Börsenbeben reißt Dax unter 10.000 Punkte | Wirtschaft | DW | 07.01.2016
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Wirtschaft

Börsenbeben reißt Dax unter 10.000 Punkte

Diesen Jahresanfang dürften die Anleger am Aktienmarkt am liebsten aus ihrem Gedächtnis streichen. Die Kurse rutschen den vierten Tag in Folge ab. Und all das hat mit China zu tun.

Die andauernden Turbulenzen an Chinas Börsen reißen auch den deutschen Aktienmarkt weiter in die Tiefe. Der Dax fiel am Donnerstagvormittag deutlich unter die Marke von 10.000 Punkten. Binnen der ersten Handelsstunde sackte der deutsche Leitindex Zug um Zug immer weiter ab und stand zuletzt mit 3,32 Prozent im Minus bei 9874,95 Punkten.

Wegen der Sorgen um Chinas Wirtschaft hatte der Dax bereits in den vergangenen drei Handelstagen knapp fünf Prozent an Wert eingebüßt. Auch die Ölpreise fielen weiter, da mit einer sinkenden Nachfrage aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gerechnet wird.

Auch der MDax der mittelgroßen Konzerne sackte im frühen Handel weiter ab und verlor zuletzt 3,12 Prozent auf 19 365,96 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax brach um 3,84 Prozent auf 1718,85 Punkte ein. Nur wenig besser sah es an den Europa-Börsen aus: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rutschte um 2,96 Prozent auf 3046,38 Punkte ab.

Panikartige Verkäufe in China

An den chinesischen Börsen hatten die Anleger abermals panikartig Aktien verkauft. Der Handel wurde bereits nach kurzer Zeit wegen zu hoher Verluste zunächst ausgesetzt und dann ganz beendet für den Tag - und das bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Zuletzt verlor der Index CSI 300 mit den wichtigsten Unternehmen des Landes rund sieben Prozent an Wert. An den anderen asiatischen Börsen wie in Japan ging es ebenfalls deutlich abwärts.

Zu den starken Verlusten in China hatte zuletzt auch die Sorge beigetragen, dass Großaktionäre sich im großen Stil von ihren Papieren trennen, wenn am Freitag eine entsprechende Verkaufsfrist abläuft. Die Börsenaufsicht hatte daraufhin neue Regeln angekündigt.

Am Donnerstag erklärte sie nun, künftig dürften Großaktionäre nur alle drei Monate maximal ein Prozent der Anteile eines Unternehmens verkaufen. Zudem müsse der Verkauf 15 Handelstage vorher angekündigt werden. Das solle zur Stabilisierung der Märkte beitragen. Doch manche Marktakteure befürchten, dass ein gegenteiliger Effekt eintritt. "Das ist verrückt", kommentierte der Gründer von Mandarin Capital Partners, Alberto Forchielli, die Maßnahmen. "Die chinesischen Behörden haben alle Hoffnungen zerstört, die die Investoren noch in den Markt hatten."

Abwertung des Yuan

An den globalen Finanzmärkten sorgten sich die Anleger nun auch wegen der weiteren Abwertung der chinesischen Währung Yuan (Renminbi), wie IG-Marktanalyst Angus Nicholson sagte. Dies könnte auf eine noch größere Schwäche der chinesischen Wirtschaft hindeuten als aus offiziellen Statistiken hervorgehe.

Der US-Großinvestor George Soros sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, mit der Yuan-Abwertung wälze China seine Probleme auf den Rest der Welt ab. Die globalen Märkte stünden nach seiner Einschätzung vor einer Krise, die Anleger müssten sehr vorsichtig sein.

Autowerte besonders betroffen

In Deutschland mussten vor allem die Autowerte Kursverluste verbuchen, die bereits nach mauen US-Absatzzahlen am Vortag unter Druck geraten waren. Die größten Verluste verbuchte BMW am Dax-Ende mit knapp fünf Prozent, Daimler folgte mit einem Minus von über vier Prozent. Als weltweit größter Automarkt ist China für die deutschen Hersteller enorm wichtig. Bereits im vergangenen Jahr war der chinesische Fahrzeugmarkt wegen der Konjunkturschwäche ins Stottern geraten.

Vorzugsaktie von Volkswagen, die wegen des Abgas-Skandals im Fokus steht, knickte um mehr als vier Prozent ein. Der Autokonzern muss laut einem Pressebericht voraussichtlich ein Fünftel der von den Abgas-Manipulationen betroffenen Autos in den USA zurücknehmen. Das wären gut 115.000 Fahrzeuge, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete.

Auch die Aktien von Zulieferern wie Continental, Norma und Leoni büßten mehr als vier Prozent ein. Der Autozulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall fiel mit einem Verlust von knapp sechs Prozent an das MDax-Ende.

ul/zdh (dpa, rtr)