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Aktuell Deutschland

Böhmermann legt Fernsehpause ein

Tagelang war er abgetaucht. Jetzt meldet sich Jan Böhmermann zu Wort: Der Satiriker zieht sich vom Bildschirm zurück - vorübergehend. ZDF-Intendant Thomas Bellut hatte ihm zuvor die volle Rückendeckung zugesichert.

Jan Böhmermann (Archivbild: Imago/Sven Simon)

Polizeistreife vor der Tür: Jan Böhmermann (Archivbild)

ZDF-Moderator Jan Böhmermann hat eine TV-Auszeit angekündigt. Er habe sich "entschlossen, eine kleine Fernsehpause einzulegen, damit sich die hiesige Öffentlichkeit und das Internet mal wieder auf die wirklich wichtigen Dinge wie die Flüchtlingskrise, Katzenvideos oder das Liebesleben von Sophia Thomalla konzentrieren" könnten, erklärte der Satiriker auf seiner Facebook-Seite. Zugleich bedankte er sich für die Solidarität seines Publikums.

Böhmermann fügte hinzu, er verlasse "jetzt erstmal" das Land. Dabei ließ er offen, wie viel Wahrheit darin steckt: Beim "Twerk & Travel durch Nordkorea" wolle er sich "die Sache mit der Presse- und Kunstfreiheit nochmal genau erklären" lassen, bevor er mit seinem Segway auf dem Jakobsweg pilgere, "um mich selbst zu finden".

"Wir gehen mit ihm durch alle Instanzen"

Das ZDF teilte mit, die Produktionspause werde vier Wochen dauern. Man "respektiere" Böhmermanns Entscheidung. Zuvor hatte der Sender dem Moderator seine volle Unterstützung für die juristische Auseinandersetzung mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zugesichert. Der Sender stehe hinter dem Satiriker, sagte Intendant Thomas Bellut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Wir gehen mit ihm durch alle Instanzen." Böhmermann hatte am 31. März in seiner Sendung ein als "Schmähkritik" betiteltes Gedicht vorgetragen, um daran die Grenzen von Satire und Meinungsfreiheit zu erörtern.

ZDF-Intendant Thomas Bellut (Archivbild: dpa)

"Die am wenigsten falsche Entscheidung": Intendant Thomas Bellut (Archivbild)

Erdogan wird in der Satire mit Worten unter der Gürtellinie angegriffen. Ankara forderte daraufhin eine Strafverfolgung Böhmermanns, die die Bundesregierung am Freitag bewilligte. Das ZDF hatte einen Tag nach der Sendung den auf ZDF Neo ausgestrahlten Beitrag aus seiner Mediathek gelöscht. Intendant Bellut sagte nun dem "Spiegel", er halte das Gedicht für einen Grenzfall: "Man kann das so oder so sehen."

Den Entschluss, die Szene aus der Mediathek zu entfernen, habe er aufgrund seines "persönlichen moralischen Wertesystems" getroffen. "Ich habe es mir nicht leicht gemacht. Aber ich halte sie nach wie vor für die am wenigsten falsche Entscheidung, die ich treffen konnte", sagte Bellut. Der ZDF-Redakteur, der die strittige Szene mit Böhmermann diskutiert und freigegeben habe, müsse "keinerlei disziplinarischen Maßnahmen befürchten", versicherte der Intendant.

Sollte Böhmermann im Gerichtssaal Platz nehmen müssen, dürfte er dem Rechtsanwalt Michael-Hubertus von Sprenger gegenübersitzen. Der vertritt Präsident Erdogan in Deutschland. Bereits mehrfach hatte er ungewöhnliche Mandanten, etwa den Chefredakteur der rechtspopulistischen Zeitschrift "Compact", Jürgen Elsässer. Die islamische Gemeinschaft Milli Görüs, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, zählte ebenso dazu wie der britische Holocaust-Leugner David Irving. Diesen vertrat er bereits vor 25 Jahren, wie von Sprenger im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) betonte.

Anonyme Morddrohungen

Falls es zum Strafprozess gegen den ZDF-Satiriker kommt, könnte der türkische Staatschef laut seinem Rechtsbeistand als Nebenkläger auftreten - und freilich würde von Sprenger die anwaltliche Vertretung übernehmen, "wenn er mir den Auftrag erteilt". Mehr als ein Dutzend weiterer Fälle betreue er neben der Causa Erdogan; doch diese ist nicht allein wegen der öffentlichen Wahrnehmung etwas Besonderes. Er habe schon anonyme Morddrohungen erhalten, sagte von Sprenger der dpa.

So hat er mit dem Beklagten gemeinsam, dass die Polizei "eingeschaltet" wurde - bei Böhmermann steht bereits seit Tagen ein Streifenwagen vor der Tür. Dennoch bekräftigt von Sprenger, für seinen Mandanten notfalls durch alle Instanzen bis vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen, wenn er dazu beauftragt werde. "Ich streite es durch, bis ich obsiege."

jj/fab (dpa, afp, rtr)

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