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Wirtschaft

Börse Frankfurt zieht chinesische Firmen an

Chinesische Unternehmen streben an die Frankfurter Börse. Dort sind inzwischen 33 Mittelständler aus China gelistet. Doch Investoren sind nach dem ersten Hype zurückhaltend.

Bullen-Skulptur vor der Börse in Frankfurt (Foto: AP)

Skulptur Bulle vor der Börse in Frankfurt

Garnelen, Krabben oder Kalmare: Über 100 verschiedene Sorten Fisch- und Meeresfrüchte produziert die chinesische Firma Haikui Seafood AG. Die Zentrale auf der chinesischen Insel Dongshan in der Provinz Fujian beliefert Kunden in China und weltweit. In diesem Jahr entschied sich das Unternehmen, an die Börse zu gehen - in Frankfurt, über 9.000 km westlich vom Firmensitz.

"Die Deutsche Börse präsentiert sich ausgesprochen gut. Auf der Webseite kann man sogar Chinesisch als Sprache auswählen", sagt Alan Gey, Finanzvorstand von Haikui Seafood. "So können wir direkt sehen, welche Unterlagen für den Börsengang notwendig sind, wie der Prozess verläuft und welche Banken auf China spezialisiert sind."

Firmensitz von Haikui Seafood AG auf der Insel Dongshan (Foto: Haikui Seafood AG)

Firmensitz von Haikui Seafood AG auf der Insel Dongshan

Insgesamt 33 Firmen aus China sind in Frankfurt an der Börse gelistet: zehn davon im streng regulierten Börsensegment Prime Standard. Die ZhongDe Waste Technology AG, die auf Müllverbrennungsanlagen spezialisiert ist, war Mitte 2007 das erste chinesische Unternehmen im Prime Standard. Am 15. Mai dieses Jahres war auch Haikui Seafood soweit: Das mittelständische Unternehmen gab die ersten Aktien aus.

Die Anziehungskraft Frankfurts

Die Erschließung europäischer Märkte ist nicht der vorrangige Anreiz für chinesische Mittelständler, an Frankfurt an die Börse zu gehen. "An den chinesischen Börsenplätzen hat es ein mittelständisches Unternehmen schwer, wahrgenommen zu werden und überhaupt ein Listing, also eine Börsennotierung, zu bekommen", sagt Moritz Freiherr Schenck, China-Experte bei der Beratungsfirma KPMG. "Die Börsen in Shenzhen und Shanghai sind stark reguliert, was die Größenanforderung anbelangt. Wenn man eine gewisse Größe nicht erreicht, dann haben die Unternehmen wenig Relevanz für denjenigen, der sie zum Listing zulässt.“

Zudem wollen sehr viele chinesische Unternehmen an die Börse. Das Gedränge sei so groß, dass es für einen Mittelständler nicht einfach sei, eine Zulassung zu bekommen. Das habe mit der Qualität des Unternehmens jedoch nichts zu tun, so der Berater.

2. Alan Gey, Finanzvorstand von Haikui Seafood AG Die Rechte liegen bei Haikui Seafood AG und die Erlaubnis für die Veröffentlichung s. Emailkorrespondenz.

Alan Gey von Haikui Seafood

Finanzvorstand Alan Gey nennt die zügige Abwicklung, die Transparenz und die klaren Anforderungen als Gründe, warum sich Haikui Seafood für den Börsengang in Deutschland entschieden hat. Und noch etwas zeichne Frankfurt gegenüber anderen europäischen Börsen aus: "Die kleinen und mittleren Unternehmen werden hierzulande als das Herz der deutschen Wirtschaft betrachtet. Hier gibt es viele Investoren, die die Herausforderungen solcher Firmen kennen und ihr Geschäftsmodell verstehen."

Chinesische Unternehmen und die Deutsche Börse profitieren beide von solchen Börsengängen, glaubt Unternehmensberater Schenck. "Es ist einfach ein anderes Renommee, wenn man darauf verweisen kann, dass man nicht nur ein erfolgreicher Produzent von Meeresfrüchten in China ist, sondern auch an einer ausländischen Börse gelistet ist." Der Finanzplatz Frankfurt wiederum gewinne durch chinesische Firmen an Bedeutung für Investoren, so Schenck.

Investoren sind skeptisch

"Wachstumsmarkt China" - dieses Zauberwort hat eine Zeitlang viele Anleger für alles begeistert, was aus dem Reich der Mitte kam. Doch inzwischen sind die Investoren ernüchtert. Denn die chinesischen Firmen, die in Frankfurt gelistet sind, schreiben zum größten Teil rote Zahlen. Der Pionier Zhongde Waste Technology hatte bislang das größte Emissionsvolumen mit mehr als 108 Millionen Euro. Seitdem hat die Aktie 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Moritz Freiherr Schenck, China-Experte bei der Beratungsfirma KPMG

Moritz Freiherr Schenck von KPMG

"Die ersten Börsengänge waren mit sehr viel mehr Öffentlichkeit verbunden, momentan ist es ein etwas steiniges Feld", sagt Unternehmensberater Schenck. "Die chinesischen Firmen haben sich nicht besonders attraktiv entwickelt. Dazu kommt, dass es den einen oder anderen Bilanzskandal mit chinesischen Unternehmen gab, die an ausländischen Börsen gelistet sind."

In Deutschland hat ZhongDe Waste Technology etwa die Veröffentlichung der Bilanzzahlen verschoben. Das sind Nachrichten, die kein Vertrauen schaffen. Die mangelnde Kommunikation zwischen Anlegern und Unternehmensspitze nennt Schenck als einen weiteren Schwachpunkt. Die Lust, in alles zu investieren, was aus dem aufstrebenden China kommt, hat einen Dämpfer erhalten. Nun werden chinesische Firmen stärker überzeugen müssen.

Kleine und mittelständische Unternehmen aus China zeigen nach wie vor Interesse am Börsenplatz Frankfurt. Chinas große Konzerne bleiben Frankfurt dagegen fern und gehen nach Shanghai und Shenzhen. Denn für wirtschaftliche Schwergewichte gibt es dort keine langen Wartezeiten.