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Deutschland

Bärbel Bohley gestorben

Die DDR-Bürgerrechtlerin und Malerin Bärbel Bohley ist tot. Sie starb nach schwerer Krankheit am Samstagmorgen in Berlin. Bärbel Bohley wurde 65 Jahre alt.

Bärbel Bohley (Foto: DW)

Galt als Symbol der DDR-Bürgerbewegung: Bärbel Bohley

Bärbel Bohley am 09.11.1989 in Berlin (Foto: dpa)

Bärbel Bohley am 9. November 1989 in Berlin

Wie die Robert-Havemann-Gesellschaft am Samstag (11.09.2010) in Berlin mitteilte, erlag die 65-Jährige ihrem Krebsleiden. Bohley war eine der führenden Persönlichkeiten der friedlichen Revolution in der DDR. Für ihre Verdienste wurde sie nach der Wiedervereinigung unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Nationalpreis ausgezeichnet. Dieser würdigt Personen der Zeitgeschichte, die für das Zusammenwachsen Deutschlands und Europas eingetreten sind.

Symbolfigur der Freiheitsbewegung

Im September 1989 gehörte sie zu den Gründern der Bürgerbewegung "Neues Forum" und wurde zu einer der Symbolfiguren der ostdeutschen Freiheitsbewegung. Die Havemann-Gesellschaft, deren Gründungsmitglied Bohley war, würdigte sie als "streitbare und unbequeme Kämpferin für Menschen- und Bürgerrechte" sowie als "Stimme der DDR-Opposition" seit Mitte der 1980er Jahre. Sie wurde mehrfach inhaftiert, zum ersten Mal 1983/84 als sie in sechswöchige Untersuchungshaft kam. Das DDR-Regime warf ihr "landesverräterische Nachrichtenübermittlung" vor.

Der Arbeitsplatz von Bärbel Bohley in Berlin (Foto: DW)

Der Arbeitsplatz von Bärbel Bohley in Berlin

Im September 1990 besetzte Bohley zusammen mit anderen Aktivisten das Stasi-Akten-Archiv in der Berliner Normannenstrasse. Diese Aktion habe schließlich zur gesetzlich geregelten Einsicht in die Stasi-Unterlagen geführt, betonte Tom Sello von der Havemann-Gesellschaft. In den 1990er Jahren organisierte die Künstlerin in ihrer Berliner Wohnung "Montagsrunden", um zu verhindern, dass alte DDR-Seilschaften wieder mächtig wurden.

Engagement für Hilfsbedürftige im früheren Jugoslawien

Ab 1996 lebte und arbeitete Bohley vorwiegend im ehemaligen Jugoslawien. Sie leitete in Bosnien ein Wiederaufbauprogramm und ermöglichte Waisen und Kindern aus Flüchtlingsfamilien des ehemaligen Jugoslawiens gemeinsame Sommerferien in Kroatien. Bis zum Ausbruch ihrer Krebserkrankung lebte sie in der Nähe von Split in Kroatien. Im Frühjahr 2008 kehrte sie zur Behandlung nach Berlin zurück. Sie zog sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Ihr politischer Nachlass wird im Archiv der DDR-Opposition der Havemann-Gesellschaft aufbewahrt.

Kanzlerin Merkel tief betroffen

Angela Merkel würdigte Bärbel Bohley als eine der "bedeutenden Stimmen der Freiheit". Die Kanzlerin sagte, "für viele, auch für mich, waren ihr Mut und ihre Gradlinigkeit beispielhaft". Unerschrocken sei sie ihren Weg gegangen. "Wir Deutsche sind Bärbel Bohley zu Dank verpflichtet."

Autorin: Pia Gram (dpa, epd, dapd)
Redaktion: Susanne Eickenfonder

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