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Wirtschaft

Börsengang in bewegten Zeiten

Der Kölner Außenwerber Ströer ist seit Donnerstag an der Börse im Prime Standard notiert. Ströer ist Branchenprimus in Deutschland und mittlerweile in vielen anderen europäischen Länder aktiv.

Die Konzernzentrale der Außenwerbe-Firma Ströer in Köln (Foto: Ströer)

Ströer-Konzernzentrale in Köln

In ganz Europa wagen sich Unternehmen wieder an die Börse - außer in Deutschland. Von April bis Juni gab es einer Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge in Europa 89 Börsengänge, bei denen die Unternehmen über neun Milliarden Euro einnahmen. Das drittgrößte "Initial Public Offering" in Deutschland - kurz IPO genannt - , bei dem ein Unternehmen Aktien ausgibt und somit für frisches Kapital sorgt, hat jetzt der Kölner Außenwerber Ströer gewagt. Dass es an den Börsen in den letzten Wochen und Monaten heftig rauf und runter ging, das hat die Kölner nicht davon abgehalten. Vorstandschef Udo Müller findet den Zeitpunkt richtig. Gerade die letzte Börsenwoche sei sehr gut gelaufen, das habe noch einmal Rückenwind gegeben. "Aber unabhängig davon sind qualitativ gute Assets auch in volatilen Zeiten gefragt", so Müller.

Der drittgrößte Börsengang in diesem Jahr

Ströer-Vorstandschef Udo Müller (Foto: Ströer)

Mit Zuversicht an die Börse: Ströer-Vorstandschef Udo Müller

Udo Müller ist in den letzten Wochen durch die Büros großer Fonds und Versicherer getourt, um Zeichner für die geplante Kapitalerhöhung zu gewinnen. Die Resonanz sei stets positiv gewesen, sagt Müller. Das Außenwerbeunternehmen hat den Ausgabepreis für seine Aktien auf 20 Euro je Anteilsschein festgelegt und will einen Emissionserlös von rund 400 Millionen Euro erzielen. Damit ist Ströer der drittgrößte Neuzugang in Frankfurt in diesem Jahr. Zum Vergleich: Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland und der Chemiehändler Brenntag hatten bei ihren IPOs kurz vor Ostern jeweils über 700 Millionen eingenommen.

Das frische Kapital, das Ströer durch den Börsengang zur Verfügung steht, soll für weitere Zukäufe genutzt werden, sagt Finanzvorstand Alfried Bührdel: "Das Kapital, das wir aufnehmen, wollen wir verwenden für die Erhöhung unserer Anteile in unserem türkischen Tochterunternehmen. Die Türkei ist für uns ein sehr interessanter Wachstumsmarkt." In Polen werde Ströer darüber hinaus die neue Akquisition News Outdoor Poland abschließen. Der Rest solle zur Schuldentilgung zur Verfügung stehen, so Bührdel.

Die Zukunft gehört der elektronischen Außenwerbung

Das Bild zeigt ein Mega-Light-Außenwerbung der Firma Ströer in einer Großstadt (Foto: Ströer)

Diese Riesentafeln wird es künftig häufiger in deutschen Städten geben

Ströer ist in Deutschland der größte Anbieter von so genannter Außenwerbung. Dabei handelt es sich um Werbung, die einem "draußen begegnet": Plakate auf Litfaß-Säulen, Leuchtreklame an Haltestellen oder Werbespots auf Großbildschirmen. In deutschen Städten und Gemeinden verfügt Ströer derzeit über 230.000 Werbeflächen, in Europa sind es 280.000. In der Türkei und in Polen ist Stöer ebenfalls die Nummer Eins.

Die gute alte Litfaßsäule bleibt erhalten

Zwei Litfaßsäulen in Berlin (Foto: dapa)

Litfaßsäulen gehören in Deutschland zum Bild einer Stadt

Die Zukunft gehört nach Ansicht von Udo Müller den elektronischen Außenwerbe-Medien. Dazu gehören beispielsweise die so genannten City-Lights oder Mega-Lights. Sie sind mitten im Herzen der Städte, an Verkehrsknotenpunkten, in Fußgängerzonen oder an Bushaltestellen zu sehen. Positioniert an stark frequentierten Standorten sorgen sie quer zum Verkehr stehend für beste Reichweiten und Kontakte. Die Plakate werden in Glasvitrinen aufgehängt und hinterleuchtet. In zahlreichen Vitrinen tauschen Wechselanlagen die Motive in regelmäßigen Abständen automatisch aus: "Wir werden im Laufe des Jahres auch ein Netz von digitalen Werbeflächen in Deutschland ausrollen, weil der Bedarf an bewegten Bildern sehr stark zunimmt in den letzten Jahren", sagt Udo Müller.

Zur Produktpalette gehören außerdem so genannte Blow-ups, das sind Riesenposter, die von Hochhausfassaden herabhängen. Allerdings, die gute alte Litfaßsäule, also die Anschlagssäule für Werbezwecke, die 1855 der Drucker und Buchhändler Ernst Litfaß zum ersten Mal in Berlin aufstellte, die, so bekräftigt Udo Müller, hat noch längst nicht ausgedient: "Die wird es sicherlich noch geben, in der Bedeutung zwar etwas zurückgehen aber unverändert ist das ein attraktiver Werbeträger." Und der ist gerade mitten in den Großstädten häufig zu sehen.

Autor: Monika Lohmüller

Redaktion: Rolf Wenkel