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Wirtschaft

Börse am Mittag: Schwache Vorgaben belasten deutsche Märkte

Schwache Vorgaben der US-Börsen und Spekulationen um Belastungen für deutsche Chemiefirmen durch eine mögliche Abschaffung deutscher Sonderregeln bei der Ökosteuer haben den Dax am Mittwoch belastet.

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Der Deutsche Aktienindex (Dax) notierte am Mittag mit 4951, also 107 Punkte oder mehr als zwei Prozent unter seinem Vortagesschluss und fiel damit erneut unter die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 57 Punkte oder fast viereinhalb Prozent auf 1244 ab.

Sinkendes US-Verbrauchervertrauen

"Wenn sich die Konjunktur im ersten Halbjahr 2002 nicht erholt, gibt es jetzt keinen Grund, Aktien zu kaufen", sagte ein Aktienhändler mit Blick auf die am Vortag bekannt gegeben Daten zum US-Verbrauchervertrauen, die deutlich hinter den Markterwartungen zurückblieben. "Wir sind jetzt mitten in der Konsolidierung", sagte ein anderer Börsianer. Angesichts des gewaltigen Kursanstiegs in den vergangenen zwei Monaten sei die Entwicklung allerdings noch gesund.

Sonderregelungen auf dem Prüfstand

Der EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti will einem 'Handelsblatt'-Bericht zufolge die Abschaffung oder Eingrenzung von Ausnahmen in der Ökosteuer zu Gunsten des produzierenden Gewerbes durchsetzen. Monti sehe in den Sonderregelungen, die für energieintensive Branchen wie Bergbau, Chemie sowie Stahlindustrie Steuernachlässe vorsehen, eine unerlaubte Beihilfe. "Das würde die Nachsteuerergebnisse der betroffenen Unternehmen deutlich belasten", sagte ein Chemie-Analyst zu Reuters. "Monti wird nicht von seiner Position abrücken. Die Bringschuld liegt bei Deutschland." Die zeitlich beschränkte Duldung der deutschen Ökosteuer durch die EU läuft nach Analystenangaben Ende März 2002 aus. Dann kollidiere europäisches und deutsches Recht.

Chemie-Titel schwächer

Bis zum Mittwochmittag fielen die Kurse der beiden Chemiekonzerne Degussa und BASF im Dax um jeweils über zwei Prozent. BASF wird außerdem nach eigenen Angaben zusätzliche Rückstellungen für die eventuelle Entrichtung der Vitamin-Kartellbuße der Europäischen Union noch dieses Jahr verbuchen. Die von der Europäischen Kommission gegen BASF verhängte Strafe von 296,16 Millionen Euro wegen illegaler Absprachen und Preisfestsetzungen im Vitamingeschäft hatte nach BASF-Angaben die dafür gebildeten Rückstellungen übertroffen.

Auch die Aktie der Telekom fiel nach der Vorlage endgültiger Quartalszahlen um zeitweilig bis zu zwei Prozent.

Asiatische Börsen unter Druck

Die internationalen Vorgaben hatten bereits die Richtung gewiesen: Die asiatischen Leitbörsen haben am Mittwoch schwächer notiert, nachdem die Rating-Agentur Standard & Poors (S&P) ihre Krediteinstufung für Japan wegen des langsamen Reformfortschritts der Regierung heruntergestuft hatte. "Die Einstufung japanischer Anleihen könnte noch weiter zurückgenommen werden, wenn sich die Schuldendynamik der Regierung weiter verschlechtert", teilte S&P mit.

In Tokio schloss der Nikkei-Index für 225 Standardwerte 324 Punkte oder drei Prozent tiefer auf 10.624 Punkten. S&P senkte ihr Langfrist-Rating für japanische Staatsanleihen auf 'AA' von zuvor 'AA+', was Händler zufolge besonders Bankwerte, aber auch die allgemeine Marktstimmung drückte.

Euro legt gegenüber Dollar zu

Der Euro notierte bis zum Mittag fester mit 0,8850 Dollar nach 0,8818 Dollar am Dienstag. Am Dienstag hatte die schlechte Stimmung unter den US-Verbrauchern den Euro-Anstieg ausgelöst. Der Euro ist nach Einschätzung von Bundesbankpräsident Ernst Welteke zum Dollar unterbewertet. Weil jedoch eine Beeinflussung der Wechselkurse nicht Ziel der EZB-Politik sei, wolle er keinen angemessenen Wechselkurs nennen, sagte Welteke am Mittwoch in Tokio auf einer Bankenkonferenz.

Schwächer haben die Kurse an Wall Street am Dienstag den Handel beendet, nachdem der Index für das US-Verbrauchervertrauen November deutlich schlechter ausgefallen war als erwartet. Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte verlor 1,1 Prozent bzw. 110,15 Stellen auf 9.872,60, nachdem er im Handelsverlauf bereits mehr als 150 Punkte im Minus gelegen hatte. Der Nasdaq-Composite-Index ging mit einem Abschlag von 0,3 Prozent bzw. 5,26 Punkte auf 1.935,97 aus der Sitzung.

Die Stimmung unter den US-Verbrauchern hat sich deutlich eingetrübt. Der Index des Verbrauchervertrauens fiel auf 82,2. Die Analysten hatten mit einem Anstieg auf 86,1 gerechnet. "Der schwache Index hat den Markt zwar zurückgeworfen, aber ich würde den heutigen Tag nicht überbewerten", erklärte ein Analyst. "Der Markt schien nach den jüngsten sehr deutlichen Kursaufschlägen auch etwas müde", fügte er hinzu. Im Blickpunkt standen erneut die Werte aus dem Konsumbereich. Die Anleger seien unschlüssig über das Verhalten der Verbraucher, die zwei Drittel der ökonomischen Aktivitäten darstellen, und damit ein Schlüssel für die weitere konjunkturelle Entwicklung seien, erklärte ein Teilnehmer.

  • Datum 28.11.2001
  • Autorin/Autor Thomas Kirschning
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1QAk
  • Datum 28.11.2001
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