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Politik

Böses Frühlingserwachen

Eigentlich sind die Frühlingsferien in den USA zum Erholen gedacht. Doch während des ein- bis zweiwöchigen Spring Break der Unis lassen es viele amerikanische Studenten so richtig krachen.

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Rund eine Million Studenten reisen zum Spring Break an wärmere Plätze innerhalb oder außerhalb der USA. Als Inlandsziele hoch im Kurs stehen die in Florida gelegenen Orte Daytona Beach und Panama Beach sowie South Padre Island in Texas. Doch gerade jüngere Studenten entscheiden sich häufiger für einen Kurztrip ins mexikanische Cancun. Im Nachbarland darf schließlich schon ab einem Alter von 18 Jahren Alkohol getrunken werden, was in den USA erst ab 21 Jahren erlaubt ist.

Weit entfernt vom Elternhaus kontrolliert hier niemand genau, was die Mädchen und Jungs an der Theke bestellen. Und so pilgern die jungen Studenten von einer Fete zur nächsten und ordern an den Bars alkoholische Getränke im Übermaß. Wen es nach einigen Cocktails nicht mehr auf den Beinen hält, findet mit dem richtigen Instinkt oder der tatkräftigen Hilfe eines Trinkkollegen noch den Weg ins eigene Hotelbett. Andere junge Studenten wachen am nächsten Morgen mit einem Kater am Strand zwischen Palmen auf – oder in einem fremden Bett.

Freizügige Outfits hoch im Kurs

Wer sich bei den Frühlings-Partys freizügig gibt, findet schnell viele Bewunderer. Bei den „Wet-T-Shirt“- oder Bikini-Wettbewerben der Frauen liefern sich die männlichen Touristen einen Kampf um die Plätze in der ersten Reihe. Und bei den Strandpartys und in den Diskotheken lautet die Kleiderordnung: Je weniger desto besser. Wer sich inmitten der Spaßgesellschaft dezent kleidet, wird oft als verklemmt abgestempelt.

Viele Studenten sind tagelang auf der Suche nach dem ultimativen Kick. Hochprozentige Spirituosen sind an den Stränden ein Verkaufsrenner. Einige Urlauber greifen sogar zu Drogen – und können sich am nächsten Morgen nur noch bruchstückhaft an den letzten Abend erinnern.

„Alles inklusive“

Viele Reiseunternehmer und Partyveranstalter haben vor dem Spring Break wochenlang aggressiv um junge Studenten geworben – per E-Mail, Flugblatt oder im Internet. „Alles inklusive“ lautete das Zauberwort. Der Jugendliche wird per Flieger zum Urlaubsort gebracht, dort winkt ihm ein günstiger Schlafplatz im Mehrbettzimmer. Und schließlich darf der Heranwachsende sich in der hoteleigenen Bar noch mit Getränken eindecken.

Doch für einige Studenten kommt nach der zweiten durchzechten Nacht das böse Frühlingserwachen. Sie haben die Nase voll vom Dauerfeiern und sehnen sich insgeheim schon nach dem gemütlichen Bett im Elternhaus oder Studentenwohnheim. Aber es gibt kein Zurück mehr: Das Hotelzimmer ist für die komplette Woche gebucht. Und niemand will sich vor der eigenen Clique die Blöße geben und sich als Partyverweigerer aus dem Staub machen.

Einige Studenten haben den Weg zu den Spring-Break-Metropolen erst gar nicht angetreten. Sie verzichten aufs Feiern und reisen stattdessen mit einem Rucksack bepackt für ein paar Tage in Krisenregionen. Viele amerikanische Jugendliche haben sich in diesem Jahr für eine Tour in das vom Hurrikan Katrina getroffene New Orleans entschieden. Sie sprechen geschädigten Einwohnern Mut zu und helfen tatkräftig beim Aufbau der Stadt mit - fernab von der Spaßgesellschaft.