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Wirtschaft

Börsencrashs gab es schon immer

An den Weltfinanzmärkten geht es derzeit turbulent zu. Das ist im Grunde nichts Neues. Schon im 17. Jahrhundert sorgte eine Krise um Tulpenzwiebeln für erhebliche Verwerfungen und brachte Menschen um ihr Hab und Gut.

Tulpen mit hängenden Blüten (Foto: dpa)

Seit die Menschen Geld in der Hand halten, gibt es Spekulationen und auch Börsencrashs. Dazu gehört beispielsweise die Tulpenkrise im 17. Jahrhundert in Holland. Unkontrollierte Geschäftemacherei und Gier ließen abertausende Menschen, die auf Tulpenzwiebeln gesetzt hatten, in die Armut stürzen. Der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser von der Universität Bielefeld kennt sie alle, die spektakulären, großen Verwerfungen der Vergangenheit.

Banker vor Bildschirmen an der Tokioter Börse (Foto: AP)

2008 gab es Turbulenzen an der Börse in Tokio

Abelshauser kann Dutzende Krisen aus der jüngeren Geschichte nennen. Etwa die der "Japan AG" 1990: Damals sorgten riesige Mengen fauler Hypothekenkredite für eine langanhaltende Rezession. Oder auch der Zusammenbruch des schwedischen Sozialmodells in der Finanzkrise von 1991/92. "Ein paar Jahre später kam dann die so genannte Asien-Krise, die die Tiger- und Panther-Staaten betroffen hat", zählt Abelshauser weiter auf, "dann noch einmal eine Japan-Krise und schließlich die Dotcom-Krise um die Jahrhundertwende". Das seien in relativ kurzer Abfolge Finanzkrisen gewesen, an die sich manche gar nicht mehr erinnerten, so der Wirtschaftshistoriker.

Eine Krise von vielen

Für Abelshauser ist die derzeitige Krise daher eine von vielen, die weltweit Auswirkungen zeigt. Das habe etwas mit der Globalisierung zu tun, mit der Verflechtung der weltweiten Finanzmärkte. Und dies sei keineswegs ein Phänomen dieses Jahrhunderts, sagt Abelshauser. Er erinnert in diesem Zusammenhang an einen beispiellosen Gründer- und Kreditboom, der 1873 dazu führte, dass in Wien eine der größten europäischen Banken ihr Börsengeschäft einstellen musste: "Seit wir die Globalisierung haben - und das ist bereits im 19. Jahrhundert eingetreten - hat ein Crash an einem Finanzzentrum weltweit Folgen. So hat etwa der Crash in Wien 1873 den Crash in Berlin ausgelöst und der hat den Crash in New York ausgelöst."

Zum ersten Mal allerdings seien jetzt auch die Staaten in die Krise an den Finanzmärkten verwickelt. Und nun sei ihre Handlungsfähigkeit begrenzt, weil sie bereits hoch verschuldet seien: "Die Finanzmarktkrise von 2008 wurde ja relativ souverän und erfolgreich von den Nationalstaaten unter Kontrolle gebracht - durch die so genannte Bankenrettung. Dadurch hat aber der Staat sich selbst eine Blöße gegeben, in dem er das Maß der Verschuldung gewaltig gesteigert hat." Und jetzt gebe es das Problem, so Abelshauser, dass der Staat nicht mehr mit derselben Glaubwürdigkeit intervenieren könne. "Und von daher ist die Krise jetzt auf einer zweiten Stufe. Auch die Staaten werden in das Misstrauen der Anleger einbezogen."

Die Märkte müssen gezügelt werden

Professor Werner Abelshauser (Foto: dpa)

Professor Werner Abelshauser

Dass die Staaten nun mit im Krisenboot sitzen liege auch daran, dass die Finanzmärkte in den letzten Jahrzehnten eine unglaubliche Dynamik entwickelt hätten. Die Märkte, so Abelshauser, müssten gezügelt, Grenzen für spekulative Geschäfte aufgezeigt werden. Wenn eine Selbstverpflichtung nicht zustande komme, müssten die Regierungen handeln. Abelshauser erinnert an 1980, als der Weltwirtschaftsgipfel der G7 in Venedig stattfand. Dort habe es einen Vorstoß des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) gegeben. Der habe darauf hingewiesen, dass das zunehmende "vagabundierende Kapital" auf dem Weltmarkt immer gefährlicher werde. "Und deshalb hat er vorgeschlagen, dass die G7 etwas zur Kontrolle dieses Kapitals auf den Märkten unternehmen." Ein Arbeitsausschuss sei damals gegründet worden.

Die Aktienmärkte haben während der jüngsten Turbulenzen innerhalb einer Woche über 2,5 Billionen Dollar an Wert verloren. Eine gigantische Summe. Aber auch das sei kein neues Phänomen, sagt Abelshauser. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den 19. Oktober 1987, als der Dow Jones den größten Tagesverlust in der Geschichte verzeichnete. "Wir hatten zum Beispiel 1987 an einem Tag einen Verlust von 22 Prozent des Börsenvolumens weltweit. Das war der so genannte 'Schwarze Montag', den haben wir inzwischen fast wieder vergessen." Der Grund für die Tubulenzen damals war eine Verkettung computergesteuerter Verkaufsorder: "Das hatten wir vor einiger Zeit wieder einmal. Dann spielen die Algorithmen einfach verrückt."

Autorin: Monika Lohmüller
Redaktion: Henrik Böhme

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