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Wirtschaft

Börsen bügeln Brexit-Delle aus

Auf ihrem Erholungskurs haben die europäischen Börsen am Mittwoch einen Zahn zugelegt. Selbst enttäuschende Zahlen der Deutschen Bank brachten sie nicht vom Weg ab.

Der Deutsche Aktienindex Dax überwand den Brexit-Schock und schloss mit 10.319,55 Punkten erstmals wieder über dem Niveau unmittelbar vor dem Referendum über den Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Der EuroStoxx50 stieg ebenfalls um 0,7 Prozent auf 2999,48 Zähler und der Londoner Auswahlindex FTSE verabschiedete sich mit 6750,43 Stellen auf dem höchsten Stand seit etwa einem Jahr in den Feierabend.

"Es ist ein Cocktail aus drei Faktoren, der heute für gute Stimmung am Parkett sorgt", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Apple übertrifft die pessimistischen Prognosen und blickt optimistisch in die Zukunft, Japan schnürt ein weiteres Konjunkturpaket und über allem schwebt die Hoffnung, dass die Zinsen in den USA noch eine Weile sehr tief bleiben."

Apple versöhnt

Wegen eines schwächelnden iPhone-Absatzes ging der Umsatz von Apple im abgelaufenen Quartal zwar um knapp 15 Prozent zurück. Analysten hatten jedoch mit einem noch größeren Minus gerechnet. Apple-Papiere stiegen daher um 6,5 Prozent. Zulieferer Dialog Semiconductors notierte 4,7 Prozent im Plus.

Europäische Unternehmen überraschten ebenfalls positiv: So gab der Luxusgüterkonzern LVMH ein Umsatzplus von drei Prozent auf 17,2 Milliarden Euro bekannt. Die Stärke der Marke Louis Vuitton und die Dynamik des Gesamt-Geschäfts würden unterschätzt, schrieben UBS-Analysten in einem Kommentar. LVMH-Aktien stiegen an der Pariser Börse um 7,5 Prozent. Das ist der größte Tagesgewinn seit eineinhalb Jahren. In ihrem Windschatten gewannen die Konkurrenten Kering, Richemont und Swatch bis zu 3,7 Prozent.

Banken bleiben Sorgenkinder

Mit Enttäuschung reagierten Investoren auf die Zahlen der Deutschen Bank. Die Aktien des deutschen Branchenprimus waren mit einem Minus von 3,2 Prozent Schlusslicht im Dax. Wegen eines schwächelnden Geschäfts im Investmentbanking hielt sich das Institut im zweiten Quartal gerade noch im Plus. Bei der Kapitaldecke sind es hingegen mau aus.

Dies sorgte zwei Tage vor Veröffentlichung der Ergebnisse des Stresstests der europäischen Bankenaufsicht für zusätzliche Nervosität. Im Rahmen ihres Fitness-Checks prüft die EBA, ob die heimischen Institute ein ausreichend dickes Kapitalpolster haben, um eine weitere Finanz- oder Wirtschaftskrise abzufedern.

Um dieses Thema drehte sich auch die Diskussion bei der HVB-Mutter Unicredit, deren Aktien 4,1 Prozent nachgaben. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge denkt das größte italienische Geldhaus über eine fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung nach. Außerdem blies Unicredit die geplante Fusion ihrer Vermögensverwaltung mit derjenigen der spanischen Santander ab.

Wall Street wartet auf Fed-Entscheid

An der Wall Street verhinderten schwache Geschäftszahlen einiger Großkonzerne eine Fortsetzung der Rekordjagd. Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 pendelten um ihre jeweiligen Schlusskurse. Coca-Cola büßte 3,6 Prozent ein. Der Quartalsumsatz des Getränke-Anbieters blieb mit 11,54 Milliarden Dollar hinter den Markterwartungen zurück. Die Titel von Twitter brachen sogar um zwölf Prozent ein. Der Anstieg der Erlöse des Kurznachrichten-Dienstes lag mit 20 Prozent unter den Analystenprognosen und so niedrig wie noch nie seit dem Börsengang 2013.

Mit Spannung warteten Börsianer unterdessen auf Aussagen der US-Notenbank Fed zur Geldpolitik am Abend (MESZ). "Wenige Wochen nach dem Brexit-Referendum werden die wirtschaftlichen Risiken und die Inflationsperspektiven die US-Notenbank noch länger davon abhalten, an der Zinsschraube zu drehen", sagte Niall Delventhal, Analyst des Brokerhauses DailyFX. "Zudem werden die Währungshüter vor der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl ein Interesse daran haben, die Konjunkturerholung keinen Risiken auszusetzen."

wen/dk (rtr, dapa)