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Kultur

Büchner-Preis für den Freund
schlichter Sprache

Kultur ist seine Mission - und zu deren Verbreitung ist ihm jedes Medium recht. Alexander Kluge, schreibender Filmemacher, nahm am Samstag (25.10.2003) den Georg-Büchner-Preis entgegen. Den "Literaten-Oscar" sozusagen.

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Alexander Kluge erhält den "Literatur-Oscar"

Der mit 40.000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis gilt als die angesehenste deutsche Literatur-Auszeichnung. Aber es ist beileibe nicht die erste Ehrung für Alexander Kluge: Der 71-Jährige wurde mehrmals mit dem Filmband in Gold und dem Löwen von San Marco ausgezeichnet, außerdem erhielt er mehrere Grimme-Preise.

Kultur-Produzent und Jahrhundert-Autor

Alexander Kluge gehörte Anfang der 1960er Jahre zu den Mitbegründern des "Neuen Deutschen Films" und produziert Kultursendungen fürs Privatfernsehen. Doch er kann noch mehr. Im Jahr 2000 erschien sein erzählerisches Gesamtwerk als zweibändige "Chronik der Gefühle" – und die Kritiker hatten ihr "Jahrhundertbuch" gefunden, mit einer gelungenen Mischung aus Erzählen, Erfinden und Reflektieren. Sein soeben erschienener Band "Die Lücke, die der Teufel läßt" sorgte für ein ähnlich begeistertes Echo.

In seinen Geschichten lässt Kluge es immer wieder spüren, dass man im Leben oft knapp am Happy End vorbeischrammt – weil man eine winzige Möglichkeit außer Acht lässt oder weil man Opfer einer gesellschaftlichen Katastrophe wird. Dass ein glücklicher Ausgang selten sicher ist, hat der Autor am eigenen Leib erfahren: Er wurde 1932 in Halberstadt geboren und erlebte im Zweiten Weltkrieg die Bombenangriffe auf die Stadt. Doch für Kluge ist es das "Urvertrauen" ins Glück, das dem Menschen nicht verloren geht und das ihn am Leben hält.

Ausschweifungen sind nicht seine Sache

Beim Schreiben ist Kluge kein Freund von blumiger Sprache. "Ich bin antirhetorisch", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". "Rhetorische Attitüden sind für mich des Teufels." Zuerst habe er so ausschweifend schreiben wollen wie Thomas Mann. "Aber das wurde nichts."

Kluge ist aber nicht nur als Erzähler bekannt geworden, sondern auch als Verfasser theoretischer Abhandlungen. Aber die schreibt er nicht allein: "Dafür suche ich mir immer einen Co-Autor", sagt Kluge. Er und der Soziologe Oscar Negt sind ein eingespieltes Team. Die beiden schrieben 1973 ihr erstes Buch zusammen: "Öffentlichkeit und Erfahrung". 2001 erschien "Geschichte und Eigensinn". Beide Titel fanden Leser vor allem unter rebellischen Studenten.

Buch und Film sind gleich viel wert

Das Buch ist für Kluge das reichste Medium. Über seine geschriebenen Werke fühlt er sich mit "vertrauenswürdigen Autoren aus mehr als 2000 Jahren" verbunden: "Das ist die größte Vernetzung, die ich kenne."

Dagegen ist das Filmen eher eine junge Kunst, "die ich aber genauso liebe", sagt Kluge. Der promovierte Jurist studierte unter anderem mit dem Philosophen Jürgen Habermas bei Theodor W. Adorno in Frankfurt am Main und machte ein Volontariat beim berühmten Regisseur Fritz Lang. Danach drehte er etwa 20 Filme – zu den international erfolgreichsten gehören "Abschied von gestern" (1966) und "Die Artisten in der Zirkuskuppel" (1968).

Keine Angst vorm Fernsehen

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen sah Kluge kein Problem darin, mit dem Fernsehen zusammenzuarbeiten – obwohl er von den Programmchefs anfangs als "Quotenkiller" und "elektronischer Wegelagerer" beschimpft wurde. Als 1984 das Privatfernsehen aus der Taufe gehoben wurde, erkämpfte sich Kluge mit seiner Münchener Produktionsfirma DCTP Sendezeiten bei RTL, VOX und Sat 1. "Heute ist das Fernsehen das Leitmedium", erklärt Kluge. "Bei Katastrophen wie am 11. September sehen die Menschen erst ins Fernsehen und dann aus dem Fenster. Deshalb will ich all das Bedeutende, das in der Kultur passiert, ins Fernsehen bringen."

Mit dem Erfolg seiner Kultursendungen hatte Kluge damals gerechnet – mit dem Georg-Büchner-Preis aber nicht: "Weil ich ihn die ganzen Jahre über nicht bekommen habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich aus dem Rennen bin." (reh)

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