Autoexperte: ″Tesla hat unübersehbare Probleme″ | Wirtschaft | DW | 29.11.2017
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Automobilbranche

Autoexperte: "Tesla hat unübersehbare Probleme"

Tesla-Elektroautos sind echte Statussymbole, die Nachfrage übersteigt das Angebot enorm. Doch für die Aktionäre sieht der Autoexperte Frank Schwope von der Nord LB im DW-Interview entscheidende Nachteile.

Deutsche Welle: Sie haben den US-amerikanischen Elektroauto-Hersteller Tesla aus Sicht von potentiellen Aktien-Käufern unter die Lupe genommen. Was sind die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Analyse?

Frank Schwope: Tesla ist natürlich ein sehr interessantes Unternehmen, dass Elektrofahrzeuge, sprich: Autos für die Zukunft baut. Aber man darf nicht vergessen, dass Tesla hoch defizitär ist, dass Tesla keine Gewinne schreibt. Ich glaube auch nicht, dass Tesla vor dem Jahr 2020 Gewinne schreiben wird. Das Unternehmen ist eine riesige Marketing-Maschine, die immer dann, wenn es Probleme gibt, mit Neuheiten aufwartet - wie jetzt mit dem Tesla-Truck oder dem Tesla-Roadster. Meiner Meinung nach geschieht das in erster Linie, um von Problemen im Unternehmen abzulenken. Grundsätzlich bin ich skeptisch bei Tesla - nicht wegen der Autos, sondern wegen der Profitabilität des Unternehmens.

Gehen wir doch einmal ins Detail, wo liegen die Stärken von Tesla?

Die absolute Stärke ist natürlich das Marketing. Die Autos sind teilweise Selbstläufer. Die teureren Modelle S und X sind sehr begehrt. Auch für das günstigere Modell 3 liegen jetzt über 400.000 Vorbestellungen vor, die aber erstmal abgearbeitet werden müssen. Die Frage dabei ist aber, ob Tesla das auch profitabel schafft, ob Tesla das in absehbarer Zeit auf die Reihe bekommt oder ob sich Probleme ergeben beim Hochfahren der Produktion. Ich bin da durchaus skeptisch.

Das heißt, die Schwächen sind aus Ihrer Sicht unübersehbar?

Frank Schwope (NordLB)

Autoexperte Frank Schwope

Die Schwächen sind natürlich unübersehbar. Gerade wenn ein Unternehmen relativ neu am Markt ist, also relativ jung und unerfahren in der Massenproduktion. Tesla ist bisher nur ein Kleinserien-Hersteller gewesen mit rund 80.000 Autos pro Jahr. Wenn man plötzlich ganz andere Dimensionen erreichen will, nämlich 500.000 im Jahr 2018 oder eine Million im Jahr 2020, dürfte das nicht ohne Probleme vonstatten gehen. Ich glaube, wir werden in den nächster Zeit noch die eine oder andere Negativ-Meldung hören.

Der Börsenwert von Tesla liegt aktuell nicht weit entfernt von Branchenriesen wie General Motors und Ford. BMW wurde bereits überholt. Halten Sie das für gerechtfertigt?

Das kann durchaus gerechtfertigt sein, nämlich dann, wenn ein Unternehmen wirklich in der Zukunft der angesagte Automobilhersteller ist, der heute schon die Elektroautos hat, die in den nächsten Jahren begehrt sind und wenn das Unternehmen in den nächsten Jahren Profite abwirft. Aber bei Tesla gab es schon in den letzten Jahren einige Verzögerungen. Ich halte die Marktkapitalisierung, also den rechnerischen Gesamtwert der Anteile dieses börsennotierten Unternehmens von über 50 Milliarden US-Dollar für nicht gerechtfertigt und sehe durchaus ein Potential für Rückschläge.

Tesla baut nicht nur Elektroautos, Batterien und Ladestationen. Auch Transportmittel wie ein Zug, der Menschen mit Höchstgeschwindigkeit durch Röhrensysteme Von A nach B bringen soll und sogar kommerzielle Weltraumflüge für Touristen sind vom Chef Elon Musk geplant. Welche Rolle spielen solche futuristischen Ideen?

Dazu muss man sagen: Mit Tesla direkt hat das nichts zu tun. Das sind Projekte von Elon Musk, der ja nicht nur der Chef von Tesla ist. Aber meiner Meinung nach sind diese Projekte nicht förderlich, weil sie ihn von Tesla ablenken. Wenn man solche Projekte hat wie Space X - das ist die Rakete, die zum Mars fliegen soll - ist das sicherlich ganz nett, aber es lenkt von der Konzentration auf das Elektroauto bei Tesla ab. Und andere Projekte, wie diese Röhren-Hochgeschwindigkeitszüge sind bislang Hirngespinste für die Zukunft. Ob es soetwas jemals geben wird, steht noch in den Sternen.

Wie abhängig ist die Firma vom Großaktionär Elon Musk, der ja selber eine schillernde Gestalt ist?

Tesla CEO Elon Musk (Reuters/B. Yip)

Tesla-Chef Elon Musk

Das ist so ähnlich wie früher bei Apple mit Steve Jobs. Genauso ist Tesla auch von dem Marketing-Menschen Elon Musk abhängig. Wenn Musk morgen verkünden würde, dass er aus dem Unternehmen aussteigt, gäbe es sicher extreme Rückschläge beim Aktienkurs. Von einem Rücktritt gehe ich aber nicht aus.

Womit steht und fällt Tesla?

Mit dem Modell 3. Da wird sich jetzt entscheiden, ob das Unternehmen profitabel arbeiten kann, ob es in der Lage ist, die Produktion schnell hochzufahren - und ob es überhaupt in der Lage ist, ein Elektroauto für netto 35.000 Dollar in den USA zu verkaufen. In Europa wird dieser Preis inklusive Mehrwertsteuer für das Modell 3 wohl bei rund 40.000 Euro liegen. Die Frage ist, ob Tesla das auch profitabel hinbekommt. Besonders was die Produktionssteigerungen anbelangt, bin ich skeptisch.

Das Gespräch führte Klaus Ulrich.

Frank Schwope ist Autoanalyst bei der Norddeutschen Landesbank Nord LB.

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