eindrücke. Bleibende! Tagelang summt man Melodien vor sich hin, ohne zu wissen, warum.

Sprecher:

Man sagt, die Musik geht ins Ohr – und dann nicht mehr aus dem Kopf. Das nennt man dann einen echten Ohrwurm.

O-Ton:

"Ohrwürmer? Ja, was sind Ohrwürmer? Es sind natürlich wahnsinnig schwierig, die sechs Wochen an einem Stück arbeiten, dann ist das alles ein Ohrwurm. Dann gehen sie nach Hause und sagen 'Oh, diese Melodie geht mir nicht aus dem Kopf'. Aber klar, wir haben studiert, wir hören die täglich drei-, viermal. Mir ist es so gegangen, dass bei der Londoner Uraufführung ich raus kam und ich muss sagen, ganz ehrlich, vom Text hatte ich nicht so sehr viel verstanden, hatte aber in der Vision das Stück gesehen. Ich wusste, dass es nach einem Film von Billy Wilder war. Was mich mitgerissen hatte, das war halt wirklich die Musik, Dieses 'Hey, Halleluja'. Ich kam raus und hatte gute Laune durch dieses 'Hey halleluja' und das konnte ich auch singen. Und wenn man 'nen traurigen Tag hat, dann wird man vielleicht eher einen Teil von 'ner Ballade mit rausnehmen, aber wenn ich eigentlich gut drauf bin, dann nehme ich auch das mit, was mich noch besser drauf gebracht hat und das ist vielleicht zum Beispiel gerade dieses 'Hey, Halleluja'. Das war gut, hat mir Laune gemacht und dann halte ich das auch."

Musik:

Musical "Extrablatt"

"Hey, Halleluja,

Er ist frei, ist endlich frei.

Sag der Zeitung Ade.

Hey, Halleluja,

er beginnt sein Leben neu

Scheiß auf sein Renommee.

Ich bin ohne Frage frei

und ich lasse es auch dabei

und Extrablatt!, Extrablatt! …"

Sprecherin:

Good bye – auf Wiedersehen - sagt am Schluss der Starreporter seinem Zeitungschef. Und dann fällt der Vorhang.

Sprecher:

Ein glückliches Ende. Auch für die Künstler. Heute Abend haben sie das Publikum begeistert.

Sprecherin:

Doch schon morgen heißt es: Neues Spiel – neues Glück.

Fragen zum Text

Freikarten sind …

1. Eintrittskarten, für die man nichts bezahlen muss.

2. Karten für ein Freibad.

3. besondere Karten im Skat.

Menschen, die vor einem Auftritt aufgeregt sind, haben …

1. Ohrensausen.

2. Lampenfieber.

3. Rampenangst.

Redet ein Mensch undeutlich, dann …

1. mauschelt er/sie.

2. raschelt er/sie.

3. nuschelt er/sie.

Arbeitsauftrag

Erarbeiten Sie in der Gruppe ein kurzes Bühnenstück in deutscher Sprache zu einem von Ihnen selbst gewählten Thema. Verteilen Sie die Rollen. Nach Abschluss der Proben, bei denen Sie natürlich auf die deutliche Aussprache achten, führen Sie das Stück vor Ihren Freunden, Ihrer Familie und Ihren Lehrern auf.

Autor: Ralph Erdenberger

Redaktion: Beatrice Warken

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