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Autonome Autos

„Auto“ ist eine Vorsilbe, ein Präfix. Sie bedeutet: selbst, eigen, persönlich oder unmittelbar. Doch irgendwann im 20. Jahrhundert wurde die Vorsilbe selbst zum Wort und beherrscht seitdem die Straßen der Welt.

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Autonome Autos

Ich bin autonom, ich handele selbstständig. Ich bin ein Automat, ich funktioniere ohne fremde Hilfe. Hin und wieder bin ich auch ein Autodidakt, ich lerne ständig Neues über meine Umgebung. Ich bin nicht autark, ohne Energie läuft bei mir nichts. Ein Autokrat bin ich auch nicht, denn mein Handeln hängt noch immer ab von anderen – und die sorgen hoffentlich dafür, dass ich nicht zum Tyrannen werde. Ich bin ein Automobil.

Vom Selbst zum Auto

„Auto“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „selbst“, und „mobilis“ ist Latein und heißt „beweglich“. Automobil ist also der „Selbstbeweger“.

Mehrere Oldtimer Ford Model T fahren eine Straße entlang

Die ersten Autos ähnelten noch Kutschen

Ein Auto wird weder gezogen noch geschoben. Dafür hat es einen Motor, ein Wort, das wiederum auch aus dem Lateinischen kommt und auch „Beweger“ heißt.

Im 19. Jahrhundert war das revolutionär. Um ein Fahrzeug zu bewegen, brauchte man damals Tiere oder Menschen, die es zogen. Doch, wenn die Entwicklung so weitergeht, werde ich, das Auto, das mit dem Fahren und dem Steuern bald selbst übernehmen. Dann bin ich endlich ein Auto im wörtlichen Sinne. Ein autonomes Fahrzeug. Davon müssen sie damals geträumt haben, als sie das Wort erfanden.

Auto ohne Fahrer

Ob ihr es nun mögt oder nicht: Seit ein paar Jahren gibt es mich schon. Nur zu Testzwecken, versteht sich. Es gibt mich als Kombi, als Van, als Sportwagen als Cabrio und als Limousine. Ich habe eine Karosserie, einen Motor, Felgen und Scheibenwischer. Doch ein paar Dinge werden in Zukunft fehlen: das Lenkrad, das Gaspedal, die Kupplung, ja, sogar der Fahrersitz. Nur das Navi bleibt, irgendwie muss ich ja gelenkt werden.

Ein Lenkrad

Sind Lenkräder bald überflüssig?

Und, das hätte ich beinahe vergessen, noch etwas wird fehlen, oder besser jemand: der Autofahrer, der Wagenlenker, der Fahrzeughalter, der Besitzer der Fahrerlaubnis. Wenn wir autonome Fahrzeuge erst mal selbstständig von A nach B fahren, wird man wohl auch einen Führerschein nicht mehr brauchen. Der Duden, unser wunderbares Wörterbuch, muss das Ganze übrigens schon geahnt haben. Zum Stichwort „Auto“ heißt es dort: „durch einen Motor angetriebenes Straßenfahrzeug mit gummibereiften Rädern und offener oder geschlossener Karosserie zum Transport von Personen oder Gütern“. Von einem Fahrer ist da nicht die Rede.

Fahrspaß ohne Fahrer

Wie gesagt, ich bin seit zwei, drei Jahren auf verschiedenen Teststrecken unterwegs.Da bekommt man es natürlich auch mit Menschen zu tun.

Stau auf der Autobahn

Autonome Autos werden auch im Stau getestet

Die wollen wissen, ob ich das wirklich kann: das Vorfahrt achten, das Überholen, das Einfädeln, das Stop and-go im Stau, und ja, auch das mal-so-richtig-Gas geben. Da guckt so mancher erst mal wie ein Auto und gerät sprichwörtlich aus der Spur, wenn er merkt, dass es hier der Computer ist, der Gummi gibt.

Man kann sich schon mal abgehängt vorkommen oder wie das fünfte Rad am Wagen, gerade als Autoliebhaber, dem Fahrspaß über alles geht und der nicht nur cruisen und herumgurken, sondern hin und wieder richtig auf die Tube drücken will.

Schrottkarren und scharfe Schlitten

Meine Entwickler, die Autobauer, Computeringenieure und Künstliche-Intelligenz-Forscher bekommen sehr oft zu hören, sie hätten doch ein Rad ab, und über kurz oder lang würden sie den Karren in den Dreck fahren.

ein verrostetes Auto auf dem Schrottplatz

Endstation für ein altes Auto: der Schrottplatz

Und dann werden wir erst einmal eine Runde beschimpft. Man nennt uns Auslaufmodell, Rostlaube, alte Möhre, Schrottkarre oder Schlaglochsuchgerät. Das blinde Pärchen allerdings, das neulich zur Probefahrt da war, fand durchaus, ich sei ein scharfer Schlitten. Besonders für die beiden würde der Traum vom fahrbaren Untersatz endlich wahr werden, wenn wir autonomen Fahrzeuge im allgemeinen Straßenverkehr zugelassen würden.

Roboter und Pferde

Das dürfte noch ein paar Jahre dauern, doch am Ende wird es so kommen. Taxis werden dann ohne Fahrer unterwegs sein, und die Pizza vom Lieferservice darf man sich selbst aus dem Kofferraum nehmen. Kaiser Wilhelm II. hatte sich das damals vor mehr als 100 Jahren noch ganz anders vorgestellt. Er soll gesagt haben: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Zum Trost sei ihm gesagt, dass auch die Stärke moderner Elektroautos weiterhin in PS gemessen wird.


Glossar

gucken wie ein Auto – (umgangssprachlich) sich wundern, überrascht sein

aus der Spur geraten – (umgangssprachlich) den Halt verlieren, die Richtung im Leben verlieren

Gummi geben – (umgangssprachlich) schnell fahren

abgehängt werden – (umgangssprachlich) nicht Schritt halten können, zurückbleiben

das fünfte Rad am Wagen sein – (umgangssprachlich) überflüssig und unerwünscht sein

cruisen – (aus dem Englischen) ohne Ziel mit dem Auto herumfahren

herumgurken – (umgangssprachlich) ohne Ziel durch die Gegend fahren

auf die Tube drücken – (umgangssprachlich) Gas geben

ein Rad abhaben – (umgangssprachlich) leicht verrückt sein, etwas Unverständliches tun

den Karren in den Dreck fahren – (umgangssprachlich) scheitern



Arbeitsauftrag
Viele Firmen experimentieren bereits mit selbstfahrenden Fahrzeugen. Was haltet ihr von ihnen? Bildet kleine Arbeitsgruppen, formuliert Argumente für und gegen die Zulassung autonomer Fahrzeuge und tauscht eure Argumente später in der Lerngruppe aus.

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