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Wirtschaft

Börsenfusion nimmt weitere Hürde

Die Börsen in Frankfurt und London wollen zusammenwachsen. Nachdem die Mehrheit an der Themse steht, signalisieren auch die Frankfurter Aktionäre ihre Bereitschaft. Doch nun nimmt der Widerstand an anderer Stelle zu.

Die Deutsche Börse kommt der geplanten Fusion mit der Londoner Börse LSE ein Stück näher. 53 Prozent der Aktionäre boten bisher ihre Anteilsscheine zum Umtausch in Papiere eines fusionierten Unternehmens an, wie das Unternehmen mitteilte.

Um die Zustimmung der eigenen Eigentümer zu sichern, hatte der Dax-Konzern Anfang der Woche kurzfristig die Messlatte weiter gesenkt. So soll das milliardenschwere Fusionsvorhaben weiter betrieben werden, wenn zumindest 60 Prozent der Aktionäre das Angebot annehmen. Ursprünglich lag die geforderte Quote bei 75 Prozent. Außerdem hatte die Frankfurter Börse die Frist zum Umtausch der Papiere um zwei Wochen bis zum 26. Juli verlängert. Erreicht es die Hürde nicht, ist der Deal geplatzt. Allerdings ist es üblich, dass sich ein Großteil der Investoren erst auf den letzten Metern entscheidet.

Knackpunkt Firmensitz

Die größte Hürde für die Börsen-Fusion ist nach wie vor die Zustimmung der Aufsichtsbehörden - allen voran der hessischen Börsenaufsicht und der EU-Kommission. Gerade das Bundesland Hessen hat großes Interesse daran, dass der Firmensitz nicht wie bisher geplant in London, sondern in Frankfurt liegt. Durch das Brexit-Votum hat sich die Ausgangslage der Fusion verändert. Die Deutsche Börse spricht laut Agenturangaben deshalb bereits mit der LSE über eine Verlagerung des Firmensitzes in die EU oder über die Schaffung eines doppelten Firmensitzes.

Großbritannien Börse in London davor ein Mann mit einem Großbritannien-Schirm (Foto: © Reuters/T. Melville)

Wo soll der Firmensitz des fusionierten Unternehmens sein? Gegen London spricht der Brexit

Rückenwind bekam die Frankfurter Börse vom Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. "Es mag zunächst bizarr klingen, aber ein solcher Zusammenschluss macht nach dem Referendum wirtschaftlich noch mehr Sinn", so Dombret laut Redetext einer Veranstaltung am Mittwoch. Wenn Großbritannien die EU verlasse, seien Brücken zwischen den Volkswirtschaften wichtiger denn je. "Die angekündigte Fusion zwischen LSE und Deutscher Börse hat das Potenzial, eine solche Brücke zu werden."

Angst vor Vormachtstellung

Dafür wächst an ganz anderer Stelle Widerstand. So haben sich Portugal und Belgien in einem Brief an die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager gerichtet. Darin sprechen sie sich gegen einen Zusammenschluss aus. "Eine derartige Konzentration von Handel und dazugehörigen Dienstleistungen ist eine klare Gefahr für den Wettbewerb", warnte Portugals Finanzminister Mario Centeno.

Der Zusammenschluss gefährde auch die Tragfähigkeit mehrerer europäischer Börsen, schrieb der portugiesische Finanzminister weiter. Die EU-Kommission könne diese Verzerrung des Marktes verhindern. Nach Informationen einer Sprecherin von Centeros Ministerium, habe auch Frankreich ähnliche Bedenken.

Der belgische Finanzminister Johan Van Overtveldt äußerte in einem Brief vom Montag seine Sorge um den Kapitalmarktzugang für kleinere und mittelgroße Unternehmen in seinem Land, sollte es zu der Fusion kommen. "Daraus entstünde ein sehr dominierender Marktteilnehmer, der kleineren Handelsplätzen wie der Euronext Brüssel Liquidität entzieht." Eine Konzentration des Handels und der Euro-Abwicklung sei möglicherweise auch schädlich für die Finanzstabilität in Europa.

Die Börsen in Lissabon und Brüssel gehören - wie Paris und Amsterdam - zur französischen Euronext, die gegenüber einer deutsch-britischen Börse noch stärker ins Hintertreffen geraten würde. So ist der Kurs der Euronext-Aktie ist in diesem Jahr bereits um ein Drittel eingebrochen.

nm/uh (dpa, rtr,)