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Sprachbar

Bäumchen, wechsle dich!

Kennen Sie den Lenz? Nein? Aber ja doch! Er kommt direkt nach Väterchen Frost, bleibt dann ein Weilchen bei uns und hat Langersehntes im Gepäck: erste warme Sonnenstrahlen, Frühlingsblumen und – gefühle …

Wer seinen Weihnachtsbaum immer noch als moderne Dekoration im Wohnzimmer stehen hat, um den Garten in der Wohnung zu haben, sollte sich nun schleunigst von dem guten Stück trennen. Denn Hobbygärtner haben es schon längst gewittert: die Gartensaison hat wieder begonnen! Nachdem der Garten und mit ihm sein Besitzer lange genug im Winterschlaf gelegen haben, könnte letzterer nun wieder Bäume ausreißen.

Der Schuppen ist dran!

Diese Energie sollte er oder sie zunächst in die Entrümpelung des Gartenschuppens stecken. Denn obwohl hier im Herbst alles ordentlich winterfest gemacht wurde, herrscht frühlings auf wundersame Weise immer wieder ein großes Durcheinander.

Dagegen scheint kein Kraut gewachsen zu sein. Man gräbt so manches vergessene Gartengerät wieder aus: den Rechen, die Rosenschere, die Harke, den Spaten, die Schaufel, den Unkrautstecher und die Säge und feiert nebenbei Wiedersehen mit allerlei dekorativen Stücken, die im Herbst vor Väterchen Frost in Sicherheit gebracht wurden.

Allerlei Schmuck

Der Geschmack einiger Gartenbesitzer treibt hier teils seltsame Blüten. Zu den Devotionalien gehören bunte Glaskugeln, die in der Sonne Lichtblitze durch den Garten schicken, Windrädchen, Vogeltränken, Tonkugeln und -tiere aller Sorten und – man glaubt es kaum – der Gartenzwerg!

Mehrere Gartenzwerginnen

Gleichberechtigung auch in den Gärten

Dieses aus Ton gefertigte kleine Kerlchen, seit 1872 in einer Thüringer Manufaktur hergestellt und in den Nachkriegsjahren aus kaum einem Garten wegzudenken, war in den 1970er und 1980er Jahren gewissermaßen auf den Komposthaufen geworfen worden. In vielen Vorgärten erlebt es jetzt eine neue Blütezeit.

Gartenzwerg-Gleichberechtigung

Größe, Kleidung und berufliche Accessoires dürfen vielfältig sein, nur eins ist zwingend vorgeschrieben: seine rote Zipfelmütze. Früher kam auch noch das männliche Geschlecht hinzu. Weibliche Zwerge, also Zwerginnen gab es lange, lange, lange Zeit nicht.

Denn es konnte nicht sein, was nicht sein durfte, so Professor Fritz Friedmann, Vorsitzender der 1980 in Basel gegründeten "Internationalen Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge". Bei soviel stichhaltiger Argumentation fällt man allerdings glatt vom Stängel!

Der Kampf des Gärtners mit den Präfixen

Zurück zum Frühling: Jetzt gerät außer dem Gärtner auch die Natur in Bewegung: alles beginnt zu sprießen und wachsen, da rankt und windet es sich, es treibt und schießt – hoffentlich nur in die Höhe und nicht ins Kraut. Denn dann ist im Sommer das unbeliebte Unkraut jäten angesagt.

Die Bewegung macht sich tatsächlich auch in der Wortwahl bemerkbar. Viele Verben sind nämlich mit Präfixen verbunden, die Bewegung signalisieren: Der Gärtner muss ansähen und ansetzen, abschneiden und absägen, umstechen, einpflanzen und umtopfen.

Rechende Rechen

Und außerdem muss er auch rechen, harken, düngen und den Rasen lüften, wobei auffällt, dass er dazu Werkzeuge benutzt, deren Namen oftmals denselben Wortstamm wie die dazugehörigen Verben haben: beispielsweise sollte man mit dem Rechen rechen und mit der Harke harken und den Dünger nimmt man bitte auch nur zum düngen.

Eine Frau startet einen Rasenmäher

Die Gartensaison hat begonnen

Selbstverständlich muss im Vorfeld sorgfältig geplant werden, welcher Baum und Strauch, welche Staude, Knolle und Zwiebel wohin kommt, damit Größe, Form und Farbe miteinander harmonieren und nicht alles wie Kraut und Rüben durcheinander wächst – das Auge schaut ja schließlich auch hin!

Pikierte Pflanzen

Außer in das Beet und in die Rabatte kann man auch in Töpfe, Kübel und Kästen Pflanzen setzen – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ist der Garten sehr klein, kann man sich manchmal einfach nicht entscheiden, welchem Gewächs man den Vorzug geben soll und dann sitzt der Hobbygärtner gewissermaßen zwischen Baum und Borke.

Manche Gärtner haben die Vorgartenzeit natürlich schon genutzt, um junge Pflänzchen zu pikieren. Diese sind dann nicht etwa beleidigt, sondern vereinzelt, soll heißen, auseinander gezogen und einzeln eingepflanzt, damit ihre wachsenden Wurzeln, Stängel, Blätter und Blüten mehr Platz zur Entfaltung haben.

Des Gärtners Freude

Wenn dann die Sonne ihre wärmenden Strahlen mehrere Tage auf die Erde schickt, trägt die Arbeit erste Früchte: die gepflegten und gehegten Pflanzen beginnen zu blühen. Den Anfang machen Schneeglöckchen, Krokusse, Osterglocken und Tulpen. Aber das wird eine andere Geschichte … Versprochen!

Fragen zum Text

Wenn jemand sprichwörtlich Bäume ausreißen kann, dann …

1. fühlt sich jemand sehr kräftig.

2. war jemand im Fitness-Studio.

3. hat jemand eine Forstausbildung gemacht.

Pflanzen werden nicht …

1. eingepflanzt.

2. umgepflanzt.

3. abgepflanzt.

Zwischen Baum und Borke sitzen bedeutet, dass man …

1. auf Haufen mit Rindenmulch sitzt.

2. auf einem Traktor mit Baumstämmen fährt.

3. sich zwischen zwei Dingen entscheiden kann.

Arbeitsauftrag

Schreiben Sie eine imaginäre Geschichte von einer Pflanze, die im Frühjahr zu neuem Leben erwacht: von den ersten wärmenden Sonnenstrahlen bis zur liebevollen Betreuung durch den Gärtner. Verwenden Sie dabei Wörter und Redewendungen aus dieser Sprachbar-Folge.

Autorin: Anke Berlin

Redaktion: Beatrice Warken

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