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Weißrussland

Autokraten unter sich: Erdogan bei Lukaschenko

Der türkische Präsident besucht Minsk in Weißrussland, um eine Moschee zu eröffnen. Doch es ist wohl nicht die Religion, sondern das zunehmend ähnliche politische System, das beide Länder näher bringt.

Nach einer ungewöhnlich schnellen Wiederannäherung an Russland, die eine halbjährige Eiszeit beendete, intensiviert die Türkei auch Kontakte zu Weißrussland, Moskaus engstem Verbündeten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist in Minsk, um eine Moschee zu eröffnen.

Der Bau der ersten Moschee in der weißrussischen Hauptstadt dauerte über zehn Jahre. Die Fertigstellung verzögerte sich, weil es an Geld mangelte. Mit einer Finanzspritze aus der Türkei konnte der Bau beendet werden. Das schmucke rosafarbene Gebäude, das nicht sofort als Moschee erkennbar ist, steht im Tatarskij Skwer, einer Grünanlage nicht weit von der Stadtmitte.

Moschee-Eröffnung als Vorwand

Ein Großteil der ehemaligen Sowjetrepublik an der östlichen Grenze der Europäischen Union ist christlich orthodox, die muslimische Gemeinde ist überschaubar. Nach eigenen Angaben leben in dem Land mit 9,5 Millionen Einwohnern gerade mal rund 30.000 Muslime. Die meisten sind Tataren.

Belarussisch-türkische Beziehungen Mosche in Minsk (DW/E. Daneyko)

Nach über zehn Jahre Bau wird in Minsk die Moschee eröffnet

Deshalb spielt beim Besuch des türkischen Präsidenten in Minsk die Religion eine eher symbolische Rolle. Vielmehr dürften beim Treffen Erdogans mit seinem weißrussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko politische und wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Als es um die Vorbereitung des Besuchs ging, habe man auch über Investitionsprojekte gesprochen, hieß es aus Minsk. Der Besuch war ursprünglich für Juli geplant, wurde aber wegen des Putschversuches in der Türkei verschoben.

Ähnlicher Führungsstil

Beide Länder haben seit Jahrzehnten enge Beziehungen. Die Türkei war das erste Land, das im Dezember 1991 die Unabhängigkeit Weißrusslands von der Sowjetunion anerkannt hatte. Lukaschenko und Erdogan sind mit 62 Jahren nicht nur gleich alt und tragen beide Schnauzer. Bei einem Besuch Lukaschenkos in der Türkei 2009 sagte Erdogan, beide Spitzenpolitiker seien sich charakterlich ähnlich.

Ihr autoritärer Führungsstil wurde zuletzt in der Tat immer ähnlicher. Lukaschenko wurde wegen Unterdrückung der Opposition noch vor wenigen Jahren in westlichen Medien "Europas letzter Diktator" genannt. Erdogan werden im Westen immer öfter diktatorische Züge vorgeworfen. Die Verfassungsreform, die der türkische Präsident nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vorantreibt, erinnere stark an eine "Machtvertikale in Weißrussland und Russland", sagt der weißrussische Politik-Experte Roman Jakowlewskij der Deutschen Welle.

Einbruch bei Investitionen

Die Türkei war in den vergangenen Jahren einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Weißrusslands im Nahen Osten und einer der größten ausländischen Investoren. Die größten türkischen Investitionen in Weißrussland waren bisher ein Hotel, eine Casino-Kette und ein Mobilfunknetz. Doch in den letzten drei Jahren sei viel türkisches Kapital abgezogen worden - von 512 Millionen US-Dollar 2014 auf 15 Millionen im laufenden Jahr, sagt der Minsker Wirtschaftsexperte Alexander Filipow. Das geschah vor dem Hintergrund westlicher Sanktionen gegen Russland, mit dem Weißrussland eng verbunden ist. Das Bruttoinlandsprodukt sank 2015 um 3,9 Prozent.

Rüstungsgüter im Angebot

Vor diesem Hintergrund dürfte Lukaschenko die Wirtschaftskontakte mit der Türkei beleben wollen. Beide Länder hätten Interessen an der Waffenindustrie, sagen manche Beobachter in Minsk. Weißrussland könne der Türkei seine Kommunikationssysteme anbieten. Minsk brauche im Gegenzug Raketentechnologien.

Zuletzt bot auch Russland dem NATO-Mitglied Türkei militärische Zusammenarbeit an, darunter eigene Flugabwehrsysteme. 

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