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Kultur

Avantgardistisches aus Deutschland

Die Ausstellung "Nullpunkt. Nieuwe German Gestaltung" im Museum MARTa Herford zeigt die Design-Avantgarde aus Deutschland. Ihr Kurator? Ein Belgier. Er zeigt auch internationale Designer, die in Deutschland arbeiten.

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Kurator Max Borka auf seiner Deutschlandreise. Volkswagen ist eines der Wahrzeichen des deutschen Designs.

Der belgische Designkritiker Max Borka war als Kurator auf Deutschlandreise. Ob in München, Karlsruhe oder Berlin – überall suchte er nach spannenden Prototypen, Prozessen und Produkten der deutschen Designszene. Vor seiner Abreise hieß der Arbeitstitel noch: "Kein Design in Deutschland!“. In Deutschland schien so wenig zu passieren. Für die meisten sei deutsches Design noch immer äquivalent mit Audi, BMW oder Volkswagen, so der Kritiker. Aber Borkas Fundstücke von der Deutschlandreise sehen anders aus.

Kayser & Metzner Ikarus Process 21x30

Der Lampenschirm "IKARUS" von Aylin Kayser und Christian Metzner ist aus Wachs und schmilzt dahin

Norm als Nullpunkt. Nullpunkt als Norm.

Den ersten Teil nannte er "Norm als Nullpunkt". Hier weht nur noch ein Hauch von Tradition. Zu sehen sind vor allem junge Designer, die in ihren Prototypen Möbelstücke und Konzepte als Ausgangsbasis nehmen, um Neues zu schaffen. Lampenschirme aus Wachs, die dahinschmelzen (Aylin Kayser & Christian Metzner). Ein massiver Kleiderschrank aus Schaumstoff (Silvia Knüppel). Ein Kautschuk-Puzzle als Perserteppich (Katrin Sonnleitner). Ein Stockwerk tiefer dann der zweite Teil: "Nullpunkt als Norm". Es ist kein Zufall, dass sich hier vor allem Designer finden lassen mit spanisch oder englisch klingenden Namen. "Die haben diesen Druck nicht von der Vergangenheit. Die kennen auch diese Obsession von Norm nicht und, die machen dann, was sie wollen", sagt Borka.

El ultimo grito

Den Tisch aus Umzugkartons entwarf das spanische Duo "El Ultimo Grito" beim Umzug nach Berlin.

Design ist in Deutschland multikulturell geworden

Dem Belgier geht es nicht um deutsches Design, sondern um Design aus Deutschland. Sein Auftrag war, den Status Quo des deutschen Designs zu bestimmen. Er kam zu dem Ergebnis, dass es "undeutsch“ ist, also international, provokativ, verspielt, grenzüberschreitend, utopisch. Besonders Berlin – für Borka die erste postindustrielle Metropole der Welt – zieht Designer an, die keinen deutschen Pass haben oder kein Deutsch sprechen. Wie den Spanier Roberto Feo, der mit seiner Frau das Designer-Duo "El Ultimo Grito“ ("Der letzte Schrei") bildet. Als sie nach Berlin zogen, ließen sie alles zurück und entwarfen einfach neue Möbel. Aus Karton, Klebeband und Plastiktüten. Ein Tisch aus Umzugskartons wurde nun in Herford Teil ihrer Installation. Das Duo hat für die Ausstellung "Nullpunkt“ einen kompletten Raum unter das Motto "verlassene Architekturen“ gestellt. Hier bestimmt also der Nullpunkt die Norm.

Jerszy Seymour Salon des amateurs pool MARTa Herford gGmbH

Herzstück von Jerszy Seymours Installation "Salon des amateurs" ist ein begehbarer Vulkan-Pool

Der Vulkan-Pool als interaktives Design-Objekt

Der in Berlin geborene Kanadier Jerszy Seymour hat einen "Salon des Amateurs“ installiert. Hier lädt er seine Besucher zum Planschen und Relaxen ein. Serviert wird reichlich Gin und ein blütendweißes Handtuch. Die Installation ist Teil einer Serie, in der es um den Amateur als Individuum gehen soll. Aber warum ein Pool? "Es ist ein Pool, weil wir für die Leute ein Möbelstück brauchten, um über das Amateur-Manifest nachzudenken. Ein Vulkan-Pool schien der ideale Platz dafür. Ein Sofa ist zu faul, ein Stuhl zu bürokratisch und ein Pool bringt dich dazu, dass du bleiben willst“, sagt Seymour und springt ins Wasser.

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