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Wissen & Umwelt

Award für Pionier von Pico-Solarenergie

Für sein Engagement bekommt Peter Adelmann den SolarWorld Einstein-Award. In Afrika und Asien ist er seit Jahren als Berater unterwegs und hilft beim Aufbau der ländlichen Elektrifizierung mit kleinen Solarsystemen.

Deutsche Welle: Herr Adelmann, Sie engagieren sich seit Jahrzehnten für die Elekrifizierung in den ländlichen Regionen der Welt mittels kleiner Solarsysteme. Noch rund zwei Milliarden Menschen leben weltweit ohne Strom. Welche Perspektive für eine Stromversorgung gibt es?

Peter Adelmann: In diesen ländlichen Regionen ist in der Regel die Solarenergie die kostengünstigste Quelle für Licht, Radio, TV und das Laden des Handys. Die Photovoltaik wächst hier stetig, meistens um 25 Prozent pro Jahr, auch wegen der kostengünstigen Solarmodule.

Seit fünf Jahren sehen wir in diesen Regionen den Trend zu sogenannten Pico-Solarsystemen. Diese sehr kleinen Systeme haben ein kleines Solarmodul, eine kleine Batterie und eine sehr effiziente LED-Lampe. Das System basiert auf einem sehr geringen Stromverbrauch. Die LEDs verbrauchen im Vergleich zur Energiesparlampe nur ein Drittel und zur Glühlampe nur noch ein Zwanzigstel des Stroms. Das heißt, sie brauchen kaum elektrische Energie, um helles Licht zu machen. Und auch Fernseher sind durch die LED-Technik heute extrem sparsam, verbrauchen im Vergleich zu den Altgeräten nur noch ein Fünftel der Energie.

Werden in diesen Regionen die effizienten Geräte gekauft?

Ja, das ist strikte Voraussetzung. Sie investieren vielleicht fünf Dollar mehr in die LED-Lampe selber, sparen aber gleichzeitig dann vielleicht 25 Dollar beim Solarsystem, weil Batterie und Solarmodule eben relativ klein sein können. Die meisten Anbieter bieten solche Pakete an.

Bangladesch Photovoltaik - ME SOLshare Ltd. Pressebild

Knapp vier Millionen Haushalte wurden in Bangladesch bereits mit kleinen Solaranlagen ausgerüstet

Wer verkauft diese Pico-Solarsysteme?

Kleine Händler bekommen die Systeme von Großhändlern und vertreiben sie vor Ort an die Leute. In diesem Jahr werden schätzungsweise zweieinhalb bis drei Millionen dieser Pico-Systeme verkauft. Dieser junge Markt entsteht gerade, hat ein schnelles Wachstum und das Potential ist groß. Etwa 400 Millionen Haushalte weltweit haben keinen Stromanschluss. Wir sind also erst am Anfang.

Wer entwickelt diese abgestimmten Systeme?

Es sind vorwiegend Start-up-Firmen, die meistens in Asien produzieren, aber ihren Hauptsitz in westlichen Ländern haben. Der Marktführer hat seinen Stammsitz in Australien, starke Anbieter kommen aus Amerika und auch in Deutschland gibt es ein paar sehr aktive Firmen.

Mobisol Photovoltaik Technologie in Ruanda

Diese Anlage finanzieren die Bewohner Ruandas über ein modernes Bezahlsystem per SMS

Was verändert sich durch diese kleinen Solarsysteme in den Ländern?

Es gibt erhebliche Veränderungen: Petroleumlicht ist teuer, eine Familie zahlt vielleicht zehn Dollar pro Monat dafür. Zudem ist dieses Licht schwach, erreicht eine Lichtstärke von nur 20 Lumen, eine LED-Lampe vom typischen Pico-System, kommt leicht auf 100, manchmal auf 200 Lumen.

Darüber hinaus erzeugen Petroleumlampen sehr viel Ruß, sehr viele Abgase. Nach Angaben der UNO sterben jedes Jahr mehrere Millionen Menschen an den Abgasen im Haus. Und auch die Feuergefahr ist groß. In Äthiopien brennen rund drei Prozent der Haushalte jedes Jahr aufgrund von Feuern ab, die meistens durch Petroleumlampen, manchmal aber auch durch das Kochen entstehen.

Zudem erreicht man durch elektrisches Licht mehr Bildung. Kinder, die tagsüber meistens auf dem Feld arbeiten, können so abends lernen und Erwachsene eine Abendschule besuchen.

Solarhandwerkerin ziegt mit Solarsystem in Äthiopien (Bild: Stiftung Solarenergie)

Die ersten Pico-Solarsystem in Äthiopien: Hier werden die kleinen Solarpakete schon seit einigen Jahren verkauft

Welche Rolle werden die Pico-Systeme bei der Elektrifizierung zukünftig haben?

Die Pico-Systeme kosten zwischen 30 und 80 Dollar. Das können Familien in der Regel ohne Kredit finanzieren, das entspricht den Ausgaben für das Lampenöl von wenigen Monaten. Die Elektrifizierung eines ganzen Dorfes mit einem lokalen Stromnetz ist im Vergleich wesentlich teurer. So ein Anschluss kostet pro Haushalt mindestens 2.000 Euro, im Durchschnitt sind es eher 5.000 Euro pro Familie.

Die ländliche Elektrifizierung mit diesen kleinen Systemen ist wirtschaftlich und damit eine Lösung. Ich bin mir sicher, dass in den nächsten Jahren viele Menschen so Strom bekommen werden. Ich hoffe, dass es bis 2020 viele 100 Millionen Menschen sind.

Die Fragen stellte Gero Rueter.

Peter Adelmann ist seit 30 Jahren Experte für dezentrale Energieversorgung, Professor für Photovoltaik an der Hochschule Ulm und gründete das Institute for Decentral Electrification in Ulm. Der

Solar World Einstein-Award

ist einer der höchstdotierten Preise der Photovoltaik-Branche. Adelmann bekommt ihn, weil er Menschen mit Solarenergie befähigt sich eine eigene Existenz aufzubauen und damit Ihnen hilft aus der Armut zu entfliehen.

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