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Kultur

Bücher für alle!

Einmal im Jahr findet in den Niederlanden die traditionelle "Boekenweek" statt – die Bücherwoche. Auch in diesem Jahr steht Holland vom 12. bis 22. März regelrecht Kopf, wenn sich alles ums Thema Lesen dreht.

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Das platte Land liest

Während in Deutschland Eltern und Lehrer gleichermaßen jammern, es würde zu wenig gelesen, sind die Holländer schon ein Stückchen weiter: Lesen muss Spaß machen und in aller Munde sein! Man muss etwas für das Buch tun und das Lesen propagieren! Darum gibt es in den Niederlanden auch eine große Stiftung mit dem für sich sprechenden Namen "Stichting Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek". Diese Stiftung organisiert jedes Jahr im März die "Boekenweek", in der auch der dumpfste Nicht-Leser noch auf das Lesen gestoßen wird: Fernsehberichte, Plakate und Anzeigen überall, dazu keine Buchhandlung, die nicht besonders geschmückt wäre. Und es gibt sogar Buchgeschenke!

Das "Boekenweek"-Geschenk

Das "Boekenweek"-Geschenk ist ein schmales Büchlein, das extra zur Bücherwoche von einem bekannten niederländischen Autoren geschrieben wird. Mindestens 700.000 Exemplare werden davon gedruckt und – solange der Vorrat reicht – an jeden verschenkt, der innerhalb der zehn Tage dauernden Bücherwoche in einer Buchhandlung für wenigstens 11,11 Euro niederländischsprachige Bücher kauft. Da in den Niederlanden Bücher tendenziell teurer sind als in Deutschland, kommt man schon beim Kauf eines dünnen Buches leicht über diesen Betrag. Eine Auflage von 700.000 ist eine riesige Menge – vor allem für ein kleines Land wie die Niederlande. Rechnete man diese Auflage auf Deutschland um, käme man auf eine Auflage von weit über drei Millionen Exemplaren. Welchem Buch werden schon solche Verkaufszahlen zuteil?

In den vergangenen Jahren wurde das Buchgeschenk von namhaften Autoren wie Arnon Grunberg, Connie Palmen, Salman Rushdie und Anna Enquist geschrieben. Dieses Jahr fiel die Wahl auf den 37-jährigen Ronald Giphart. Sein Buch trägt den Titel "Gala" und handelt von der Frage, wie traurig eine Frau sein darf, wenn der Mann, mit dem sie ein geheimes Verhältnis unterhielt, plötzlich stirbt.

Leben und Tod

Dass es in dem Bücherwochengeschenk um den Tod geht, ist kein Zufall. Die niederländische Bücherwoche steht immer unter einem bestimmten Motto. Dieses Jahr lautet es "Styx - Leben und Tod in der Literatur". Styx ist der Fluss in der griechischen Mythologie, der das Reich der Lebenden von dem der Toten scheidet. Vor schwerwiegenden Themen hat sich die "Stichting Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek" noch nie gedrückt. Mehr noch: Sie sucht das Gehaltvolle geradezu und sieht auch eine Chance in der Popularität der Bücherwoche, gerade junge Leser mit älterer, gar mythologischer Literatur bekannt zu machen.

Am alljährlichen Motto der Bücherwoche orientieren sich auch die vier Essays, die wie jedes Jahr extra zur Bücherwoche herausgegeben werden. Boudewijn Büch, Kristien Hemmerechts, Bert Keizer und Nico ter Linden nähern sich in ihren Essays, die sowohl einzeln als auch zusammen in einer kleinen Box überall verkauft werden, dem Thema Tod auf ganz unterschiedliche Weise.

Die Bücherwoche ist überall

Niemand entgeht in den Niederlanden der Bücherwoche: In Buchhandlungen, Bibliotheken und Schulen – überall werden Lesungen und Signierstunden gegeben. Die niederländischen Schriftsteller absolvieren geradezu einen literarischen Marathon. Hinzu kommen Literatur-Magazine extra zur "Boekenweek" (wie beispielsweise "De Gids"), Buchquiz-Hefte, die an jeden Bibliotheksbesucher verschenkt werden, und auch Parties. In den Niederlanden ist man mit der "Boekenweek" aufgewachsen; sie findet inzwischen zum 68. Mal statt und gehört zur Tradition. So etwas fehlt in Deutschland - leider.

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