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Sprachbar

Bären fressen Beeren

Die deutsche Sprache gilt als schwierig. Nur Tote hätten genug Zeit, sie zu lernen, meinte der amerikanische Schriftsteller Mark Twain. Und nicht nur die Grammatik ist schwierig, man muss auch genau hinhören.‎

Mark Twain mag seine Schwierigkeiten mit der deutschen Grammatik gehabt haben. Das beschreibt er sehr humoristisch in einem Essay mit dem Titel "The awful German language". Die deutsche Rechtschreibung fand Twain allerdings einfacher als die englische.

Das A und O der deutschen Sprache

Hat das Deutsche neben der abschreckenden Grammatik wenigstens eine einfache Aussprache? Ein Maßstab phonetischer Einfachheit ist die Zahl der verschiedenen Laute, genauer: Lauttypen, die man in einer Sprache unterscheiden muss. Zum Beispiel kennt das Spanische nur fünf Vokale: a – e – i – o – u, das ist ein einfaches und leicht lernbares System. Genauso einfach ist es im Deutschen. Genauso einfach? Im Deutschen kommen diese fünf Vokale zwar auch vor, allerdings in zweifacher Form: 'lang' und 'kurz', wobei die Langvokale zusätzlich 'geschlossen' ausgesprochen werden und die Kurzvokale 'offen'. Etwa so:

Bahn – Bann

beten – betten

bieten – bitten

Ofen – offen

Mus – muss

Außerdem hat das Deutsche noch die Vokale "ö" und "ü", die ebenfalls lang oder kurz sind:

Höhle – Hölle

fühlen – füllen

Insgesamt ergibt das in der Tonsilbe vierzehn bedeutungsunterscheidende Vokale – womit sich das Deutsche in der Vokalskala im oberen Mittelfeld der Sprachen befindet.

Von Fall zu Fall anders

Aber fehlt in dieser Liste nicht der durch den Buchstaben "ä" ausgedrückte Laut? Ja und nein – als Kurzvokal wird das "ä" wie ein kurzes "e" ausgesprochen. Der Plural von "das Fell" klingt genauso wie der von "Fall", nämlich: die Fälle. Nur die Schreibung ist verschieden.

Beim langen "ä" hat der Sprecher die Wahl: Er kann es geschlossen aussprechen oder – wie in der so genannten klassischen Bühnenhochlautung – offen. Geschlossen klingt es wie ein langes "e", und der Hörer weiß dann nicht, ob es sich bei "Bären" und "Beeren" um Tiere oder Früchte handelt. Geschrieben ist der Unterschied klar, aber hörbar wird nur bei einem langen offenen "e", dass die Bären Beeren fressen und mit "Säle" der Plural von "Saal" gemeint ist, nicht der Singular von "Seele".

Autor: Helmut Berschin

Redaktion: André Moeller

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