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Wirtschaft

Autokonzerne sagen "Ja zu TTIP"

Die Chefs deutscher Autohersteller und -zulieferer stellen sich gegen die wachsende Kritik am geplanten Freihandelsabkommen mit den USA . Ihre Hoffnungen in Bezug auf TTIP sind groß.

Audi-Chef Rupert Stadler, der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche, VDA-Präsident Matthias Wissmann und BMW-Chef Norbert Reithofer bei der Pressekonferenz der VDA Foto: Soeren Stache/dpa

Audi-Chef Rupert Stadler, der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche, VDA-Präsident Matthias Wissmann und BMW-Chef Norbert Reithofer trommeln für TTIP

Die acht Männer auf dem Podium stehen Schulter an Schulter. Es ist etwas eng da oben. Aber die Vorstandsvorsitzenden von Daimler, BMW, Audi, Porsche, der Chef der Ford-Werke, des Fahrzeugentwicklers Kirchoff und des Zulieferers Bosch wollen unbedingt zusammen Präsenz zeigen. Sie stehen vor einer Plakatwand mit der Aufschrift "Ja zu TTIP". Die Fotografen haben Mühe, sie alle zusammen ins Bild zu bekommen. Mittendrin steht Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA). "Wir brauchen das Freihandelsabkommen", sagt Wissmann und schwärmt von einem transatlantischen Markt ohne Grenzen, ohne Zölle, dafür mit gemeinsamen Standards und sicheren Investitionen. Blinker, Außenspiegel, Stoßdämpfer müssten derzeit je für Europa und die USA gesondert entwickelt und zugelassen werden, das vernichte Ressourcen. Daimler-Chef Dieter Zetsche nickt und blickt gerade in die Kameras: "Wir können uns gar nicht vorstellen was wäre, wenn das Freihandelsabkommen mit den USA nicht zustande kommt."

Demonstranten mit Kuhattrappe Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch

Lautstarker Protest gegen die Auswirkungen von TTIP auf die Landwirtschaft

Die Zweifel an dem "Transatlantic Trade and Investment Partnership" - kurz TTIP - waren in den vergangenen Monaten sehr deutlich in der Öffentlichkeit zu hören. Kulturschaffende, Verbraucherschützer und Gewerkschafter machten gegen das Abkommen mobil, das es den Unternehmen in den USA und Europa leichter und lukrativer machen soll, ihre Waren über den Atlantik zu exportieren. Befürchtet werden gesenkte Qualitäts- und Umweltstandards und das Aushebeln von Landesgesetzen durch geheim tagende Schiedsgerichte. Seit eineinhalb Jahren wird hinter verschlossenen Türen über TTIP verhandelt, was ebenfalls nicht dazu beigetragen hat, das Freihandelsabkommen beliebter zu machen.

USA wichtigster Markt für die Autoindustrie

Die Mächtigen der deutschen Autoindustrie wollen sich jetzt dafür einsetzen, dass die Stimmung dreht. Sie haben allen Grund dazu. Nach Angaben des VDA gingen etwa 14 Prozent der deutschen Pkw-Exporte im letzten Jahr in die USA. Das seien rund 620.000 Fahrzeuge gewesen – nur Großbritannien nimmt den Deutschen mehr Autos ab. Aber je nach Produkt verlangen die USA bis zu 25 Prozent Einfuhrzölle. Hinzu kommen die genannten Zulassungsbeschränkungen bei den Ausstattungen. "Das meiste Geld verschwenden wir bei den Crash-Tests", ärgert sich Zetsche. Dabei seien die Standards in EU und USA ähnlich hoch, nur die Prüfmethoden im Detail unterschiedlich. Es würde Sinn machen, die Vorschriften gegenseitig anzuerkennen und künftig gemeinsam weiterzuentwickeln, meint der Daimler-Chef. Die Politik müsse nun Kurs halten, meint Verbandschef Wissmann.

Opel-Kleinwagen mit Aufklebern Foto: Heiner Kiesel

Rot markiert: Viele Bauteile müssen doppelt hergestellt und abgenommen werden. Das kostet die Autobauer Milliarden.

"Vor allem mittelständische Unternehmen würden davon profitieren, die sich den bürokratischen Aufwand und die hohen Verwaltungskosten sparen würden", unterstreicht Arndt Kirchhoff, dessen Kirchhoff Holding diesem Unternehmenssegment angehört. Das brächte dann auch mehr Umsatz und viele neue Jobs, ist er überzeugt. Die nichtöffentlichen Schiedsgerichte, die das Abkommen vorsieht, sieht Kirchhoff wie seine Kollegen auf dem Podium als Segen für den internationalen Handel. Ordentliche Gerichtsverfahren könnten sich kleine Firmen gar nicht leisten, außerdem zögen sie sich unnötig in die Länge. "Lassen Sie uns die Polemik gegen die Schiedsgerichte beenden, und stattdessen über das „Wie“ und nicht das „Ob“ einer guten Schiedsgerichtsbarkeit sprechen", plädiert der Mittelständler.

Einsparpotenziale für Verbraucher und Unternehmen

Viele Milliarden könnten die Unternehmen durch TTIP einsparen. Geld, das den Unternehmensführern zufolge in Innovationen fließen könnte und damit die Präsenz der deutschen Automobilhersteller auf dem Weltmarkt stützen würde. Aber auch die Menschen in dem durch TTIP entstehenden, größten globalen Wirtschaftsraum würden profitieren, glauben die Unternehmensführer. Zetsche nennt eine Zahl: "Laut einer Studie der EU hätte eine Familie bis zu 545 Euro im Jahr mehr in der Tasche." Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt vermuten die VDA-Unternehmen als positiv, obwohl natürlich durch vereinheitliche Produktionsstandards auch Einsparpotenziale bei den Standorten denkbar werden. "Es liegt uns sehr viel daran, die Arbeitsplätze in der Auto- und der Zulieferindustrie zu sichern", bescheidet Porsche-Vorstandsvorsitzender Matthias Müller diesen Themenbereich. Der Chef des Sportwagen-Herstellers wendet sich dann noch einmal an die Kritiker des Freihandelsabkommen TTIP und mahnt: "Die Chancen sind größer als die Risiken." Bezüglich der Automobilindustrie ist das überzeugend dargelegt.

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