1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Böller, Sekt und gute Wünsche

Am 31. Dezember ist es wieder soweit: Das alte Jahr verabschiedet sich – begleitet von krachenden Böllern und leuchtenden Raketen. Zumindest in Deutschland. Anderswo feiert man den Jahreswechsel eher still und leise.

Feuerwerk am Brandenburger Tor, Quelle: AP

Alle Jahre wieder – Feuerwerk, hier am Brandenburger Tor

Böller und Raketen: Von Helsinki bis Warschau, von Sydney bis Rejkjavik gehören sie zum Jahreswechsel. Auch in Deutschland wird traditionell gezündelt und geknallt. Im Schnitt werden hier zwischen 100 und 200 Millionen Euro für einen bunten Feuerwerkshimmel ausgegeben. Und das, obwohl man größere Feuerwerkskörper der Klasse 2 (Gefahrenstufe für Feuerwerk) nur an drei Tagen im Jahr, unmittelbar vor Silvester, kaufen kann. Die Aktion "Brot statt Böller" der Deutschen Welthungerhilfe versucht jedes Jahr gegenzusteuern. Sie will die Menschen davon überzeugen, mit ihrem Geld lieber Hilfsprojekte in der dritten Welt zu unterstützen als Feuerwerkskörper zu kaufen.

Traditionell soll das Spektakel die bösen Geister abwehren und das neue Jahr begrüßen. Das erste Feuerwerk auf deutschem Boden fand 1507 statt. Allerdings nicht zu Silvester, sondern zu Ehren des Königs und späteren Kaisers Maximilian I.

Der Namensursprung des Silvesterabends liegt jedoch viel länger zurück. Denn der letzte Tag des Jahres sei nach einem Papst benannt, weiß Pastor Embgenbroich von der Kölner Kirche St. Severin. Und dieser Papst "lebte am Beginn des 4. Jahrhunderts unserer christlichen Zeitrechnung in Rom. Das Namensfest dieses Papstes Silvester hängt mit seinem Todestag zusammen." Es sei katholischer Brauch, dass nicht der Geburtstag, sondern der Todestag das entscheidende Datum sei – abgesehen vielleicht von der Geburt Jesu, meint Embgenbroich.

Tradition in vielen Farben

Illegal eingeführte Feuerwerkskörper, Quelle: AP

Illegale Böller: Einfuhr und Handel strafbar

Seit über 1600 Jahren wird in Deutschland zum Jahresausklang Silvester gefeiert. Das ist nicht überall so. In China wird das Neujahrsfest zum ersten Neumond zwischen dem 20.Januar und dem 20. Februar gefeiert. Auch hier traditionell mit Feuerwerken, die den bösen Drachen "Nin" verjagen sollen. China gilt als Erfinder des Schwarzpulvers und damit als Ursprungsland des Feuerwerks. Bereits um 1000 nach Christi wurden die ersten, einfachen Raketen in Bambusröhrchen in den Himmel geschickt.

In Russland ist der 31.Dezember der wichtigste Festtag. In vielen Familien werden Weihnachten und Silvester zugleich gefeiert. Es gibt Geschenke und um Mitternacht ein großes Feuerwerk. Die "bombotschki", kleine selbstgemachte Bomben, sind in Russland sehr verbreitet und nicht ungefährlich. Ephgenia Khan, professionelle Pyrotechnikerin der russischen Firma Khan, rät deshalb von selbst gebastelten Feuerwerkskörpern ab.

In Deutschland sind selbst fabrizierte Feuerwerkskörper verboten. Vor dem Verkauf werden sie vom Bundesamt für Materialforschung (BAM) geprüft. Sie erhalten nur dann das BAM-Prüfsiegel, wenn verschiedene Kriterien erfüllt sind. Entflammbarkeit, Menge der verwendeten Explosionsstoffe und Ummantelung werden dafür begutachtet.

Herzen statt Böllern?

Feuerwerk am Eiffelturm zum Nationalfeiertag, Quelle: AP

Feuerwerk am Eiffelturm: Frankreich böllert zum Gedenken an den "Sturm auf die Bastille"

In Frankreich und England geht es an Silvester eher ruhig zu: man verfolgt den Glockenschlag einer Turmuhr im Fernsehen, wünscht sich etwas für das neue Jahr und herzt seine Mitmenschen. Spektakuläre Feuerwerke zündet man lieber zu anderen Anlässen. In Frankreich zur Erinnerung an den "Sturm auf die Bastille" am 14. Juli. In England werden am 5. November, anlässlich des Guy-Fawkes-Day, Raketen und Zylinderbomben, Knaller und Salutschüsse in den Himmel gejagt.

In den vergangenen Jahren wurden zunehmend mehr Feuerwerk-Shows in den Großstädten inszeniert, geplant und durchgeführt von ausgebildeten Pyrotechnikern. Und das nicht nur zu Silvester. Hans-Georg Kehse, Gründer der Berliner Firma Pyro-Art, ist verantwortlich für Großfeuerwerke in Deutschland und der ganzen Welt. Das besondere dieser Pyro-Shows sieht er in der Gesamtchoreographie aus allen pyrotechnischen Elementen, die man zur Verfügung habe. Die kreative Mischung aller Arten von Feuerwerkskörpern mache den Reiz eines Feuerwerks aus, meint Kehse.

Die südeuropäischen Länder sind wiederum bekannt für ihre Straßenfeuerwerke, bei denen ganze Viertel um die schönsten und längsten Lichteffekte und lautesten Knallereien konkurrieren. Spezialist Kehse erklärt: "In Spanien speziell gibt es eine so genannte Mascletta. Das sind mit speziellen Zündschnüren verbundene Knaller, die während des Abbrennens einen speziellen Rhythmus, wie den Flamenco erzeugen." Finanziert wird dieses Spektakel von den Anwohnern, sagt Kehse. Jede Straße sammle das Geld, in jeder größeren Straße gebe es eine Mascletta.

Böllern auf Balkon und Straße

In Deutschland wird nur an Silvester privat gezündelt. Auf dem heimischen Balkon oder auf der Straße vor dem Haus wird fast jeder zum "Pyrotechniker für einen Abend". Überall wird von der Wunderkerze bis zu großen Feuerwerksbatterien der Himmel und der Boden illuminiert, begleitet vom Krachen und Jaulen der Knallfrösche, Chinaböller und Heuler.

Auf das "Bleigießen" zur Zukunftsdeutung oder die "Feuerzangenbowle" als traditionelles Silvestergetränk mögen inzwischen viele Menschen verzichten, nicht jedoch auf krachende Böller und glitzernde Raketen. Sie gehören zum Ausklang des alten Jahres, wie das Gläschen Sekt zum Anstoßen und die guten Wünsche für das neue Jahr.

Die Redaktion empfiehlt