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Bücher

Büchner-Preis für Friedrich Christian Delius

Die bedeutendste deutsche Literaturauszeichnung geht 2011 an Friedrich Christian Delius. Der in Rom und Berlin lebende Autor wird als kritischer Beobachter und politisch hellwacher Begleiter der Zeitgeschichte geehrt.

Der Autor Friedrich Christian Delius, aufgenommen auf der 58. Frankfurter Buchmesse in Frankfurt am Main (Foto: Katja Lenz/dapd)

Mit Friedrich Christian Delius zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sozusagen ein literarisches Urgestein aus. 1943, während des Zweiten Weltkriegs in Rom geboren und in Hessen aufgewachsen, veröffentlichte er bereits mit 19 seine ersten Gedichte. Beinah im Zwei-Jahres-Takt erscheint seitdem ein "neuer Delius".

Man habe zum 60-jährigen Jubiläum des Georg-Büchner-Preises, so Akademiepräsident Klaus Reichert im Gespräch mit der Deutschen Welle, ganz bewusst einen Schriftsteller ehren wollen, der die einzelnen Epochen der Bundesrepublik Deutschland literarisch begleitet hat. Insofern war Delius geradezu ein idealer Kandidat. "Als kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter", so heißt es in der Begründung, "hat er in seinen Romanen und Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen erzählt."

Der politische Delius

Unsere Siemens-Welt. Eine Festschrift zum 125jährigen Bestehen des Hauses S. von F.C. Delius (Foto: Rotbuch Verlag)

Signalrot: "Unsere Siemens-Welt"

In den sechziger und siebziger Jahren galt Delius als dezidiert linker Autor, als typischer Vertreter der revoltierenden "Achtundsechziger". Seit 1963 lebte er in Berlin, wo er im Fach Literaturwissenschaft promovierte. Er setzte sich in Romanen mit der Studentenbewegung auseinander und rechnete in bissigen Satiren wie "Wir Unternehmer" (1966) mit Politikern und Wirtschaftsführern ab. Für seine ironisch-fiktive Festschrift "Unsere Siemens-Welt" (1972) handelte er sich gar einen jahrelangen Rechtsstreit mit dem Konzern ein.

Delius arbeitete von 1970 bis 1978 als Lektor renommierter linker Verlage, behielt das Zeitgeschehen aber immer auch als Schriftsteller im Blick. Die Zeit des Terrorismus in Deutschland hat er in Romanen wie "Ein Held der inneren Sicherheit" (1981) oder "Mogadischu Fensterplatz" (1987) verarbeitet. Später dann war die deutsche Wiedervereinigung ein Thema, das ihn nachhaltig beschäftigte.

Von der Einmischung zur Poesie

Doch so wie sich diese deutsche Republik im Laufe der Jahrzehnte wandelte, veränderte sich auch der Schriftsteller Delius. Zwar sei er immer ein politisch bewusster Autor geblieben, so Klaus Reichert, aber die Politik stehe nicht mehr so im Vordergrund: "Er ist poetischer geworden; er hat die Politik sozusagen als Grundierung behalten, aber darauf Romane gesetzt, die eine große poetische Suggestionskraft haben".

Buchcover: Friedrich Christian Delius - Bildnis der Mutter als junge Frau (Foto: Rowohlt Berlin Verlag)

Rom im Jahr 1947

Wie etwa sein Wenderoman "Die Birnen von Ribbeck" (1991), der auf Fontanes berühmte Ballade "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" anspielt. Angesichts der aus dem Westen Deutschlands heranrollenden Vereinigungsprofiteure lässt er einen alten Mann das ganze Jahrhundert mit Blick auf den Birnbaum des Dorfes Revue passieren: Kaiserzeit, Nationalsozialismus, DDR. Eins seiner wichtigsten Bücher, wie Akademiepräsident Reichert findet, ebenso wie seine autobiografische Erzählung "Bildnis der Mutter als junge Frau": eine einfühlsame Liebesgeschichte verbunden mit einem Zeitbild Roms unter dem Eindruck des Krieges.

Menschenfreundlicher Chronist seiner Zeit

Klaus Reichert, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

Akademiepräsident Klaus Reichert

Aus dem aktiv sich einmischenden jungen Schriftsteller ist also ein Chronist seiner Zeit geworden. Als solcher wird Friedrich Christian Delius längst auch außerhalb Deutschlands geschätzt. Übersetzungen in 16 Sprachen belegen das sehr eindrucksvoll. Dabei gelinge es seiner souveränen Erzählkunst, so die Begründung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, "eine manchmal satirische Beobachtungsschärfe zu verbinden mit einer humanen Sensibilität, die seine Figuren oft decouvriert, aber nie denunziert". Dafür wird ihm am 29. Oktober 2011 in Darmstadt der Georg-Büchner-Preis verliehen.

Autorin: Gabriela Schaaf

Redaktion: Aya Bach

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