1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Böser Brief für Bush

Die USA stehen international allein im Wind, und schuld ist Präsident Bush. Das schreiben zumindest Ex-Diplomaten und Militärs in einem Offenen Brief. Nach Experten-Einschätzung muss Bush deswegen aber keine Angst haben.

default

Die Diplomaten-Schelte dürfte den Präsidenten kaum ärgern

Die Gruppe nennt sich "Diplomaten und Militärkommandeure für den Wechsel" und hat 26 Mitglieder. Zu den Unterzeichnern des Offenen Briefs gehören hochrangige Diplomaten, die unter früheren Präsidenten im Dienst waren: zum Beispiel John F. Matlock Jr., US-Botschafter in der Sowjetunion zu Zeiten Ronald Reagans. Oder William Harrop, Botschafter in Israel unter Bushs Vater.

Auch Ex-Militärs haben sich dem Protest angeschlossen - etwa Joseph P. Hoar, Kommandeur der US-Streitkräfte im Nahen Osten unter Bush senior. Sie alle kritisieren George W. Bush: "Wir sind entsetzt, wie die Beziehungen, für die wir uns so hart eingesetzt haben, durch das Verhalten dieser Regierung zerstört worden sind", schimpft Matlock. Und in dem Dokument steht: "Niemals in den zweieinviertel Jahrhunderten unserer Geschichte waren die Vereinigten Staaten so isoliert, so gefürchtet und wurden mit so viel Misstrauen betrachtet."

Der Wähler denkt eher lokal

Deftige Worte, gerade vor der Präsidentenwahl. Aber kann der Brief Bush ernsthaft erschüttern? Nein, meint Dr. Bernhard May, bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik zuständig fürs Transatlantische Programm: "Innerhalb Washingtons ist das schon eine Sache, wenn erfahrene Leute so einen Brief schreiben und das auch noch öffentlich machen. Das ist ungewöhnlich." Aber: "Der typische amerikanische Wähler interessiert sich für was anderes."

Denn in den meisten Staaten seien eher lokale Themen die Stimmenfänger. "In Kalifornien und Texas zum Beispiel wird man sowieso kaum Wahlkampf haben, da ist alles entschieden", erklärt May gegenüber DW-WORLD. "Und in Iowa wollen die Menschen lieber wissen, ob ihr Gen-Mais nach Europa exportiert werden darf."

Welcher Kandidat? Am liebsten beide

Natürlich sei der Diplomaten-Brief eine weitere schlechte Nachricht für den Präsidenten, sagt May. Doch politisch könne er Bush wohl kaum das Rückgrat brechen. Denn der punkte zum Beispiel mit Wirtschaftswachstum: "Die Leute werden im September ein höheres Einkommen haben", erklärt der USA-Experte.

John Kerry hält Rede an der Ohio State University

Die Unterzeichner des Briefs unterstützen Bushs Gegenkandidaten Kerry nicht explizit

Und: Bushs Gegenkandidat John Kerry sei zwar ein Mensch, der Republikaner und Demokraten am ehesten vereinen könnte. Aber gefragt seien auch Politiker, "die entscheiden und durchsetzen, wie Bush". May folgert daraus: "Die Bevölkerung möchte eigentlich Bush und Kerry gemeinsam im Weißen Haus haben."

Deutlich, aber überzogen

Den Inhalt des Briefes findet May zu einseitig. "Ich verstehe, dass diese Herren so deutliche Worte gewählt haben. Aber faktisch schießen sie übers Ziel hinaus."

Der Vorwurf, die USA seien nie so isoliert gewesen wie jetzt, greife nicht. "In den 80er Jahren haben Bundeskanzler Schmidt und Präsident Carter auch jahrelang nicht miteinander gesprochen."

Außerdem seien die USA international so verflochten, dass sie sich gar nicht zurückziehen könnten. Zwar habe es dunkle Wolken über den transatlantischen Beziehungen gegeben, und die Vereinigten Staaten hätten tatsächlich - wie es im Brief heißt - enge Alliierte verschreckt, sagt May. "Aber die Krise ist überwunden". Die Bush-Männer hätten sich in den letzten vier, fünf Monaten auf Europa zubewegt.

Der Politik-Experte May schätzt die Chancen für Bush und Kerry derzeit auf 50:50, egal ob mit oder ohne Diplomaten-Schelte: "Ein Brief von vielleicht zu Recht verärgerten Diplomaten - aber eine Analyse war das nicht."

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links