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Kultur

Bücherwürmer und Banausen - die Deutschen als Leser

Die Leselust nimmt ab. Gleichzeitig erschienen noch nie so viele Bücher jährlich auf dem Markt. Und paradoxerweise wächst vor allem die Nachfrage nach Kinder- und Jugenbüchern.

Zwei Sechstklässler lesen in der Schulbibliothek. Foto: Frank May

Wer liest mehr: Jungs oder Mädchen?

Die Lage im Frankfurter Westend könnte kaum schöner sein: an einer Ecke mit großer, heller Glasfront, nur wenige Minuten zu Fuß von der Goethe-Universität entfernt. In der Nachbarschaft der Gründerzeitbauten kleine Cafés, Blumenläden, Designershops. Die Autorenbuchhandlung, wie sie sich nennt, weil sie 1979 von Autoren gegründet wurde, ist in der Buchmessenstadt Frankfurt eine Institution - seit nunmehr dreißig Jahren. Kaum verändert hat sich seitdem die Kundschaft, erzählt Geschäftsführerin Barbara Determann. Denn Schwerpunkt ist nach wie vor "das gute Buch".

Die Leselust nimmt ab


Jugendliche Comic-Leser auf der Leipziger Buchmesse

Trotzdem ein Hit: Comics

Auch wenn sie immer wieder totgesagt wird: Eine treue Leserschaft "guter" Bücher, wozu Barbara Determann durchaus auch unterhaltende Romane zählt, gibt es nach wie vor. Studien zufolge ist es dennoch eine Tatsache, dass ein Viertel aller Lesetüchtigen ab 14 Jahren aufwärts nie in ein Buch schaut. Als Leseratten hingegen, die jährlich über 50 Bücher, also ungefähr eins pro Woche, verschlingen, bezeichnen sich nur magere drei Prozent.

Jungen lesen noch weniger als Mädchen

Was wann von wem in welchen Mengen gelesen wird - darüber lässt sich nur spekulieren. Immer neue repräsentative Untersuchungen liefern aber Zahlen zu ausgewählten Aspekten. So heißt es zum Beispiel, dass speziell Jugendlichen die Lust am Lesen fehlt. 2008 ergab eine Umfrage, dass für ein Drittel der unter 12- bis 19jährigen das Internet unverzichtbar ist: Bei einem knappen Viertel war es der Computer - nur jedes zehnte Mädchen wollte auf Bücher nicht verzichten. Bei den Jungen lag der Anteil um fünf Prozent! Die alte Weisheit, je mehr die Eltern lesen, desto mehr tun es auch die Kinder, hat sich überlebt. Andererseits: Je weniger Kindern von Eltern oder Großeltern vorgelesen wird, desto weniger lesen Kinder später selbst. Und auch diese Tendenz ist steigend.

Das Buch nicht als Massenware

Eine Frau steht zwischen einem breiten Angebot an Fachliteratur in einer Berliner Buchhandlung

Masse ist nicht gleich Klasse

Trotzdem beobachtet Barbara Determan in ihrer Autorenbuchhandlung: "Der Bereich Kinder- und Jugendbuch ist der Bereich bei uns, der am meisten wächst. Wir haben in diesem Viertel hier viele junge Familien, aufstrebende junge und gebildet Menschen mit ihren Kindern. Sie kommen gerne hierher zum Bücherkaufen. Manchmal überlassen sie uns auch die Kinder, damit wir ihnen vorlesen und Bücher empfehlen, von denen wir denken, dass es ihnen gefallen würde."

Die meisten von Inhabern geführten Buchhandlungen wurden in Frankfurt - wie auch andernorts - längst von Filialisten verdrängt oder verschluckt. Das große Plus der speziellen "Sortimente", wie sie auch Barbara Determann pflegt, bleibt: Es wird auf einzelne Titel und nicht auf Massenware Wert gelegt.

Autorin: Kristine von Soden

Redaktion: Cornelia Rabitz

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