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Kultur

Büchner-Preis für Friedrich C. Delius

Es ist die wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland: der Georg-Büchner-Preis. Jetzt wurde der Schriftsteller Friedrich Christian Delius, der oft politische Themen aufgreift, in Darmstadt mit dem Preis geehrt.

Friedrich Christian Delius, Träger des diesjährigen Büchner-Preises (Foto: dapd)

Der Autor Friedrich Christian Delius

Der Dichter ist auf sich allein gestellt. Das betonte der Schrftsteller Friedrich Christian Delius, als er am Samstag (29.10.2011) die Auszeichnung entgegennahm. "Du kannst dich nur auf dich allein verlassen", sagte der 68-jährige Autor, der in Rom und Berlin lebt. "Was du sagen willst, musst du allein zu Papier bringen." Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hatte Delius als diesjährigen Preisträger ausgewählt.

"Kritisch, findig und erfinderisch"

Delius, der in seinen Texten oft politische und historische Themen aus Deutschlands Geschichte aufgreift, erforsche "kritisch, findig und erfinderisch" die Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert, hatte die Jury ihre diesjährige Entscheidung begründet. Der mit 50.000 Euro dotierte Büchner-Preis ist die bedeutendste Literaturauszeichnung in Deutschland. Sie wird an herausragende Schriftsteller vergeben, dieses Jahr zum 60. Mal.

Delius bei einer Lesung (Archivfoto: dpa)

Der Schriftsteller bei einer Autorenlesung

Die Laudatio für Delius hielt die Autorin Sibylle Lewitscharoff. "Obwohl Delius ein Achtundsechziger war, hat er doch die Klugheit besessen, sich parteilich davon nicht auffressen zu lassen", sagte Lewitscharoff. Als Chronist der Zeit habe er neuralgische Punkte der Bundesrepublik untersucht. Die Laudatorin erinnerte an das Buch "Ein Held der inneren Sicherheit", in dem Delius 1981 die Ermordung Hanns Martin Schleyers thematisierte. Der Preisträger habe mit seinen Arbeiten viel zur Demokratisierung der Bundesrepublik beigetragen.

Die von Delius 1999 verfasste Erzählung "Die Flatterzunge" wage sich auf das heikelste der heiklen Gebiete vor, sagte Lewitscharoff. Der Preisträger berichtet in dem Buch literarisch von einem tatsächlichen Vorfall 1997 in Tel Aviv, als ein Mitglied der Deutschen Oper Berlin in seinem Hotel einen Getränkebeleg mit "Adolf Hitler" unterzeichnete. "Delius hat mehr als nur ein heißes Eisen angefasst und dabei einen kühlen, sprich klugen Kopf bewahrt", sagte die Laudatorin.

"Ich schaue nicht weg, ich merke mir das"

In seiner Dankenrede entgegnete der Preisträger: "Das Alleinsein, die Einsamkeit, das Abstandhalten, die Meinungsvorsicht, der Zweifel, das Schweigen sind die ersten Voraussetzungen, um zu schreiben." Er unternehme mit dem Schreiben etwas, "ich schaue zu, ich schaue nicht weg, ich merke mir das, ich hebe das auf". Lebenskompetenz entstehe durch Lesekompetenz, betonte der Preisträger.

Der deutsche Dramatiker Georg Büchner

Georg Büchner

Und dann wurde Delius wie gewohnt politisch: "Seit die bürgerlichen Werte an den Finanzplätzen verschleudert werden, der Liberalismus zum Lobbyismus und zur Marktblödheit verkommt", kritisierte der Preisträger, "scheinen die Demokraten in feudalistische Zeiten zurückzutaumeln". Der Wettkampf zwischen Schwarmverhalten und Eigensinn sei gleichwohl noch nicht entschieden. "Wenigstens in der Literatur haben wir eines der frei zugänglichen und vergleichsweise krisenfesten Paradiese."

Akademie ehrte auch Günter de Bruyn

Wegen seiner "sprachkünstlerisch glanzvollen" Essays zur Kulturgeschichte Berlins verlieh die Akademie außerdem den Johann-Heinrich-Merck-Preis an den Berliner Autor Günter de Bruyn. Der 84-Jährige hatte wegen Krankheit nicht nach Darmstadt kommen können. Den Sigmund-Freud-Preis nahm der Historiker Arnold Esch entgegen. Die Akademie ehrte ihn für seine wissenschaftliche Prosa. Beide Preise sind mit 12.500 Euro dotiert.

Autor: Marko Langer (mit dapd, dpa)
Redaktion: Rainer Esser

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