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Wirtschaft

Böse Überraschungen auf dem Hypothekenmarkt möglich

Probleme im US-Hypothekengeschäft setzen die Finanzmärkte auf der ganzen Welt unter Druck. Niemand weiß genau, wie stark sich die Krise noch ausweiten wird. Die deutschen Banken sehen aber keinen Grund zur Panik.

Schilder weisen auf Hausverkäufe in den USA hin, Quelle: AP

Sinkende Preise, steigende Zinsen:
Hausverkauf in den USA

Wie eine dunkle Wolke überschatten Probleme auf dem US-Hypothekenmarkt seit Wochen die Finanzwelt. Von Amerika bis Australien häufen sich die Fälle von Schieflagen bei Finanzhäusern. Die Börsen reagierten mit teils massiven Kursverlusten. In Deutschland konnten stärkere Turbulenzen im Bankensystem wohl nur durch eine ungewöhnliche Rettungsaktion für die Mittelstandsbank IKB verhindert werden.

Risikoreiche Kredite

Die Krise begann vor Wochen in den USA und ist nach Ansicht von Experten hausgemacht. Finanzinstitute und Privatanleger hatten den US-Immobilienboom mit Krediten und Wertpapierkäufen mitfinanziert, um höhere Renditen zu erzielen. Dabei achteten sie oft nicht auf die Kreditrisiken. Angesichts sinkender Immobilienpreise und steigender Zinsen können nun immer mehr Schuldner ihre Hypotheken nicht zahlen. Banken, die Geld an finanzschwache Verbraucher verliehen hatten, sitzen damit auf faulen Krediten.

Zunächst gerieten Unternehmen in Schieflage, die sich auf den so genannten Subprime-Markt, der Kunden mit zweifelhafter Bonität mit Krediten versorgt, spezialisiert hatten. Aber diese Kredite wurden an Banken über Derivate und Hedge-Fonds weitergereicht, so dass heute niemand genau weiß, wo die eigentlichen Risiken liegen. Schließlich griff die Krise auf Geldinstitute über, die "normale" Hypothekenkredite vergeben. Jüngstes Beispiel ist die riesige American Home Mortgage Investment Corp. Der Bank fehlen 800 Millionen Dollar, von 7000 Mitarbeitern sollen nur 750 bleiben. Insgesamt haben in den USA rund 50 Hypothekenkredit-Firmen dichtgemacht. Viele andere haben die Geldvergabe an Hauskäufer mangels neuer Mittel ganz gestoppt.

Ungewöhnliche Rettungsaktion

Zentrale der Deutschen Industriebank IKB, Quelle: AP

Im Sog der Schuldner: die IKB

Durch die internationale Verflechtung der Finanzwelt hat die Krise längst auch Deutschland erreicht. Erstes Opfer war die Mittelstandsbank IKB Deutsche Industriebank, die sich mit ihrem Fonds Rhineland Funding im Geschäft mit zahlungsschwachen US-Schuldnern engagiert hatte. Die staatliche Förderbank KfW, Hauptaktionär der IKB, räumte der Bank eine Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro ein. Darüber hinaus sind die Bankenverbände bereit, bis zu 3,5 Milliarden Euro der etwaigen Verluste der IKB aufzufangen. Eine ungewöhnliche Rettungsaktion, die die Besorgnis der Finanzwelt zeigt.

Trotzdem haben Investoren das Vertrauen in die IKB verloren. Ihr Börsenwert hat sich binnen einer Woche halbiert. Noch vor Tagen hatte der Vorstand erklärt, das Engagement in den riskanten Geschäften sei gering. Zum Wochenbeginn (30.7.) musste die Bank dann eine Gewinnwarnung herausgeben, Vorstandschef Stefan Ortseifen trat zurück. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erwägt Zivilklagen, die IKB selbst lässt durch die Staatsanwaltschaft mögliche Straftaten prüfen.

Nachhaltige Klimaveränderung

Andere prominente Verlierer der Hypotheken-Krise sind laut "Financial Times Deutschland" ABN Amro, die Citigroup, Goldmann Sachs, HSBC, JP Morgan Chase und UBS. Deshalb dürften die jüngsten Entwicklungen das Klima auf dem Finanzmarkt nachhaltig verändern. Die geringere Risikofreudigkeit der Anleger erschwert es nun Hedge-Fonds und Investmentfirmen, neue Kredite zu bekommen, mit denen sie auf Pump Unternehmen kaufen.

Möglicherweise werden sogar deutsche Häuslebauer wegen der Probleme der Mittelstandsbank IKB künftig höhere Hypothekenzinsen zahlen müssen. Diese Möglichkeit sollten sie bei der Finanzierung in Betracht ziehen, riet der Bankenexperte Wolfgang Gerke im ZDF.

Aktienmärkte unter Druck

Menschen vor einer Berliner Bank, 1931, Quelle: AP

Kein Grund zur Panik: die Bankenkrise von 1931 wird sich wohl nicht wiederholen

Der deutschen Kreditwirtschaft droht aber nach Aussage des Bankenverbandes keine akute Gefahr. Deutsche Bank, Commerzbank und Allianz erklärten übereinstimmend, ausreichend gegen Risiken im US-Hypothekenmarkt abgesichert zu sein. Die Hypo Real Estate, deren Aktie nach Gerüchten um mögliche Probleme um sieben Prozent abgestürzt war, betonte, ihr US-Geschäft habe keinen direkten Bezug zum kriselnden Subprime-Segment.

Die Krise im Bankensektor setzt weltweit die Aktienmärkte unter Druck. Seit Mitte Juli hat der DAX bis zu 750 Punkte verloren. Tiefpunkt war der vergangene Montag, als das Börsenbarometer bis auf knapp unter 7400 Punkte einbrach. Andere Europäische Aktienindizes gaben ebenfalls nach.

"Negative Überraschungen nicht auszuschließen"

Die Krise wird den deutschen Aktienmarkt wohl auch in der kommenden Woche in Atem halten. "Da wird es den Unternehmen schwer fallen selbst mit extrem positiven Zahlen dagegen zu halten", sagt Marktstratege Achim Matzke von der Commerzbank. "Die Abwärtsspirale kann jeden Moment wieder in Gang gesetzt werden", warnt ein Händler. Die Frage sei nun, welche Banken noch betroffen sind, meint Matzke. "Da ist auch die eine oder andere negative Überraschung von den Banken aus den USA nicht auszuschließen." (sdi)

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