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Kultur

Büchse der Pandora?

Es gibt fast kein chronisches Leiden, bei dem die Wissenschaftler sich keine Heilungschancen durch den Einsatz embryonaler Stammzellen versprechen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen.

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Biologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard

Doch bereits der Vorsitzende des Nationalen Ethikrates, Spiros Simitis, hat eindringlich vor überzogenen Hoffnungen gewarnt. Noch sei die Heilung durch Embryo-Zellen ferne Zukunftsmusik. Das Gefühl werde erweckt, "dass Kranke aus ihren Rollstühlen aufstehen", sagt auch der CDU-Abgeordnete und strikte Importgegner Hubert Hüppe.

Embryo-Stammzellen sind wahre Alleskönner des Körpers. Bis zu einer Woche nach der Befruchtung können sie sich zu jeder Art von Zelle, Gewebe und später Organ entwickeln. Diesen Mechanismus wollen Wissenschaftler sich zu Eigen machen. Sie hoffen auf die Züchtung von Ersatzgeweben und -organen im Labor.

Frage der Qualität

In den USA sind bislang über 70 Stammzelllinien für die Forschung zugelassen. Über die Qualität der Zellen ist hingegen wenig bekannt. Das National Institute of Health registriert die Zelllinien lediglich nach den Kriterien, die Präsident George Bush vorgegeben hat. Noch ist unklar, wie lange die Zellen im Gefrierschrank überdauern können, ohne an Potenzial einzubüßen.

Selbst wenn die Qualitätsfrage einmal gelöst sein sollte, stellt sich die Frage, wie die gezüchteten Zellen eingesetzt werden. Mancher Wissenschaftler geht davon aus, dass ohne therapeutisches Klonen die gesamte Stammzellforschung an Embryonen unsinnig ist. Die aus fremden Embryonen gezüchteten Zellen verhalten sich ähnlich wie ein transplantiertes Organ. Der Körper produziert Abstoßungsreaktionen gegen das Spenderorgan. Ein Transplantat bedeutet daher eine lebenslange Einnahme von Medikamenten wie Cortison, die Immunreaktionen des Körpers unterdrücken.

"Türöffner" für das Klonen

Ein Ausweg aus diesem Dilemma wäre, körpereigene Zellen einzusetzen, die der Organismus akzeptiert. Dies könnte durch therapeutisches Klonen geschehen. In dem Verfahren würde der Kern einer beliebigen Zelle des Kranken mit einer entkernten Spender-Eizelle verschmolzen. Die Zelle wäre dann genetisch gesehen ein Klon, also identisch mit dem Erbgut des Kranken. Sie würde dann geteilt und im Reagenzglas so entwickelt, so dass embryonale Stammzellen entnommen werden könnten, um Nervenzellen oder Gewebe zu züchten. Das wäre dann maßgeschneidert für den Patienten. Vor dieser Kommerzialisierung warnen Abgeordnete wie Wolfgang Wodarg. Der Antrag auf die Einfuhr der kleinen Zellen sei nur ein "Türöffner" für das Klonen von Menschen, vermutet der SPD-Politiker. Ein großer Teil von Wissenschaftlern, beispielsweise die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, ist zwar für die Stammzellforschung, lehnt aber das Klonen ab.

Angesichts der zahlreichen ungeklärten Fragen ist daher in der letzten Zeit die Forschung an so genannten adulten Stammzellen immer mehr in den Blickpunkt geraten. Diese Zellen von Erwachsenen werden bereits seit über 30 Jahren in der Blutkrebsbehandlung eingesetzt. Auch wenn sie als nicht so wandelbar wie die Embryo-Stammzellen gelten, hoffen Forscher darauf, die Zellen umprogrammieren zu können. Diese Forschung gilt ethisch als unbedenklich. (Agnes Tandler, AP / wga)