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Politik

Bühne frei - das Duell kann beginnen

Früher duellierte man sich mit Pistolen - heute mit Worten und vor laufender Kamera. Was in den USA seit langem zum festen Wahlkampf-Ritual gehört, hat in Deutschland Premiere.

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Fernsehduell: Wer wird die meisten Tore schießen?

Die Termine stehen, die Duellanten wärmen sich auf und die Kandidaten der kleinen Parteien versuchen auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Am 25. August und am 8. September werden sich der amtierende Kanzler Schröder und der CDU-Kanzler-Kandidat Stoiber ein Fernsehduell liefern.

Neuland für die Deutschen

Während in den USA das Fernsehduell fester Bestandteil des Wahlkampfs ist, betreten Schröder und Stoiber Neuland. Fernsehduelle hat es in Deutschland noch nie gegeben. Helmut Kohl lehnte sie in seiner Kanzler-Zeit generell ab. Stattdessen wurden so genannte "Elefantenrunden" inszeniert, bei denen Spitzenvertreter aller Parteien ihre Argumente vorstellen konnten.

Schröder und Stoiber hoffen auf einen positiven Schub für die eigene Wahlkampagne. John F. Kennedy hat es bei dem ersten Fernsehduell in den USA vorgemacht: Er brillierte vor laufender Kamera. Neben ihm machte der nervös blinzelnde Richard Nixon keine gute Figur; er verlor die Wahl.

Auch in Österreich brachte Bruno Kreisky in den siebziger Jahren seinen Kontrahenten mit psychologischen Tricks aus dem Konzept.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac

Jacques Chirac will sich nicht mit Le Pen duellieren

Während sich die Kandidaten in Deutschland ins Studio wagen, verweigert in Frankreich derzeit der amtierende Präsident Chirac seinem Herausforderer Le Pen ein Fernsehduell. Damit fällt das traditionelle Fernsehduell in Frankreich erstmals seit 1974 aus.

Zugpferd Schröder

Schröder, der Medienkanzler, setzt in diesem Wahlkampf ganz auf sein Charisma. Bisher gaben ihm Umfragen Recht: Im Westen liegt Schröder 10 Prozent, im Osten sogar 20 Prozent vor Stoiber. Allerdings ist er beliebter als seine Partei: Nur 35 Prozent der Wähler würden im Augenblick ihre Stimme der SPD geben. Bei Stoiber dagegen ist es umgekehrt. Während 40 Prozent der Wähler laut Umfragen derzeit die CDU als Partei wählen würden, lassen die Sympathiewerte des Kanzlerkandidaten Stoiber zu wünschen übrig.

Sympathischer, kompetenter und erfolgreicher

Spielwarenmesse

Stoiber und Schröder possieren vor der Kamera

Um nicht in den Schatten des medienerfahrenen Kanzlers zu geraten, forderte der hölzern wirkende Stoiber eine Fernsehdebatte, bei der es weniger um Rhetorik und mehr auf Sachkompetenz ankommt. Daneben werden unendlich viele Kleinigkeiten diskutiert und geregelt: Man einigte sich darauf, dass beide Kandidaten stehen, obwohl Stoiber aus luftiger Höhe 12 cm auf Schröder herabgucken kann. Jede Sendung soll 75 Minuten dauern. Publikum ist nur zu Hause vor dem Fernseher, aber nicht vor der Kamera erwünscht. Gesendet wird natürlich zur besten Sendezeit: abends um Viertel nach acht.

Ob das alles hilft? Stoiber hat bereits einen Fernsehauftritt als Gast von Sabine Christiansen verpatzt – Schröder war noch nicht einmal dabei. Gleich am Tag darauf berichteten alle deutschen Zeitungen von Stoibers ungeschickten Auftreten. Falls Stoiber im Herbst trotz intensivem Coaching doch Patzer unterlaufen sollten, haben Stoibers Sekundanten auf Termine mindestens zwei Wochen vor der Wahl bestanden. Schröder wäre lieber wenige Tage vor der Wahl vor die Kamera getreten.

Die Kleinen müssen draußen bleiben

Guido Westerwelle

Guido Westerwelle möchte auch gerne ins Fernsehen

An dem Fernsehduell der Großen würden sich die kleinen Parteien gerne beteiligen. Guido Westerwelle von der FDP fordert, ebenfalls als Duellant akzeptiert zu werden. Bislang ohne Erfolg. Westerwelle empfindet dies als Verletzung der grundgesetzlich garantierten Chancengleichheit und droht vor Gericht zu klagen.

Ob ein Fernsehduell wirklich entscheidend für die Wahl sein kann, ist indes fraglich. In den USA werden Fernsehduelle von Umfragen begleitet. Die haben 1988 nach dem Fernsehduell zwischen Michael Dukakis und George Bush senior vorhergesagt, dass Dukakis klarer Sieger sein würde. Bekanntlich saß am Ende jedoch George Bush senior im Weißen Haus.

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