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Wirtschaft

Börse am Mittag: Aktienmärkte ignorieren das Schrumpfen der Wirtschaft

Deutschland steht am Rande einer Rezession - in Frankfurt steigen die Kurse. Paradoxer geht es kaum.

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Die Weltkonjunktur schwächelt, die deutsche Börse nicht

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft, nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal stagniert war. Sollte das BIP auch im vierten Quartal sinken, würde sich Deutschland in einer Rezession befinden. Zumindest nach der Definition der meisten Volkswirte, die bei einer zwei Quartale in Folge lang sinkenden Wirtschaftsleistung von einer Rezession ausgehen.

Für die meisten Analysten kam das Schrumpfen überraschend. Sie hatten im Durchschnitt mit einem "Null-Wachstum" gerechnet. Aber es hatte auch warnende Stimmen gegeben. So trafen die Analysten der Investmentbank WestLB Panmure mit ihrer Vorhersage von minus 0,1 Prozent ins Schwarze. Beim Blick auf die einzelnen Sektoren fällt deren unterschiedliche Entwicklung auf: Einerseits gab es im produzierenden Gewerbe mit minus 1,2 Prozent und im Baugewerbe mit minus 5,3 Prozent eine deutlich geringere Wertschöpfung. Andererseits legten die Branchen Finanzierung, Vermietung und Unternehmens-Dienstleister mit 2,7 Prozent sowie Handel, Gastgewerbe und Verkehr mit 2,4 Prozent kräftig zu.

Die Börsianer zeigten sich unbeeindruckt und setzten ihre "Rally" auch am Donnerstag fort. Der DAX stieg bis 12 Uhr mittags auf 5.110 Punkte, ein Plus von 23 Zählern oder 0,5 Prozent. Auch der Neue Markt konnte um 0,5 Prozent zulegen: Hier ging es 7 Zähler auf 1.310 Punkte.

Fester lagen vor allem Technikwerte wie der Chiphersteller Infineon mit plus 7 Prozent oder der Bauelementfabrikant Epcos mit plus 2,7 Prozent. Damit erholten sie sich von ihrem Minus am Mittwoch, als sie nach den schwachen Quartalszahlen von Epcos eingebrochen waren. Infineon profitierte auch von der Ankündigung des Konzernchefs Ulrich Schumacher die Kosten mit der neuen 300-Millimeter-Wafer-Technik halbieren zu wollen.

Verlierer des Tages ist die Deutsche Lufthansa mit minus 3,1 Prozent. Die Unsicherheit über die laufenden Tarifverhandlungen und die Sparmaßnahmen belasten den Kurs. Viele Anleger überlegen sich nach dem starken Kursanstieg der letzten Wochen offenbar, ihre Gewinne jetzt ins Sichere zu bringen und die Lufthansa-Aktie zu verkaufen.

Kaum verändert dagegen der Kurs des Energie-Riesen RWE , der vor Börsenbeginn Zahlen vorgelegt hatte. Diese hatten recht genau die Erwartungen der Analysten erfüllt. Im vergangenen Quartal stieg das betriebliche Ergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal um 38 Prozent auf 903 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 22 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro. Kernstein des Erfolgs war der übernommene britische Wasserversorger Thames Water. Auch für die kommenden Quartal bleibt RWE positiv gestimmt.

Insgesamt blieb der Handel in Frankfurt recht ruhig, da die Wall Street an diesem Donnerstag wegen des Feiertags Thanksgiving geschlossen bleibt. Wenig Impulse werden nicht nur aus New York, sondern auch von der Ratssitzung der EZB in Frankfurt erwartet. Eine Zinssenkung ist unwahrscheinlich, da die EZB in Zukunft über ihre Leitzinsen nur an jedem ersten Treffen im Monat entscheiden will.

Vorgaben aus Asien

In Japan belasteten Probleme des Versicherungsunternehmen Taisei Fire & Marine Insurance die Kurse. Taisei steht kurz vor der Pleite, da es zu sehr durch die Kosten der Terroranschläge vom September belastet wird. Dagegen konnten Chipwerte wie Kyocera, Tokyo Electron und Advantest den Nikkei ins Plus heben. Der Nikkei schloss bei 10.696 Punkten, einem Gewinn von 36 Punkten oder 0,3 Prozent.

Noch positiver waren die Anleger am anderen großen asiatischen Börsenplatz in Hongkong gestimmt. Der Hang Seng stieg um 73 Punkte oder 0,7 Prozent auf 11.247.

Euro

Auch der Euro-Kurs blieb angesichts der Konjunkturdaten aus Deutschland cool: Mit 0,8779 US-Dollar lag er praktisch unverändert im Vergleich zum Vortag.

Die Dax-Kurse im Einzelnen, wie immer in Euro und ohne Gewähr:

Adidas 73,36 0,17
Allianz 262,93 1,46
BASF 42,90 -0,36
Bayer 38,05 0,22
Hypovereinsbank 39,50 0,15
BMW 38,40 -0,19
Commerzbank 21,46 -0,14
DaimlerChrysler 46,89 0,39
Degussa AG 28,93 -0,17
Deutsche Bank 74,87 -0,04
Deutsche Post 15,94 -0,21
Deutsche Telekom 19,47 0,17
E.ON 59,27 -0,34
Epcos 55,00 1,45
Fresenius 72,58 0,38
Henkel 67,89 -0,16
Infineon 21,60 1,42
Linde 47,86 0,26
Lufthansa 14,97 -0,48
MAN 22,10 0,38
Metro 38,69 0,19
MLP 85,10 -0,75
Münchner Rück 303,40 -0,10
Preussag 30,31 -0,12
RWE 44,08 -0,07
SAP 131,60 1,29
Schering 62,29 0,29
Siemens 67,36 1,08
Thyssen-Krupp 15,34 0,05
Volkswagen 51,13 0,33

  • Datum 22.11.2001
  • Autorin/Autor Johannes Beck
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1Oqx
  • Datum 22.11.2001
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