Börsenchaos - War da was? | Wirtschaft | DW | 12.02.2018
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Aktienmärkte

Börsenchaos - War da was?

Karneval in Deutschland, die Börsen können gute Stimmung gebrauchen, nach der letzten Krisenwoche. Der DAX schloss Montag mit 1,4 Prozent im Plus, die asiatischen Märkte legten zu. Was also war da los letzte Woche?

Die heftigen Schwankungen an den Finanzmärkten gingen bis Ende der vergangenen Wochen weiter. Börsianer werten das als den Beginn einer Umschichtung des Kapitals von Aktien in Anleihen – zumindest in den USA. Der Auslöser waren gute Konjunkturnachrichten in den USA, die waren sozusagen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Denn da wurde den Anlegern endgültig klar, wie gut es der Wirtschaft in den USA geht, so gut nämlich, dass die Geldpolitik dort nun die Zügel noch etwas straffer ziehen könnte.

Die Anleger befürchteten nun also, dass die Zinsen schneller steigen als erwartet, erklärt Stefan Scharfetter, Aktienhändler der Baader Bank. "Dann tritt ein Automatismus ein, dass man sich aus den Aktienmärkten verabschiedet und in die Rentenmärkte hineingeht." Denn dort bekomme man dann wieder vernünftige Zinsen. "Es findet hier eine Umschichtung des Kapitals statt, und das sind jetzt die ersten Vorboten dazu", sagt der langjährige Händler. Es seien viel mehr Verkäufer als Käufer im Markt. Hinzu kommen die automatischen Handelssysteme: Die leiten automatisch Verkäufe von Aktien ein, wenn bestimmte Schwellen unterschritten werden. Das verstärkt den Abwärtstrend.

USA Wall Street Börse New York (Imago/UPI Photo)

Umschichtung des Kapitals?

Risiken ausgeblendet

Die Anleger hätten sich offenbar auch wohlgefühlt mit der Lage an den Aktienmärkten, glaubt Stefan Scheurer, Kapitalmarktexperte der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI). Die Volatilität, also die Schwankungsanfälligkeit, sei "extrem niedrig" gewesen. Man habe die Risiken ausgeblendet. Deshalb hält er die Reaktion der Märkte in den letzten Tagen eher für gesund.

Tatsächlich waren die Aktienmärkte vor allem in den USA seit Wochen wie entfesselt, vor allem seitdem klar war, dass die Steuerreform in den USA nun doch umgesetzt wird. Auf die hatten Anleger schon Ende vergangenen Jahres gewettet, waren dann aber zwischenzeitlich enttäuscht. Nun aber seien die Aktien in den USA sehr hoch bewertet, sagt Scheurer von der AGI. Das werde nun korrigiert. In Europa sieht er die Bewertung noch im normalen Bereich. 

Dass die europäischen Märkte dennoch nervös sind, liege zum einen daran, dass die amerikanischen Investoren jetzt aus europäischen und auch deutschen Aktien herausgingen, sagen Händler. Hinzu kommt die berühmte Börsenpsychologie: "Wenn Anleger unsicher sind, den Trend nicht mehr klar erkennen können, dann werden sie nervös und sichern sich mit Optionen gegen unerwartete Ereignisse ab", erklärt Manfred Hübner, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Sentix, das die Beweggründe für das Handeln der Börsianer erforscht. Diese Unsicherheit sei ausgelöst durch die dann doch überraschend heftigen Reaktionen an der amerikanischen Börse zu Beginn der letzten Woche.

Frankfurt Dax-Konzerne im Aufwind (picture-alliance/dpa/C. Schmidt)

Enttäuschung in Frankfurt?

Konjunkturumfeld gut

Die Nervosität auch am deutschen Aktienmarkt führt Hübner darauf zurück, dass die Finanzmärkte enttäuscht waren von der schleppenden Regierungsbildung und den Plänen der wahrscheinlichen Neuauflage der großen Koalition. Zu viel Regulierung schwäche auf Dauer die Wirtschaft. Doch fundamental stünden die europäischen Finanzmärkte besser da, meint Kapitalmarktexperte Stefan Scheurer von der AGI. Denn die Risikoaufschläge im Sektor der Unternehmensanleihen hätten sich wenig bewegt, die Realzinsen seien weiter niedrig und stützten die Konjunktur.

Und anders als in den USA sei die Geldpolitik hier noch recht locker, das Konjunkturumfeld noch gut. So haben zwar einige die Kurse einiger Aktiengesellschaften in dieser Woche gelitten, freuen kann sich jedoch die Deutsche Börse: Sie verdient an starken Schwankungen, denn dann wird an den Märkten kräftig gehandelt. Und das kommt ihrem Geschäft zugute – im Aktienkurs ist das abzulesen.

 

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